- Russische Drohnenpiloten gesucht
- Pro-Putin Partei gewinnt in Bulgarien
- «Europäisches Verteidigungsbündnis»
- Ukraine baut auf sich – nicht auf USA
- Minus zwei russische Kriegsschiffe
- Gefährliche Flucht aus besetzter Zone
WIE RUSSLAND MOBILISIERT
Die russische Armee rekrutiert mit einfachen Worten, grossen Versprechen und dem Traum der Europa-Herrschaft junge russische Männer als Drohnenpiloten.
Im Originalinserat – erschienen bei den russischen Bloggern von MILINFOLIVE – ist eine Halle voller uniformierter, anonymer und vor Laptops sitzenden jungen Menschen zu sehen vor einem alles überstrahlenden Bild eines Grossangriffs auf Europa mit Fokus auf Deutschland.
Der Originaltext – übersetzt und in Klammern mit Erklärungen versehen: «Möchtest du gleichzeitig den Wehrdienst ableisten, einen Wehrpass erhalten und monatlich über 150’000 ₽ verdienen? (150’000 Rubel sind 1’538 Schweizer Franken / 1’671 €. Der Durchschnittverdienst eines russischen Facharbeiters: 1’000 € pro Monat)
SPIELE HOI 4 UND LEISTE DEN WEHRDIENSTan der Militärabteilung von «Alabuga Polytech» (In Alabuga befindet sich eine grosse Fabrik zum Bau von russischen Drohnen, 1’000 Kilometer östlich von Moskau)
Was dich erwartet:
🔻Einschreibung in die militärische Abteilung des dualen Programms in „Alabuga Polytech“, Erhalte das Recht auf ein Stipendium von 150.000 ₽
🔻Absolviere den Wehrdienst in einem Jahr in der Brigade „Varjag“ der Drohnensystemtruppen und erhalte einen Wehrpass.
Steuere die Geranien aus dem Kommandozentrum und besiege die NATO für Russland auf dem Schwierigkeitsgrad „Sehr schwer“. («Geranien» sind die russische Version der iranischen Shahed-136 Drohnen)
Details und Anmeldung unter https:// polytech . alabuga. ru/ « (Ende des Originaltextes)
https://t.me/milinfolive/170666

PRO-PUTIN PARTEI GEWINNT
Bei den bulgarischen Parlamentswahlen erreicht die prorussische Mitte-links-Partei «Progressives Bulgarien» nach 78 Prozent der ausgezählten Stimmen 44,5%. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge erringt der Wahlsieger 140 der 240 Parlamentssitze und kann damit die Regierung allein bilden. Neben vielen Splitterparteien erreicht das prowestliche konservative Bündnis Gerb-SDS nur 14% und der proeuropäische liberal-konservative Verband PP-DB 13%.
Führende Figur von «Progressives Bulgarien» ist Rumen Radev. Er ist 62 Jahre alt und Ex-Chef der Luftwaffe. Radev war in den letzten acht Jahren Staatspräsident, ein Amt, das vor allem repräsentativen Charakter hat. Trotzdem nannte er seine Ansichten deutlich: Nein zur Einführung des Euro, Nein zur Unterstützung der Ukraine, Nein zu Sanktionen gegen Russland und auch den Überfall Russlands auf die Ukraine wollte Radev nie verurteilen.
Die grosse Zustimmung zur erstmals angetretenen Partei «Progressives Bulgarien» beendet möglicherweise eine seit Jahren herrschende politische Krise in Bulgarien. Dort gab es in den letzten fünf Jahren bereits acht Wahlen mit jeweils sehr wackligen Mehrheitsverhältnissen. Bei dieser Wahl nahmen 51% der Bulgaren teil.
https://europeelects.eu/2026/04/14/election-dashboard-national-parliament-election-in-bulgaria-2026/ ; https://www.welt.de/politik/ausland/article69e50f68c8c973c925cb2778/bulgarien-russlandfreundlicher-ex-praesident-radew-liegt-mit-buendnis-bei-wahl-deutlich-vorne.html ; https://x.com/nexta_tv/status/204593050517109148

EUROPÄISCHE VERTEIDIUNG
Ein neues europäisches Verteidigungsbündnis mit Teilnahme der Ukraine nimmt Konturen an. Andrius Kubilius, Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt der Europäischen Union, umriss die Eckpunkte für ein Europäische Verteidigungsbündnis:
- Die USA konzentrieren sich zunehmend auf den indopazifischen Raum und Europa ist nicht mehr im Interesse.
- Die Europäische Union diskutiert einen «zwischenstaatlichen Vertrag» zur Bildung einer Verteidigungsunion.
- Zusätzlich brauche es eine «echte europäische Verteidigungsunion», an der auch Nicht-EU-Mitglieder wie Grossbritannien, Norwegen und die Ukraine teilnehmen.
- Die Initiative zur Schaffung einer Verteidigungsunion umfasst höhere Verteidigungsausgaben, den Ausbau der Produktionskapazitäten sowie eine stärkere Koordinierung zwischen den EU-Ländern und ihren europäischen Partnern wie der Ukraine, dem Vereinigten Königreich und Norwegen. Gleichzeitig würde die Verteidigungspolitik in der nationalen Zuständigkeit der Mitgliedstaaten verbleiben.
Andrius Kubilius, ehemals Premierminister von Litauen hatte sich schon im Mai 2025 für europäische Investitionen in die ukrainische Waffenproduktion ausgesprochen, weil dort die Innovationskraft hoch und die Kosten geringer seien.
https://x.com/gerashchenko_en/status/2045476874369790175 ; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1168-5-5-25-22-uhr/

