#UKRAINE AKTUELL Nr. 1520 (22.4.2026 / 7Uhr)

  • Influencer wenden sich an Putin
  • Russische Zensur wird ausgebaut
  • Ukrainische Drohnen über Donbas
  • Kluft zwischen Sieg und Dreckluft
  • Klartext von EU-Diplomatin Kallas
  • Belarus in Moskaus Netz gefangen
  • Kreml warnt Europa vor Illusionen

INFLUENZER GEGEN PUTIN

Die in Monaco lebende, russische «Influencerin» und ehemalige TV-Moderatorin Viktoria Bonya (Foto rechts) wandte sich mit einem 18 Minuten dauernden Video direkt an Putin: «Irgendwann werden die Menschen aufhören, Angst zu haben, und das wird schlimme Folgen haben.» In ihrem Video kritisierte sie Gouverneure, Mitglieder von Putins Partei «Einiges Russland» und Parlamentarier.

Sie erklärte, der Präsident erhalte angeblich keine vollständigen Informationen über das Geschehen im Land, da seine Umgebung von Angst geprägt sei. In ihrer Rede erinnerte sie an die Überschwemmungen in Dagestan, die Heizölverschmutzung in Anapa, die Notschlachtung von Vieh, die Schwierigkeiten aufgrund von Sperren in sozialen Medien und Messengern sowie den Anstieg der Zahl der Menschen, die ins Ausland ziehen.

Innerhalb der ersten 48 Stunden erreichte dieses Video 24 Millionen Aufrufe und über eine Million Likes. In einer aussergewöhnlichen Reaktion sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zu Bonjas Rede, diese berühre «sensible Themen», denen derzeit «grosse Aufmerksamkeit» geschenkt werde und an denen «intensiv gearbeitet» werde. Am selben Tag erfuhr die russische Medienplattform Meduza, dass die russische Präsidialverwaltung regierungsnahe Medien «nachdrücklich aufgefordert» habe, «die Berichterstattung über Bonjas Rede nicht weiter zu verstärken».

Der Schauspieler Ivan Okhlobystin (Foto links) und eine weitere Influencerin, Aiza Dolmatova, äusserten sich ebenfalls öffentlich. Sie kritisierten die Internetbeschränkungen und warnten vor Versuchen, den Zugang zu Informationen «zurückzudrehen». Dies sei ein grosser politischer Fehler.

Am Montag veröffentlichte Viktoria Bonya ein zweites Video. Die Bloggerin kündigt an, gegen den Kreml-Propagandisten Wladimir Solowjow zu klagen, der sie in seiner Sendung als «abgehalfterte Prostituierte» und «alte Frau» bezeichnet hatte: «Welches Recht habe ich, aus Monaco zu sprechen? Ein verfassungsmässiges», sagte sie und fügte hinzu, dass sie Solowjow, Putins Liebling aus den staatlichen Fernsehsendern verbannen wolle.

Videoausschnitt: https://x.com/i/status/2043967842127663296; https://x.com/brave_romania/status/2045773050730197308; https://x.com/kshevchenkoreal/status/2046166231955185792; https://x.com/i/status/2046254822941159693

ZENSUR: AUSBAU UND WIDERSTAND

Der Kreml will mit einem ganzen Paket an Massnahmen die Kontrolle über die Internetnutzung in Russland erreichen. Das «Ministerium für digitale Entwicklung» hat folgende Massnahmen eingeleitet:

  • Die Zahl der Anbieter von Internetdienstanbietern soll reduziert werden. Dies wird zu einer Verdrängung kleiner und mittlerer Anbieter führen. Infolgedessen würden nur die staatlich kontrollierten Telekommunikationsunternehmen auf dem Markt verbleiben.
  • Das Ministerium will drei neue Arten von Lizenzen einführen, deren Kosten zwischen 1 und 50 Millionen Rubel (ca. 13’000 bis 665’000 US-Dollar) liegen und die nicht an Einzelunternehmer vergeben werden.
  • Bei wiederholten «schwerwiegenden Verstössen» soll die Lizenz entzogen und ein zehnjähriges Verbot verfügt werden.
  • Die Internetdienstleister werden zudem verpflichtet, Schnittstellen zu der Zensurbehörde Roskomnadzor einzurichten mit denen der Internetverkehr gefiltert und überwacht werden kann.

