#UKRAINE AKTUELL Nr. 1527 (29.4.2026 / 7Uhr)

  • Moskau hat Angst vor Drohnen
  • 9. Mai Parade in reduzierter Form
  • Neue Grossbrände in Tuapse
  • «Strelkow» gesteht Niederlage ein
  • Russlands katastrophale Finanzen
  • Finanzlöcher wegen Ukraine-Krieg
  • Diebstahl-Getreide im Hafen Haifa

KASTRIERTE MILITÄRPARADE

Was hier schon vorab gemeldet wurde (Siehe «Ukraine Aktuell» Nr. 1526) wurde jetzt vom Kreml offiziell bestätigt. Zum ersten Mal nach 81 Jahren verzichtet Russland am 9.Mai auf die Präsenz von Panzern auf dem Roten Platz in Moskau bei der sogenannten «Siegerparade über Nazi-Deutschland». Grund ist die Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen.

Die Mitteilung: «Die Parade am 9. Mai in Moskau wird ohne Beteiligung von Kolonnen von Militärtechnik sowie ohne die Schüler der Suworow-Militärschulen und des Nachimow-Marinekadettenkorps stattfinden.

Nur Fusskolonnen von Angehörigen höherer Militärakademien werden über den Hauptplatz des Landes marschieren, und Flugzeuge werden am Himmel überfliegen.

Als Grund für die Absage des Militär-Technikumzugs wurde «die aktuelle operative Situation» angegeben.»

Die russischen Militäranalysten von «Milinfolive» schreiben, dass wegen «der beträchtlichen Steigerung der Kapazität der Ukraine in Bezug auf die Anzahl der täglich gestarteten Langstrecken-Kamikaze-Drohnen sowie der Durchführung von Tests von ballistischen Raketen, theoretisch in der Lage ist, Moskau zu erreichen.» Deshalb sei die Absage «ein erwarteter und logischer Schritt.»

Es sei aber nicht nur die direkte Angriffsgefahr entscheidend, sondern die Tatsache, dass Moskau zum Schutz seiner Stadt viele Luftverteidigungssysteme aus anderen Regionen abziehen müsse, was dort der ukrainischen Armee neue Möglichkeiten eröffnet.

https://t.me/tass_agency/373399; https://t.me/milinfolive/171386

GROSSBRÄNDE IN TUAPSE

Nach drei Tagen relativer Ruhe sind in der südrussischen Hafenstadt Tuapse wieder Brände ausgebrochen und auch dieses Mal sind Tankanlagen die Brandherde. Verursacht wurden die Feuer durch angreifende ukrainische Drohnen.

Gemäss veröffentlichten Videos sind mehrere Feuer erneut ausser Kontrolle und die ganze Nacht hindurch waren Explosionen zu hören. An einigen Stellen fliesst brennendes Öl durch die Strassen. Über die Region wurde am Dienstag der regionale Notstand verhängt. Die Feuerwehrgruppe in Tuapse wird am heute um 300 Mann zur Brandbekämpfung verstärkt, teilte der russische Gouverneur von Tuapse mit.

Putin las am Fernsehen eine Nachricht des Gouverneurs vor. Darin teilte dieser mit, «es gibt keine ernsthaften Bedrohungen im Zusammenhang mit dem grossflächigen Feuer in der Raffinerie.» Vom Notstand erfuhr das TV-Publikum nichts.

In derselben Fernsehsendung beklagte sich Putin: «Kiew führt immer häufiger Drohnenangriffe auf die zivile Infrastruktur Russlands durch». Zur Lage in Tuapse sagte Putin: «Hier ist das jüngste Beispiel — die Angriffe auf Energieanlagen in Tuapse, die möglicherweise schwerwiegende ökologische Folgen haben könnten».

Für die ukrainische Armee sind die Ölanlage und der Exporthafen von Tuapse militärisch relevante Ziele.

https://t.me/exilenova_plus/19577; -19593 ; https://x.com/tendar/status/2049076384564138382; https://t.me/tass_agency/373386;

RUSLAND HAT ES VERPASST

Der KGB-Agent Igor «Strelkov» Girkin war 2014 der militärische Anführer der Donbas-Separatisten im Auftrag Russlands. Er wird international gesucht, weil seine Soldaten 2014 ein Passagierflugzeug der «Malaysia Airline» über dem besetzten Donezk abgeschossen hatten, wobei alle 298 Flugzeuginsassen starben. Der Milizenführer ist aber aktuell nicht deshalb in einem russischen Gefängnis, sondern weil er Putin lautstark kritisierte.