UKRAINE BAUT AUF SICH SELBST
Das amerikanische Magazin «The Atlantic» schreibt in einer grossen Analyse, dass die Ukraine sich weg vom «Schmusekurs» mit den USA bewegt und allein auf ihre Kräfte und die von ein paar treuen Verbündeten setzt.
Öffentlich wird die Ablehnung noch nicht deklariert, aber Volodymyr Zelenskyj spricht nicht mehr von einer «transatlantischen Partnerschaft». Er spricht von einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur ohne die Vereinigten Staaten. Die Ukraine belegt diese Unabhängigkeit auch mit den Angriffen auf russische Häfen und Raffinerien, trotz der «negativen Signale von Partnern».
«The Atlantic»: «Die Ukraine sucht aggressiv nach neuen diplomatischen und militärischen Partnern – zum Beispiel durch den Austausch seines hart erkämpften Fachwissens in der Drohnenkriegsführung mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie durch den Abschluss von Waffenproduktionsabkommen mit Deutschland.»
Gleichzeitig zeigen die militärischen Entwicklungen an der Front eine Reihe von Tendenzen, die Kyivs Position stärken. Die Ukraine hat die Effektivität ihres Drohneneinsatzes für Angriffe mittlerer und grosser Entfernung hinter den Frontlinien gesteigert, wie die Angriffe auf Ziele in der Nähe von St. Petersburg belegen.
Die ukrainischen Streitkräfte schränken die Fähigkeiten der russischen Marine im Schwarzen Meer weiterhin ein. Selbst Russlands am besten verteidigte Marinestützpunkte bleiben anfällig für ukrainische Angriffe: «Die Ukraine ist weiterhin an der Unterstützung der USA interessiert, doch Kiew glaubt nicht mehr, dass eine mögliche Kürzung der amerikanischen Hilfe automatisch zur Niederlage des Landes führen wird.»
https://www.theatlantic.com/ideas/2026/04/ukraine-trump-us-oil-russia/686854/;

ZWEI GROSSE SCHIFFE WENIGER
Im gestrigen Newsletter wurde vom Angriff der ukrainischen Armee auf russische Kriegsschiffe auf der besetzten Krim berichtet, nun sind Details bekannt:
Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich die feindlichen Schiffe, die zur russischen Schwarzmeerflotten gehörten, in der Bucht von Sevastopol.
- Projekt 775 «Jamal» – ein Schiff aus dem Jahr 1988 mit einer Länge von 112,5 Metern und der Fähigkeit, bis zu 500 Tonnen Fracht, einschliesslich gepanzerter Fahrzeuge und Truppen, zu transportieren. Der geschätzte Wert des Schiffes beträgt über 80 Millionen Dollar.
- Projekt 1171 «Nikolay Filchenkov» – ein Schiff aus dem Jahr 1975 mit einer Tragfähigkeit von bis zu 1’000 Tonnen, das Dutzende von gepanzerten Fahrzeugen und einen grossen Truppentransport ermöglicht. Der geschätzte Wert des Schiffes beträgt über 70 Millionen Dollar.
Beide Schiffe, die Russland im Krieg gegen die Ukraine einsetzte, wurden ausser Gefecht gesetzt.
https://t.me/exilenova_plus/19118

FLUCHT AUS DER BESATZUNG
Die Plattform «Kyiv Independent» hat neu eine laufende Berichterstattung über die fünf von Russland besetzten Regionen entwickelt. Die dafür verantwortlichen Journalistinnen Yuliia Taradiuk und Tania Myronyshena beschreiben, wie schwierig die Situation für die dort lebenden Menschen ist:
«Es ist sehr gefährlich, unter russischer Besatzung auch nur den geringsten Anschein von Pro-Ukrainischer Gesinnung zu zeigen.» Trotzdem sei für viele die Flucht nicht möglich, aufgrund schlechter Gesundheit, eingeschränkter Mobilität, kranker oder älterer Angehöriger oder einfach, weil sie nirgendwo hingehen können.
Für diejenigen die flüchten wollen, ist die Reise lang, beschwerlich und gefährlich. Die Menschen müssen durch Russland und Weissrussland reisen, um den einzigen funktionierenden Kontrollpunkt in die nicht besetzte Ukraine zu erreichen. Diese Reise dauert mehrere Tage mit Bus, Zug und Taxi. Dabei riskieren die Ukrainer, gar nicht erst hinausgelassen oder sogar verhaftet zu werden. Die Route führt zum «Wolhynien-Korridor» – dem einzigen funktionierenden Kontrollpunkt zwischen der Ukraine und Weissrussland.
Doch viele entscheiden sich, gar nicht erst zu fliehen oder kehren sogar um. Trotz der Gefahr von Folter, Zwangsrekrutierung, Dürre oder vielen anderen Gräueltaten sind diese besetzten Gebiete immer noch die Orte, an denen die Menschen ihr ganzes Leben verbracht haben. «Für die Ukrainer sind dies nicht nur umstrittene Gebiete, über die Politiker während sogenannter Friedensgespräche sprechen», sagte Yuliia. «Dies ist ihre Heimat. Sie warten darauf, dass die Ukraine zurückkehrt.»
Kyiv Independent ruft ihre Leser, welche diese Art der Berichterstattung schätzen, zu Spenden auf.



