#UKRAINE AKTUELL Nr. 1529 (1.5.2026 / 7Uhr)

  • Spaltung Kyiv – Washington
  • Zelenskyjs Trimester-Bilanz
  • Ölbrände in Tuapse und Perm
  • Seedrohnen attackieren Schiffe
  • Schweden blockiert Frachter
  • Korn-Raubschiff nicht in Haifa
  • Biennale Jury zurückgetreten

ABKEHR VON DEN USA

Volodymyr Zelenskyj hat sich von einem absoluten Befürworter der amerikanischen Führungsrolle zu einem Kritiker der US-Aussenpolitik gewandelt. Dieser Positionswechsel geschah öffentlich und innerhalb weniger Wochen, wie der «Kyiv Independent» feststellt. Hier eine Zusammenfassung des Textes mit Zitate aus dem Artikel:

Die Ukraine unterstützte die US-Militäroperation im Nahen Osten Ende Februar als erste westliche Regierung und bot ihre Hilfe bei der Bekämpfung der iranisch-russischen Drohnen an. Doch Trump sagte am 13. März. «Der letzte vom dem wir Hilfe brauchen, ist Zelenskyj. Wir brauchen keine Hilfe von der Ukraine. Wir wissen mehr über Drohnen als jeder andere.»

Mitte April hob Washington die Ölverkaufsanktionen für Russland auf, um die Engpässe wegen der Blockade der Strasse von Hormus zu dämpfen. Der «Kyiv Independent» schreibt: «Für Kyiv kam dieser Schritt einem Verrat gleich. Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanishyna, kritisierte die Entscheidung öffentlich und schrieb auf X, Kyiv «fordere die US-Regierung nachdrücklich auf, die Sanktionen gegen russisches Öl und russische Erdölprodukte wieder in Kraft zu setzen».

Regierungsvertreter seien zunehmend bereit, Washington offen herauszufordern. «Die Ausnahmeregelung ist nur die Spitze des Eisbergs», sagte eine Quelle. Das tieferliegende Problem, so argumentieren Regierungsvertreter, sei nicht Öl – es sei Vertrauen.»

Zwei weitere Beispiele für die Veränderung der Beziehung: «In einer seiner jüngsten Äusserungen kritisierte Zelenskyj die beiden an den Friedensbemühungen für die Ukraine beteiligten US-Gesandten Witkoff und Kushner direkt und sagte, ihr Vorgehen zeige Respektlosigkeit gegenüber Kyiv: «Es ist respektlos, nach Moskau und nicht nach Kyiv zu kommen, das ist einfach respektlos», sagte er am 20. April.» Und Ende April kritisierte Zelenskyj öffentlich den US-Vizepräsidenten JD Vance dafür, dass dieser die Einstellung der amerikanischen Militärhilfe für die Ukraine gelobt hatte. Diese Haltung komme Russland zugute und schwäche die Vereinigten Staaten, sagte Zelenskyj».

Auffällig sei auch, dass sich Kyiv nicht zum versuchten Attentat auf Trump geäussert habe. Ein Beamter sagte dem «Kyiv Independent»: «Natürlich verurteilen wir Gewalt. Aber es wäre unangemessen, da die USA selbst dann keine Erklärungen abgegeben haben, als wir massiven Angriffen ausgesetzt waren.»

Oleksandr Merezhko, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des ukrainischen Parlaments, sagte, Zelenskyj versuche, ein schwieriges Gleichgewicht zu wahren. Die Zeitung schreibt: «Die Strategie der Ukraine bleibe unverändert – engagiert bleiben, respektvoll bleiben und weiter Druck ausüben: «Es ist manchmal sehr schwierig, das sehe ich. Aber wir müssen Beharrlichkeit zeigen», sagte Merezhko «Trump schätzt Beharrlichkeit, also müssen wir weiterarbeiten, egal wie schwer es ist.»

https://kyivindependent.com/ukraine-hits-limits-of-patience-with-trump-as-trust-erodes-behind-the-scenes

