- Blick in das Drohnen-Hauptquartier
- «Wir übertreffen den Tötungsplan»
- Aktionsradius 1’500–2’000 Kilometer
- Schwere ukrainische Drohnenangriffe
- Attentat auf «Schlächter von Bucha»
- Nur Mini-Parade in St. Petersburg
- US-Botschafterin in Kyiv tritt zurück
- US-Demokrat: «Die Ukraine gewinnt»
INTERVIEW MIT «MADYAR»
Den Reportern von BBC gelang eines der seltenen Interviews mit Robert «Madyar» Brovdi zu führen. Er nennt dabei die drei Hauptziele der ukrainischen Drohnenarmee: Tiefe Angriffe auf Ölfirmen, Reduzierung der russischen Armeestärke und Angriff auf die Moral Russlands. Die Schlüsselaussagen des Kommandeurs der Drohneneinheit «Unmanned Systems Forces»:
- «1’500 bis 2’000 km tief im russischen Territorium ist nicht mehr das ‚friedliche Hinterland’. Der freiheitsliebende ukrainische ‚Vogel‘ fliegt dorthin, wann und wohin er will.»
- «Putin fördert natürliche Ressourcen (Erdöl, Erdgas) und wandelt sie in Blutdollar um, die sie dann in Form von Shahed-Drohnen und ballistischen Raketen gegen uns richten.»
- «Wenn Ölraffinerien ein Mittel sind, um Geld zu verdienen, das für den Krieg verwendet wird, dann sind sie ein legitimes militärisches Ziel, das zerstört werden darf.»
- Brovdis «Unmanned Systems Forces» machen nur 2 % des ukrainischen Militärs aus, doch derzeit, so sagt er, seien sie für ein Drittel aller zerstörten Ziele verantwortlich. Ihre eigene Verlustrate betrage weniger als 1 % pro Jahr.
- Brovdis Strategie basiert nicht nur auf Fernangriffen: Priorität Nummer Zwei ist die Verringerung des russischen Vorteils in Bezug auf die Mannstärke: «30 % aller Drohnenangriffe müssen sich gegen Militärpersonal richten», stellt Brovdi klar. «Man kann es einen Tötungsplan nennen, ja, und im Moment übertreffen wir ihn sogar.»
- Die Ukraine hat akute Schwierigkeiten Männer für die Front zu mobilisieren: «Diejenigen, die kämpfen wollten, kämpfen bereits», räumt der Kommandant ein.
- Daher haben seine Einheiten den direkten Befehl, jeden Monat mehr feindliche Soldaten zu töten, als Russland rekrutieren kann. Das sind über 30’000 Mann pro Monat. Ein toter Russe kommt nur in die Statistik, wenn sein Tod oder seine Verletzung mit einem Video belegt ist.
- Brovdi betont, er habe keine «rosarote Brille» auf: Sein Ziel sei die Eindämmung, nicht die Einleitung neuer Gegenoffensiven oder die Rückeroberung riesiger Landstriche: «Unsere wirksame Waffe ist nicht, ein Offensivkrieg zu führen, sondern den Feind daran zu hindern, effektiv auf unser Territorium vorzudringen.»
- Das dritte Ziel Brovdis ist die die russische Moral. Er hofft, dass eine hohe Opferzahl in Verbindung mit riesigen Bränden, die tief hinter der Grenze in Anlagen wüten, „eine gewisse Unruhe“ innerhalb Russlands hervorrufen kann. Er zielt auf den Schockfaktor ab. Sein Ziel ist es, mit jeder Drohne mehr Russen dazu zu bringen, den Krieg, den ihr Land führt, und den Präsidenten, der ihn begonnen hat, in Frage zu stellen.
