#UKRAINE AKTUELL Nr. 1530 (2.5.2026 / 8Uhr)

  • 9.Mai Nimbus des Kremls zerstört
  • Russlands Frontvorstoss gestoppt
  • Überforderte russische Luftabwehr
  • «5.Generation»-Kampfjets zerstört
  • Ukraine verkauft Drohnen&Waffen
  • Wirtschaftspleiten in besetzter Zone
  • Internet wird unerschwinglich teuer

AM 9.MAI WIRD ES PEINLICH

(KOMMENTAR) In den letzten 80 Jahren galt der 9. Mai als DAS zentrale Fest Russlands und der von ihm angeschlossenen Republiken und Ländern: Die Parade für den «Sieg der Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland» anlässlich der Kapitulation Hitlerdeutschlands am 8. Mai 1945. In allen grossen Städten des sowjetischen und nachsowjetischen Reiches waren Paraden obligatorisch und so pompös wie möglich.

Auf dem Roten Platz marschierten tausende Elitesoldaten im Stechschritt. Waffen aller Art wurden unter einem Meer von Roten Fahnen präsentiert und am Himmel donnerte alles, was der Welt Angst machen sollte. Auf den Ehrentribünen war neben der Geriatrie-Garde des Kremls auch die Weltpolitik mit ihren Repräsentanten vertreten.

Damit ist es dieses Jahr – und vermutlich auch in Zukunft – vorbei.

In Moskau werden dieses Jahr am 9. Mai nur vier Staatschefs anwesend sein. Gemäss russischen Medien sind das jene von Belarus/Weissrusland, Kasachstan, Kyrgistan und Robert Fico, Ministerpräsident des EU-Staates Slowakei. Aus Protest haben die baltischen Staaten der Slowakei mitgeteilt, dass der Luftraum für Ficos Reise nach Moskau gesperrt sein wird, so dass er einen grösseren Umweg fliegen muss.

Neben Fico und den drei Diktatoren aus den russischen Nachbarländern werden nicht einmal Vertreter der engsten Verbündeten anwesend sein. Letztes Jahr waren das noch China, Serbien und Brasilien neben 24 anderen Staatschefs. Sie haben dieses Jahr keine Lust mehr, die Überreste eines sterbenden Reiches zu bewundern.

Die diesjährigen Mini-Paraden in Moskau und St. Petersburg werden so oder so nur ein Schatten ihrer Vorgänger sein. Es werden keine Panzer, Atombombenraketen, Drohnen, Artilleriegeräte und anderer technischer Klimbin präsentiert und auch die zackig marschierenden Soldaten der Elite-Militär-Unis glänzen durch Abwesenheit.

Noch einen Schritt weiter geht die russische Stadt Samara. Die Parade am 9. Mai wurde wegen möglicher Drohnenangriffe offiziell abgesagt. Die Bühne und andere Einrichtungen waren bereits installiert, werden nun aber wieder abgebaut.

https://x.com/wartranslated/status/2049945462392959320; https://x.com/gerashchenko_en/status/2050269473941180595

RUSSLANDS VORMARSCH GESTOPPT

Zum zweiten Monat in Folge hat die russische Armee mehr besetztes Gelände in der Ukraine verloren als gewonnen. Im März und im April hat die ukrainische Armee netto rund 80 Quadratmeilen zurückerobert. Somit bleiben der russischen Armee aktuell 45’700 Quadratmeilen besetztes Land auf dem ukrainischen Festland und der Krim.