ZELENSKYJS TRIMESTER BILANZ

In einem Interview mit dem konservativen US-Sender «Newsmax» machte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj unter anderem folgende Aussagen:

  • Russland ist nicht in einer starken Position – es gewinnt nicht. Wir befinden uns in der besten Position der letzten 9 –10 Monate, ich meine auf dem Schlachtfeld, aber in jedem Fall ist es besser, den Krieg zu beenden.
  • Wenn US-Vizepräsident JD Vance stolz darauf ist, uns nicht zu helfen, bedeutet das, dass er den Russen hilft, und ich bin nicht sicher, ob das die USA stärkt. Russland ist ein Feind. Es wird immer ein Feind der USA sein.
  • Wir haben Signale von Partnern erhalten, dass es aufgrund dieser Eskalation im Nahen Osten möglicherweise nicht ratsam ist, bestimmte Energieinfrastruktur in Russland anzugreifen. Und natürlich habe ich Nein dazu gesagt.
  • Unser Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine ist der schnellste Weg zur Schaffung der stärksten Streitkräfte der Welt.
  • Die Russen sind absolut verrückt, wenn sie Atomkraftwerke angreifen. Die Kontrolle Russlands über das Saporischschja Atomkraftwerk könnte zu einer Katastrophe führen, wie sie in Tschernobyl passiert ist.

https://t.me/u_now/197995

VIERTER TUAPSE-ANGRIFF

In der Nacht auf den 1. Mai wurde die Hafenanlage in Tuapse in Südrussland zum vierten Mal innerhalb von zehn Tagen von ukrainischen Drohnen angegriffen. Erste Videos zeigen Brände in der Nähe der Raffinerie und des Hafens. Noch am Donnerstag hatte die örtliche Feuerwehr gemeldet, dass nach zwei Tagen die Tanks ausgebrannt seien und das Feuer gelöscht werden konnte.

Gemäss früher veröffentlichten Satellitenbildern wurden bei den ersten drei Angriffen grosse Teile der Tankanlagen und Teile des Exporthafens beschädigt, nicht jedoch die Ölraffinerie von Tuapse.

Nicht gelöscht ist bisher der Brand der Ölraffinerie und der Tankanlagen in Perm im russischen Ural. Bilder zeigen kilometerhohe Rauchwolken und hilflos zusehende Feuerwehrleute.

Im April führte die Ukraine mindestens 21 Angriffe auf russische Ölanlagen durch. Dies sei der höchste Wert seit Dezember 2025, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Mindestens neun Angriffe erfolgten direkt auf Ölraffinerien.

Laut Schätzungen von OilX ist die durchschnittliche Ölverarbeitung in Russland aufgrund dessen auf 4,69 Millionen Barrel pro Tag gesunken – den niedrigsten Wert seit Dezember 2009.

https://t.me/exilenova_plus/19822 ; https://t.me/exilenova_plus/19761;  https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-04-30/us-iran-standoff-shows-no-sign-of-easing-as-trump-backs-blockade;

ZWEI ARMEEBOOTE ATTACKIERT

Das Patrouillenboot des Typs Projekt 12200 «Sobol» des russischen Geheimdienstes FSB und das Minenabwehrboot des Typs Projekt 21980 «Grachonok» der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation hatten die Aufgabe, die Kertsch-Brücke zwischen Russland und der Krim zu bewachen.

Beide Schiffe wurden von Seedrohnen der ukrainischen Armee angegriffen. Dabei kamen ferngesteuerte Drohnen zum Einsatz, die mit Raketenwerfern ausgerüstet sind. Auf Videos ist zu sehen, wie diese Raketen in die russischen Schiffen einschlagen. Das Ausmass des Schadens ist bisher nicht bekannt.

https://t.me/milinfolive/171464;

SCHWEDEN BLOCKIERT FRACHTER

Schweden hat den unter der Flagge Guineas fahrenden Frachter «Caffa» definitiv beschlagnahmt. Das Schiff gilt als Teil von «Putins Schattenflotte» und Korn-Diebstahlschiff. Es war am 7. März auf dem Weg nach St. Petersburg, nahe der schwedischen Küste blockiert und in einen schwedischen Hafen umgeleitet worden.