BBC liefert Informationen zum Leben des Kommandanten vor dem Krieg. Robert Brovdi ist ethnischer Ungar aus Uschhorod in der Westukraine. Vor vier Jahren fühlte er sich in Auktionshäusern wie Christie’s wohler als in Schützengräben. Damals war er ein wohlhabender Getreidehändler mit einem Nebenjob als Kunstsammler. Der Geschäftsmann meldete sich kurz vor Russlands grossangelegter Invasion zum Kampf – «wir alle wussten, dass Krieg unvermeidlich war» – und schloss sich zunächst der Territorialverteidigung an, bevor er einige der heftigsten Schlachten durchlebte, darunter die um Bachmut.
Sein Kommandostand für die Angriffe im Himmel befindet sich tief im Boden. Die BBC-Reporter waren dort und schreiben: «Wir werden in einem Van mit verdunkelten Scheiben zu ihm gebracht, dann eine Treppe hinunter und durch Korridore geführt, die von Schlafkapseln gesäumt sind, um schliesslich in einer Hightech-Höhle zu landen, die vom Boden bis zur Decke mit Bildschirmen bedeckt ist.
Die Geräuschkulisse besteht aus einer Reihe von Pieptönen und Signaltönen, während neue Daten an Dutzende von Männern in T-Shirts und Kapuzenpullis weitergeleitet werden, die über Joysticks und Tastaturen gebeugt sitzen. Sie überwachen Bilder, die direkt vom Schlachtfeld von Drohnenpiloten mit Namen wie KitKat und Antalya gestreamt werden.
«Der grösste Massenmord an einem Feind in der Geschichte der Menschheit findet in diesem Raum statt», sagt Brovdi an einer Stelle und deutet auf die Bildschirme um uns herum. Es sind brutale Worte von einem Mann mit sanfter Stimme, doch Brovdi weigert sich, sich „von Mitleid zerfressen“ zu lassen.
Russische Truppen seien weit jenseits ihrer eigenen Grenzen, sagt er, entsandt von Putin, „der unsere Nation zerstören will“. „Wenn wir sie nicht töten, töten sie uns. Das ist klar.“»
https://www.bbc.com/news/articles/c1d9wvd2e4ro

VIELZAHL VON ANGRIFFEN
Die Aktivitäten mit ukrainischen Drohnen ausserhalb des unmittelbaren Frontbereichs (0 – 30 Kilometer) hat in den letzten Tagen sehr stark zugenommen. Hier in Kurzform die vier wichtigsten Meldungen der letzten 24 Stunden:

- In der Uralstadt Perm, 1’500 Kilometer von der Front entfernt, griffen mindestens zwei Drohnen das dortige Öllager an. Zwei bis drei Tanks mit einem Fassungsvermögen von 50’000 m³ Öl (entspricht ca. 314’000 Barrel) brennen. Über diesen Knotenpunkt wurden bisher die russischen Exporthäfen Primorsk, Ust-Luga, Noworossijsk, Tuapse sowie die Raffinerie in Perm alimentiert. https://t.me/exilenova_plus/19678; https://t.me/u_now/197976
- Im Schwarzen Meer wurde der mit Sanktionen (Grossbritannien, EU, Schweiz, Neuseeland, Kanada) belegte, leere Tanker „MARQUISE“ (IMO 9315745) der russischen Schattenflotte mit Marine-Kamikaze-Drohnen angegriffen. Das Ausmass der Schäden ist nicht bekannt. https://x.com/bayraktar_1love/status/2049423047862505475
- Vier russische Hubschrauber machten auf einem Landeplatz im Gebiet Woronesch Halt, um aufzutanken und einen Technik-Check durchzuführen. Drohnen trafen einen Mi-28-Kampfhubschrauber und einen Mi-17-Transporthubschrauber –150 km von der Front entfernt. https://x.com/euromaidanpress/status/2049528711175675953
- Auf der Krim trafen ukrainische Drohnen auf dem Flugplatz «Kacha» die Radarstation «MR-10», eine Luftabwehr-Kommandozentrale sowie der bodengestützte Radarsuchkopf «Parol-4». Weitere Schäden auf der Krim gab es in einem Munitionslager im Gebiet von Pervomaiske und gegen das Öllager „TES“ in Simferopol.