Die ukrainische Publikation «Euromaidan Press» schreibt dazu: «Der wahrscheinliche Grund dafür liegt nicht an der Front. Er liegt 200 km dahinter. Ukrainische Drohnen haben im letzten Monat 440 Ziele getroffen. Seit Juni haben sie 492 russische Luftabwehrsysteme zerstört – schneller, als Moskau sie ersetzen kann. Die Schutzarchitektur bricht zusammen, was bedeutet, dass tiefere Angriffe weitere Ziele erreichen, was wiederum bedeutet, dass russische Regimenter bereits mit einem Mangel an Treibstoff, Munition und Führung an der Front ankommen. Die Drohnenkampagne wird den Krieg nicht beenden. Sie verschiebt langsam das Kräfteverhältnis.»

https://euromaidanpress.com/2026/05/01/russians-falling-back

ÜBERFORDERTE LUFTABWEHR

Die russische Luftabwehr ist landesweit zunehmend überfordert, der ukrainischen Drohnen- und Raketenkampagne entgegenzuwirken. Die Lage im Süden Russlands, insbesondere in und um Tuapse, ist derzeit das deutlichste Beispiel: Dort brennen nach dem vierten Angriff innerhalb von zehn Tagen zwei der vier grössten Öl-Tanks mit zusammen 20’000 Kubikmeter Ladung. Zwei weitere gleichgrosse Tanks sind gefährdet. Der Brand wütet seit zwei Tagen anhaltend. Auf Satellitenbildern sind die betroffenen Tanks zu sehen, die sich neben bereits ausgebrannten Tanks befinden.

Tuapse ist kein Einzelfall, schreibt der deutsche Militärblogger «Tendar»: «Was einst Russlands Vorteil war – seine Grösse –, ist nun zu einer Belastung geworden. Das russische Regime muss Kompromisse eingehen, und zwar den, Moskau um jeden Preis zu schützen und andere Teile Russlands aufzugeben. Moskau könnte bald ins Fadenkreuz geraten, aber das ist für Putin noch nicht einmal das Schlimmste. Das russische Regime wird enorme Mengen an Luftabwehrmitteln in die Hauptstadt verlegen müssen und damit den Rest des Landes ungeschützt lassen. Und es gibt nicht viel, was sie dagegen tun können.»

https://x.com/front_ukrainian/status/2050291977900400957/photo/2; https://x.com/tendar/status/2050229568653402367

NEUSTE JETS ZERSTÖRT

Wie am 1. Mai bekannt wurde, hat die ukrainische Armee mehrere russische Su-57-Kampfflugzeuge und einen Su-34-Jagdbomber auf dem Flugplatz Shagol im Gebiet Tscheljabinsk, angegriffen. Eine der Besonderheiten: Der Flugplatz Shagol befindet sich etwa 1’676 Kilometer von der internationalen Grenze entfernt.

Bei den Su-57-Kampfflugzeugen handelt es sich um die neueste, sogenannte «5. Generation» von Tarnkappenbombern, von denen die russische Armee bisher weniger als 30 Exemplare im Einsatz hat. Satellitenaufnahmen bestätigen, dass mehrere Flugzeuge getroffen wurden.

Ausserdem griffen ukrainische Einheiten in der Nacht auf den 30. April Mi-28- und Mi-17-Hubschrauber auf einem Flugplatz in der Nähe von Babky im Gebiet Woronesch an. Dieser Flugplatz befindet sich 150 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-may-1-2026/; https://x.com/euromaidanpress/status/2050223220775670135; Video: https://x.com/i/status/2050246618537214426

UKRAINE VERKAUFT WAFFEN

Die Ukraine bereitet sich darauf vor, eigene Waffen zu exportieren, allerdings unter einer strengen Vorgabe: Das ukrainische Militär erhält vorrangigen Zugang, bevor etwas ins Ausland verkauft wird.

Volodymyr Zelenskyj sagte, dass einige Bereiche der ukrainischen Rüstungsindustrie derzeit über bis zu 50 % überschüssige Produktionskapazitäten verfügen, was bedeutet, dass Unternehmen mehr produzieren können, als der Staat derzeit abnehmen kann. «Dies ist ein seltsames, aber aufschlussreiches Problem in Kriegszeiten», schreibt die Plattform Ukrinform.