Aus dem Gefängnis bedient «Strelkov» weiterhin einen Telegram-Kanal. Und dort schreibt er, dass er den Krieg gegen die Ukraine aktuell als verloren betrachtet.

Nachdem «Strelkov» jahrelang eine vollständige Mobilmachung gefordert hatte, ist er zu der Erkenntnis gelangt, dass dies nun sinnlos wäre: Die Drohnenschwärme der Ukraine sind in der Lage, «beliebig viele Infanteristen» gleichzeitig zu vernichten, und Russland verfügt nicht einmal über genügend Waffen, um diese zu bewaffnen.

Ein Leser seines Telegram-Kanals fragt: Frage: Es wird zunehmend über eine mögliche Mobilmachung gesprochen – glauben Sie, dass die Regierung einen solchen Schritt unternehmen wird? Und ist eine Mobilmachung unter den gegenwärtigen Umständen notwendig?“

Darauf antwortet Girkin: «Eine Mobilmachung wäre im Frühjahr 2022, im Frühjahr 2023, im Frühjahr 2024 und vielleicht sogar im Frühjahr 2025 notwendig gewesen. Jetzt ist die Mobilisierung katastrophal verspätet. (…) Die Zeit, in der wir den Feind besiegen, ihn niederschlagen und mit massiven Infanterieeinheiten in den Boden stampfen konnten, ist leider bereits vorbei. (…) Derzeit tobt ein Krieg der (ukrainischen) Drohnen, die in der Lage sind, jede beliebige Anzahl an (russischen) Infanteristen zu vernichten, die an jeder noch so breiten Front in den Kampf geschickt werden. Der Feind hat in Europa und in der sogenannten Ukraine eine solche Produktion von Drohnen und Raketen aufgebaut, dass er nun in der Lage ist, die Front fast ausschliesslich mit ihnen zu halten, was tatsächlich auch geschieht. Das heisst, grosse Massen von (russischen) Menschen und Technik werden vernichtet, ohne irgendwelche Erfolge zu erzielen. Die Zeit ist verpasst.»

Anstelle einer Mobilisierung von Soldaten schlägt Strelkov eine Mobilisierung von Menschen in der Wissenschaft, der Rüstungsindustrie und der Industrieproduktion vor: «Erst dann werden wir nach einiger Zeit (nicht jetzt, nicht morgen und nicht übermorgen) eine Kriegswirtschaft erhalten, die in der Lage ist, mit der Kriegswirtschaft Europas und der sogenannten Ukraine mitzuhalten und sie zu besiegen.»

Über den Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt Strelkin: «Peskows Aussage, dass Russland nur noch wenige Kilometer im Donbass von einer friedlichen Lösung trennen, ist, entschuldigen Sie, eine Lüge und ein Bluff. Nun, was eigentlich nichts Neues für diese Person und für die Behörde ist, die er vertritt.»

https://t.me/i_strelkov_2023/2701

KATASTROPHALE FINANZEN

Die Haushaltsdefizite der russischen Regionen, die im vergangenen Jahr einen historischen Höchststand erreichten, werden sich weiter vergrössern, warnte der russische Finanzminister Anton Siluanow. Die Lage der Regionalhaushalte sei «schwierig», erklärte er bei einer Sitzung des Präsidium des Gesetzgebungsrates: «Im vergangenen Jahr stieg das Defizit deutlich an, von etwa 200 bis 300 Milliarden Rubel für die typischen konsolidierten Haushaltsdefizite der regionalen Körperschaften auf 1,5 Billionen Rubel.» (Eine Milliarde Rubel entspricht 11,3 Millionen Euro. Eine Billion Rubel entspricht 13,3 Milliarden Euro).

In diesem Jahr schätzt Siluanow, dass das Gesamtloch auf 1,9 Billionen Rubel anwachsen wird. Daher müssten die Regionen Haushaltskonsolidierungsmassnahmen ergreifen, um das Defizit auf 1 Billion Rubel zu reduzieren, so der Minister.

Die grössten Defizite entstanden in Teilrepubliken, die zuvor noch «Geberregionen» waren. In der Republik Komi halbierten die Steuern aus Einkommen, in der Region Orenburg um 40 % und in den Regionen Tjumen, Inguschetien, Karelien, Archangelsk und Kemerowo um über 30 %.

Zum Jahresende gingen die Industrieproduktion und das Bauvolumen in der Hälfte der Regionen zurück, während in jeder dritten Region ein Rückgang in der Landwirtschaft zu verzeichnen war.