https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua

ATTENTAT AUF BUCHA-SCHLÄCHTER
Generalmajor Azatbek Omurbekov war der verantwortliche Kommandant, der die Besetzung und Terrorisierung der ukrainischen Stadt Bucha im Frühling 2022 leitete. Seine Identität wurde am 4. April 2022 enthüllt: Siehe «Ukraine Aktuell» von jenem Tag. https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-4-4-22-12-30uhr/
Azatbek Omurbekov war damals Brigadekommandeur der 64. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade (Territorium Chabarowsk) der Militäreinheit 51460. Omurbekov hatte in Bucha seinen Untergebenen den Befehl gegeben, alle Einheimischen zu erschiessen, welche ein Telefon hatten. Für seine Taten in Bucha verlieh Putin Omurbekov den Titel «Held der russischen Föderation» (Siehe «Ukraine Aktuell» Nr. 806 vom 9.5.24).
Die Unterlagen über ihn und seine mordenden Soldaten wurden Karim Khan, dem obersten Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, zur Verfügung gestellt.
Zu einem Gerichtsfall wird es möglicherweise nicht mehr kommen, denn auf Omurbekov wurde am 28. April ein Attentat verübt. Dies geschah auf dem Gelände der Garnison im Dorf Knyaze-Volkonsskoye in der Region Chabarowsk, wo Omurbekov seit 2023 Ausbildner für die Nachwuchselite der russischen Armee war.
Die explodierte Bombe war in einem Briefkasten versteckt. Durch die Explosion kam der Bataillonskommandeur für Ausbildungskommunikation ums Leben. Der Zustand des Kriegsverbrechers Omurbekov ist nicht bekannt. Der Vorfall wurde von den russischen Behörden umgehend als geheim eingestuft.
http://Rucriminal.info; https://x.com/nexta_tv/status/2049381019757711712/photo/2 ; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-4-4-22-12-30uhr/

MINIPARADE IN ST.PETERSBURG
Die Feier zum «Sieg gegen die Nazis» am 9. Mai findet nicht nur in Moskau, sondern auch in St. Petersburg in reduzierter Form statt.
Auch in Putins Heimatstadt wird die Parade am 9. Mai ohne militärische Ausrüstung, Panzer, Raketen, Drohnen, Nakhimov-Schüler, Suworow-Schüler und Kadetten stattfinden, sondern nur mit der Teilnahme von Kadetten von Militärhochschulen.
Laut der Zeitung «Fontanka» wird auch die Anzahl der zur Parade eingeladenen Gäste reduziert. Anstelle von drei Tribünen auf dem Dvortsovaya-Platz wird diesmal nur eine aufgestellt – für etwa 300 Personen.
Neben zwei seitlichen Tribünen für 1’500 Personen wurde auch die Aussichtsplattform an der Millionnaya-Strasse, die mindestens 2’000 Personen fassen konnte, entfernt.
Derart reduziert wurden die Paraden in Russland in den letzten 81 Jahre noch nie. Seit 1945 wurde immer Panzer und andere Waffensysteme gezeigt. Grund für den Verzicht der Waffenschau ist die Angst des russischen Regimes vor ukrainischen Drohnen.
Hinzu soll, wie die BBC berichtet, in Moskau auch die mobile Kommunikation vom 7. bis zum 9. Mai eingeschränkt werden. Möglicherweise sei auch der Versand von SMS-Nachrichten blockiert, schreibt die BBC unter Berufung auf Quellen bei «Rostelecom» und Telekommunikationsbetreibern.
https://t.me/milinfolive/171421, https://www.bbc.com/news/articles/c794wp4yy93o

RÜCKTRITT DER US-BOTSCHATERIN
Julie Davis, die amtierende US-Botschafterin in der Ukraine, will wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Trump-Regierung zurücktreten. Sie ist damit die zweite Botschafterin, die dies innerhalb von etwas mehr als einem Jahr tut, und die dritte, die dies unter Donald Trump tut. Sie soll über Trumps mangelnde Unterstützung für die Ukraine frustriert sein.