Der Antrag für die Beschlagnahmung erfolgte von einem «Drittstaat», schrieb die schwedische Staatsanwaltschaft.

Russische Militärblogger vermuten, dass es sich dabei um die Ukraine handelt. «Milinfolive» schreibt: «Dieser Fall ist von Bedeutung als möglicher Präzedenzfall für die Zukunft. Früher liessen die EU-Länder die absolute Mehrheit der festgehaltenen Schiffe wieder frei. Jetzt könnten andere Länder, die sich ein Beispiel nehmen, damit beginnen, auch russische Schiffe zu beschlagnahmen, wenn es keine angemessene und harte Reaktion aus Moskau gibt.»

https://t.me/milinfolive/171471

KORNRAUB-SCHIFF WEG

Die israelische Firma Zenziper lehnte es ab, etwa 25’000 Tonnen Getreide vom russischen Schmuggelschiff «Panormitis» zu akzeptieren.

Der Grund war eine Erklärung des ukrainischen Aussenministeriums, dass die Ladung mit gestohlenem ukrainischem Getreide aus besetzten Gebieten in Verbindung stehen könnte.

Laut «The Marker» ist das Schiff nun auf der Suche nach einem neuen Käufer.

Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Kravchenko, teilte in den sozialen Medien mit, dass die «Panormitis» nach «einer Reihe von Verfahrensmassnahmen seitens der Ukraine» die israelischen Hoheitsgewässer verlassen habe und sich nun in neutralem Gewässer befinde.

Das israelische Aussenministerium erklärte jedoch, dass das am späten Dienstag eingereichte Rechtshilfeersuchen der Ukraine «erhebliche sachliche Lücken aufwies und keine Belege enthielt».

In der Zwischenzeit sei dem Ministerium mitgeteilt worden, dass das Schiff beschlossen habe, die israelischen Hoheitsgewässer zu verlassen.

https://www.bairdmaritime.com/shipping/dry-cargo/bulkers/grain-ship-at-centre-of-ukraine-israel-dispute-abandons-unloading

BIENALE-JURY TRITT ZURÜCK

Die internationale Jury der 61. Biennale von Venedig, deren Eröffnung für den 9. Mai geplant ist, ist zurückgetreten. In der kurzen Erklärung heisst es: «Mit Wirkung zum 30. April 2026 sind wir, die internationale Jury, zurückgetreten. Wir tun dies in Anerkennung unserer am 22. April 2026 veröffentlichten Absichtserklärung.»

Die zitierte Absichtserklärung bezieht sich auf die Entscheidung, «Länder, deren Staatschefs derzeit vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind», vom Wettbewerb um den Goldenen und Silbernen Löwen auszuschliessen – was faktisch Russland und Israel betrifft.

Den Vorsitz der Jury hat Solange Oliveira Farkas inne, Gründerin und künstlerische Leiterin der Associação Cultural Videobrasi. Weitere Mitglieder sind Zoe Butt, Kuratorin und Gründerin des in-tangible institute sowie künstlerische Leiterin von deCentral, beide mit Sitz in Chiang Mai; Elvira Dyangani Ose, Kuratorin und künstlerische Leiterin der Public Art Abu Dhabi Biennial; Marta Kuzma, Kuratorin und Professorin an der Yale School of Art; sowie Giovanna Zapperi, Kunsthistorikerin und Professorin an der Universität Genf.

Am 10. April hatte die Europäische Union der Biennale mit Kreditkürzungen gedroht, wenn sie den geplanten «Russen-Pavillon» eröffne. (Siehe «Ukraine Aktuell» Nr. 1515)

https://artreview.com/venice-biennale-2026-international-jury-resigns/; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1515-17-4-2026-8uhr/

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