Wie die russische Medienplattform «Important Stories/i-Stoies» berichtet, wehrt sich der Verband kleiner Telekommunikationsanbieter der Regionen Russlands (AMOR) gegen die Massnahmen.

In einem Schreiben an Putin, Premierminister Michail Mischustin und Generalstaatsanwalt Alexander Gutsan wird verlangt, die Reformen aufzugeben. Wenn dies nicht geschehe, könnten Zehntausende von Beschäftigten der Telekommunikationsbranche ihren Arbeitsplatz verlieren, die Nachfrage nach russischer Hard- und Software zurückgehen und die Internetkosten steigen.

https://istories.media/en/stories/2026/04/14/new-reforms-will-leave-some-areas-of-russia-without-internet

DOMINANZ AM HIMMEL

Zwischen Juni 2025 und März 2026 hat die ukrainische Drohnenarmee in der besetzten Region Donezk nach eigenen Angaben 492 russische Luftabwehrsysteme ausgeschaltet. Dies erlaubt nun den ukrainischen Drohnen und Kampfflugzeugen weitgehend ungefährdet den Donbasr Luftraum zu befliegen.

Derzeit führen ukrainische Kampfflugzeuge Gleitbombenangriffe auf den Flughafen von Donezk durch, und KI-gesteuerte Hornet-Drohnen jagen Versorgungslastwagen durch Gebiete, die von Störsignalen nicht abgedeckt sind.

Die Dominanz am Himmel über dem Donbas wurde möglich, weil nicht nur Luftabwehr-Artillerie und Raketenstellungen zerstört wurden, sondern auch Funkstörsender, Radaranlagen sowie mobile Geschütze und Abschussrampen.

Die Stadt Donezk, 40 km von der östlichen Frontlinie entfernt, ist bisher eine russische Hochburg, wird nun aber zunehmend verwundbar.

https://euromaidanpress.com/2026/04/17/donetsk-city-drone-strikes

RUSSLANDS ZWEI WELTEN

Meldung 1: Gegenüber der Öffentlichkeit gibt sich Putin siegessicher. In einer von der Propagandaagentur TASS übertragenen Rede sagte der Kreml-Herrscher: «In Kyiv bereitet man sich bereits darauf vor, wie das Leben nach dem Sieg Russlands aussehen wird.»

Meldung 2: In der gleichen Stunde wurde die Evakuation von Teilen der südrussischen Stadt Tuapse deklariert. Nachdem dort bereits seit Tagen eine grosse Ölanlage brennt, ist die Luft so stark von Rauchpartikeln durchsetzt, dass die Atmung erschwert wird. Die Rauchwolke aus Tuapse hat unterdessen die 300 Kilometer weit entfernte Stadt Stawropol erreicht und der Dreck fällt dort als «schwarzer Regen» aus dem Himmel.

Zur Meldung 1 gibt es keine entsprechenden Nachrichten. Die Meldung 2 ist bestätigt.

https://t.me/exilenova_plus/19170; https://x.com/i/status/2046738250866242013

KLARTEXT VON KALLAS

In mehreren Stellungnahmen hat Kaja Kallas, die oberste Diplomatin der Europäischen Union («Aussenbeauftragte») und stellvertretende EU-Chefin in den letzten Tagen Stellung zu Washington und seinem Partner Moskau bezogen. Hier einige Schlüsselaussagen:

  • «Washington will Europa nicht lenken. Es will es auflösen. Sie mögen die Europäische Union nicht und die Taktiken ähneln denen, die von den Gegnern der EU angewendet werden.»
  • «Die Antwort an Washington liegt nicht in bilateralen Abkommen mit Trump. Die Antwort ist Einheit. Denn wenn Europa geeint auftritt, ist es eine gleichberechtigte Macht. Und genau das kann Washington nicht ertragen.»
  • «Russland greift immer wieder andere Länder an. Wie viele eingefrorene Konflikte umgeben Russland? In den letzten 100 Jahren hat Russland mindestens 19 Länder angegriffen, einige davon sogar mehrfach. Keines dieser Länder hat Russland jemals angegriffen.»
  • «Wir müssen sicherstellen, dass Russland keine Bedrohung mehr für seine Nachbarländer darstellt. Und wir müssen eine Situation schaffen, in der Russland gezwungen ist, echte Verhandlungen aufzunehmen.»
  • «Die Russen tun derzeit nur so, als würden sie verhandeln, weil sie darauf warten, dass die Amerikaner das sogenannte Alaska-Abkommen umsetzen. Das bedeutet, Russland den gesamten Donbass und alle ihre maximalen Forderungen zu geben.»

https://x.com/jeanpire33/status/2045930553040420932; https://x.com/i/status/2045865175761195276;

BELARUS IM MOSKAU-NETZ

In den letzten Tagen ist Belarus/Weissrussland in den Beobachtungsfokus geraten, weil verschiedene Aussagen ihres Diktators Alexander Lukaschenko Sorgen machen. Der ehemalige ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba veröffentlichte ein Video, in dem er auf fünf alarmierende Anzeichen der belarussischen Politik aufmerksam machte. Isoliert betrachtet, mag jedes einzelne Element alltäglich erscheinen, doch in ihrer Gesamtheit zeichnen sie ein besorgniserregenderes Bild, sagte Kuleba:

  • Die belarussische Armee trainiert ständig – entscheidend ist jedoch, dass dies unter der Aufsicht russischer Ausbilder geschieht.
  • Die Behörden verstärken ihre Mobilisierungsbemühungen – nicht mehr nur beim Militär, sondern im ganzen Land. Reservisten werden häufiger einberufen.
  • Im Frühjahr fanden gross angelegte Kommando- und Stabsübungen statt – nicht nur eine Überprüfung der Einsatzbereitschaft, sondern eine Vorbereitung auf koordinierte militärische Aktionen in realen Kriegsszenarien. Lukaschenko nahm persönlich an den Übungen teil und übte öffentlich Druck auf die Generäle aus.
  • Die Luftabwehrsysteme werden verstärkt – was auf Vorbereitungen für mögliche Angriffe hindeutet.
  • Die Koordination mit der russischen Armee erreicht eine neue Ebene – sie entwickelt sich von Zusammenarbeit hin zu synchronisierter Planung. Kuleba glaubt zudem, dass Russland Belarus nun als potenzielle zweite Front betrachtet.

«USA GREIFEN NICHT EIN»

Dmitri Medwedew, ehemaliger Präsident Russlands und heute im russischen «Sicherheitsrat», warnt Europa vor Illusionen. Wer in Europa glaube, dass die USA sie unterstützen werden, setzt auf ein Holzpferd: «Europäer sollten nicht darauf hoffen, dass die Vereinigten Staaten aktiv in einen hypothetischen Konflikt zwischen einzelnen EU-Ländern und Russland eingreifen werden.»

Seiner Meinung nach «braucht Washington Europa nicht – und es tut ihm nicht leid. Denn Europa ist der lästige und schädliche entfernte Verwandte, der es gewohnt ist, reichlich vom Tisch des Gastgebers zu essen.»

Und Medwedew droht weiter: «Deshalb, bevor Sie davon träumen, bereit zu sein, dem Kreml einen entschiedenen Widerstand zu leisten und Russland eine vernichtende Niederlage zuzufügen, sollten Sie einfach Ihre eigenen Kräfte ohne Berücksichtigung der Möglichkeiten der USA einschätzen.»

Die Drohung beinhaltet auch eine nukleare Komponente: «Schauen Sie sich an, wie Ihre militärischen Produktionsstätten, die am Krieg gegen Russland beteiligt sind, geschützt sind. Wie die Energieversorgung und der Transport geschützt sind. (…) Und schliesslich zählen Sie Ihre Arsenale, einschliesslich natürlich der nuklearen Komponente.»

https://t.me/medvedev_telegram/643

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