Das neue Modell ermöglicht den Verkauf überschüssiger Drohnen, Raketen, Munition, militärischer Ausrüstung, Software und anderer Systeme im Rahmen zwischenstaatlicher «Drohnen-Deals» mit Partnern in Europa, am Golf, im Nahen Osten, im Kaukasus und möglicherweise in den Vereinigten Staaten. Über all dem behält der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine die Kontrolle darüber, dass nicht zuviel verkauft wird und das nichts davon nach Russland gelangt, sagte Zelenskyj in einer Videobotschaft.

https://www.ukrinform.net/rubric-economy/4117636-zelensky-afu-will-have-priority-access-to-sufficient-weapons-despite-exports.html; https://www.youtube.com/watch?v=KpCh3J2a9T0

PLEITEN IM LUHANSK

Die an Bodenschätzen reiche, aber seit zehn Jahren von Russlands besetzte Zone von Luhansk kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dies berichtet die Zeitung «Moscow Times», die vom Kreml aus «ausländischer Agent» bezeichnet wird.

Die Moscow Times schreibt: Kohlebergarbeiter in der besetzten Region Luhansk im Osten der Ukraine berichten, dass sie ohne Lohn dastehen und mit Massenentlassungen konfrontiert sind, nachdem das Unternehmen, das mehrere grosse Bergwerke betreibt, in Richtung Insolvenz gerutscht ist. Dies verschärft die wirtschaftliche Not in einer Region, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt unter dem russischen Krieg leidet.

Arbeiter der Bergwerke Krasny Partizan, Dolzhanskaya-Kapitalnaya und Sverdlov gaben an, seit Dezember keine Löhne mehr erhalten zu haben. Der russische Sender RTVI berichtet, dass rund 1’200 Menschen nach der Schliessung der Bergwerke im März ohne Arbeit dastünden. Die örtliche Staatsanwaltschaft teilte mit, das Unternehmen schulde den Arbeitern Löhne für Januar und Februar 2026.

Das Unternehmen räumte die Lohnrückstände gegenüber den örtlichen Behörden ein und erklärte, es plane, diese zurückzuzahlen, „sobald Gelder auf den Konten des Unternehmens eingehen“.

Die Nichtzahlung von Löhnen ist zu einem wiederkehrenden Problem für Bergleute in der von Russland besetzten Ostukraine geworden. Dort haben unrentable Bergwerke, wachsende Schulden und wiederholte Eigentümerwechsel dazu geführt, dass Arbeiter regelmässig monatelang auf Löhne und Abfindungen warten müssen und oft auf staatliche Intervention angewiesen sind, um ausstehende Löhne einzutreiben.

https://www.themoscowtimes.com/2026/04/27/mass-layoffs-unpaid-wages-hit-coal-mines-in-occupied-luhansk-as-operator-nears-bankruptcy-a92616

INTERNET WIRD UNERSCHWINGLICH

In Russland umgehen viele Menschen die Internetbeschränkungen, indem sie VPNs (Virtual Private Networks) nutzen. Damit können die Nutzer im Internet surfen, ohne dass Behörden Einsicht in die besuchten Webseiten und Webdienste haben. Die russischen Zensurbehörden stört das, aber es gibt ein technisches Problem: Die Behörden können nicht zwischen VPN-Verbindungen und Verbindungen ins Ausland unterscheiden und so können die VPN-Verbindungen nicht isoliert und allenfalls blockiert werden.

Nun prüft das russische Ministerium für digitale Transformation einen anderen Weg: Der gesamte ausländischen Datenverkehr im mobilen Internet soll mit einer Extragebühr belastet werden.

Die russischen Militärblogger von «Milinfolive» schreiben: «Dieser Schritt wird den externen mobilen Internetzugang für die meisten Nutzer praktisch unzugänglich machen, aufgrund lächerlicher und miserabler Limits von 15 GB pro Monat. Es ist zu erwarten, dass das Limit mit der Zeit reduziert und die Initiative auch auf das Festnetz ausgeweitet wird, womit ein vollständig „geschlossenes Internet“ im Land entsteht. Es wird immer teurer und schwieriger, solche strengen Einschränkungen zu umgehen.»

https://t.me/milinfolive/171368

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