Die «Financial Times» berichtet, dass Julie Davis ihren Posten in den nächsten Wochen verlassen und aus dem diplomatischen Dienst ausscheiden wird. Sie war gleichzeitig als Botschafterin in Zypern und der Ukraine tätig, hat ihren Sitz jedoch in Kyiv.
Davis soll von Trumps Entscheidung, den republikanischen Spender John Breslow als nächsten Botschafter in Zypern zu nominieren, völlig überrascht worden sein. Das US-Aussenministerium werde in der Ukraine-Diplomatie an den Rand gedrängt, stattdessen übernehmen Trumps Verbündete wie der New Yorker Immobilienhändler Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner die Führung.
Mit ihrem bevorstehenden Rücktritt ist sie die dritte Botschafterin in der Ukraine, die unter Trump zurücktritt oder entlassen wird. Marie Yovanovitch wurde 2019 abberufen und sagte anschliessend in den Anhörungen zum Amtsenthebungsverfahren aus, in denen es um Trumps Versuch ging, Volodymyr Zelenskyj zu erpressen, um belastendes Material über Joe Biden zu erhalten.
Davis’ Vorgängerin Bridget Brink trat im April 2025 aus Protest gegen Trumps Vorgehen gegenüber der Ukraine zurück und hat ihn anschliessend der Korruption und der Beschwichtigung Putins bezichtigt.
Zahlreiche andere Ukraine-Experten des Aussenministeriums sind unter Trump zurückgetreten, in den Ruhestand gegangen oder wurden entlassen. Laut einem US-Diplomaten werden diejenigen, die sich im Aussenministerium für die Ukraine einsetzen, „zur Zielscheibe“.
https://ft.com/content/33d5d8d4-a7db-4647-9751-c21de8ebecb8; https://x.com/ChrisO_wiki/status/2049217628556701844; https://unn.ua/en/news/julie-davis-leaves-post-as-us-ambassador-to-ukraine-media

DIE DEMOKRATISCHE WUT
Bei einer parlamentarischen Anhörung des US-Kriegsministers Pete Hegseth hatte dieser auf die Fragen der Kongressabgeordneten keine Antwort. Wie angespannt die Befragung im Ausschuss für Streitkräfte des Repräsentantenhauses ist, zeigt das Statement des Kongressabgeordneten David Adam Smith von der Demokratischen Partei gegenüber Hegseth:
«Und ich möchte zum Abschluss nur noch sagen, dass eine der weiteren Ironien dabei natürlich ist, dass wir derzeit ein grossartiges Beispiel in der Welt haben, wie unsere Strategie aussehen sollte und wo unsere Werte liegen sollten, und das ist die Ukraine. Und ich bin wirklich neugierig. Wissen Sie, hier sind wir nun, wir rollen den roten Teppich für Wladimir Putin aus. Wir setzen Präsident Zelenskyj im Weißen Haus herab und beleidigen ihn. Er hat keine Trümpfe in der Hand, oder? Nun, hier sind wir ein Jahr später. Es sieht so aus, als hätte er doch ein paar Trümpfe in der Hand gehabt, denn die Ukraine gewinnt tatsächlich gegen Russland. Die Ukraine, eine souveräne Demokratie, die sich gegen eine brutale, unterdrückerische, gewalttätige Diktatur zur Wehr setzt, und wir bringen es nicht einmal auf die Reihe, konsequent zu sagen: ‚Wir stehen hinter der Ukraine und wir sind gegen das, was Putin tut‘, und aufzustehen und sie zu unterstützen. Ich möchte also diese Strategie sehen, um der komplexen Bedrohungslage zu begegnen, in der wir uns befinden.» https://twitter.com/katerynalis/status/2049503914609770546