Um Haushaltslöcher zu stopfen, griffen die Regionen auf rund eine Billion Rubel aus angesammelten Bankguthaben zurück und erhöhten ihre Verschuldung auf 3,5 Billionen Rubel – den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Gleichzeitig würden die regionalen Ausgaben hoch bleiben. Neben den Sozialausgaben müssten die Regionen auch die Wehrpflicht finanzieren, die jährlich rund eine Billion Rubel verschlinge.

https://ru.themoscowtimes.com/2026/04/27/situatsiya-neprostaya-minfin-sprognoziroval-rekordnuyu-diru-vbyudzhetah-regionov-pochti-na2-trilliona-rublei-a193810

GESTOHLENES KORN IN ISRAEL

Auf der Basis von maritimen Daten konnte die Reise des panamaischen Frachters «Panormitis» von der besetzten Halbinsel Krim bis zum Hafen Haifa in Israel nachverfolgt werden. Nach ukrainischen Angaben transportiert der Frachter gestohlenes Getreide aus den besetzten ukrainischen Häfen Kertsch und Berjansk. Derzeit liegt der Frachter im Hafen von Haifa und was aktuell dort mit der «Panormitis» geschieht, ist nicht bekannt. Das Frachtschiff hat eine Ladung von 6’200 Tonnen Weizen und 19’000 Tonnen Gerste.

Die israelischen Behörden und der israelische Aussenminister haben die Vorwürfe der Ukraine als «zu wenig dokumentiert» bezeichnet.

In Kyiv stösst das israelische Verhalten auf Unverständnis. Präsident Volodymyr Zelenskyj erklärte, dass die Ukraine ein Sanktionspaket gegen «natürliche und juristische Personen» ergreift, «die versuchen, aus einem solchen kriminellen System Profit zu schlagen.» Diese Massnahmen werden mit der EU abgestimmt. Gegenüber «Euronews» sagte ein Beamter der Europäischen Union: «Wir verurteilen alle Handlungen, die dazu beitragen, Russlands illegale Kriegsanstrengungen zu finanzieren und die EU-Sanktionen zu umgehen, und sind weiterhin bereit, solche Handlungen gezielt zu verfolgen.»

Der israelische Aussenminister Gideon Saar hat sich zum Thema nicht mehr geäussert. Er meldete stattdessen, dass eine «hochrangige» serbische Delegation in Israel eingetroffen sei und man mit Serbien eine strategische Zusammenarbeit suche.

https://x.com/tendar/status/2049124458468634987; https://x.com/front_ukrainian/status/2049077460088611140; https://t.me/V_Zelenskiy_official/18808 ; https://x.com/gidonsaar/status/2049102590235824487; https://de.euronews.com/my-europe/2026/04/28/russland-getreideschiff-israel-schattenflotte;

Facebook
Twitter
Pinterest
Telegram
Email
Print
BLICKPUNKT

Ähnliche Texte

Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1548 (20.5.2026 / 8Uhr)

• Russen greifen mehrere Städte an
• Ukrainer beschädigen Raffinerien
• Vermehrt Angriffe auf Krim-Logistik
• Erinnerungen eines Krim-Tataren
• US-Vizepräsident J.D. Vance lügt
• 7-mal mehr tote Russen als Ukrainer
• Kreml-Blogger bettelt um Netze
• Russische Partisanen in Aktion
• EU will Deserteure weniger schützen

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1547 (19.5.2026 / 8Uhr)

• Ukraine kauft 25’000 Bodenroboter
• Moskau ist verletzlicher als gedacht
• Partisanen melden sich aus Russland
• Russischer Angriff auf China-Frachter
• 900 Mio € aus Berlin für Granaten
• Merkel will Putin nicht mehr treffen
• Was Xi Jinping und Trump besprachen
• In Washington dreht sich der Wind

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1546 (18.5.2026 / 8Uhr)

• 1944: Völkermord an Krimtartaren
• Russen auf der Krim angegriffen
• Unschöne Badeferien an Krimstrand
• Moskaus Verteidigung durchbrochen
• Über 1’000 Drohnen gegen Russland
• Erschreckte Moskowiterinnen
• Wieder US-Öl-Sanktionen – vorläufig

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1545 (17.5.2026 / 7Uhr)

• 2. Hilfsaktion von Ukraine Aktuell
• Notstromgenerator unterwegs
• Hilfe für Khersoner Bevölkerung
• «Swiss for Ukraine» als Partner
• Eure Spenden sind entscheidend
• Wie «Ukraine Aktuell» entsteht
• Der moderne Kampf der Ukraine
• Schweizer Medien und der Krieg

Mehr »

Copyright © 2020. www.aldrovandi.net. All rights reserved.