Russische Teenager helfen, ukrainische Kinder zu töten. «Mein Name ist Darina, ich bin sechzehn Jahre alt, und schon nächstes Jahr werde ich 150’000 Rubel pro Monat verdienen».
Das Unternehmen zur Herstellung von «russisch-iranischen Shahed-/Geran-Drohnen hat einen Werbespot veröffentlicht, in dem Minderjährige zugeben, Angriffs-Drohnen zu montieren.
150’000 Rubel entsprechen 1’538 Schweizer Franken / 1’671 €. Der Durchschnittsverdienst eines russischen Facharbeiters beträgt 1’000 € pro Monat.
Das Werbevideo wurde von der russischen Oppositionsplattform «Astra» veröffentlicht.
Der durch Wahlbetrug an der Macht gebliebene belarussische Diktator Alexander Lukaschenko hat am Freitag einen Erlass für die Mobilisierung von Reserveoffizieren unterzeichnet. Dies passt in ein Bild einer militärischen Eskalation, vor der die Ukraine warnt.
«Belarus scheint tatsächlich von Russland den Auftrag erhalten zu haben, unsere Streitkräfte während ihres Frühjahrs- und Sommerangriffs im Osten und Süden unter Druck zu setzen.» Das sagte Andriy Kovalenko vom Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine.
Volodymyr Zelenskyj schrieb am Freitag nach einer Besprechung mit dem ukrainischen Generalstab: «Nach Erkenntnissen des Nachrichtendienstes werden an der belarussischen Grenze Strassen in Richtung Ukraine ausgebaut und Artilleriestellungen eingerichtet. Wir gehen davon aus, dass Russland erneut versuchen wird, Belarus in seinen Krieg hineinzuziehen. Ich habe angeordnet, die faktische Führung von Belarus über die entsprechenden Kanäle darauf hinzuweisen, dass die Ukraine bereit ist, ihr Land und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.»
Der ukrainische Präsident richtete sich zudem mit einer persönlichen Warnung an Lukaschenko: «Die Art und die Folgen der jüngsten Ereignisse in Venezuela sollten die Führung von Belarus davon abhalten, Fehler zu begehen.»
Christopher Miller von der «Financial Times» schreibt: «Russland bereitet eine neue Offensive im Südosten der Ukraine vor und greift dabei auf seine strategischen Reserven zurück. Es wird seine Truppen im Land um 20’000 neue Soldaten aufzustocken, wie mir der ukrainische Militärgeheimdienst GUR mitteilte. Mit mittlerweile rund 680’000 Soldaten vor Ort strebt Russland an, den Donbass bis September einzunehmen.»
Vadym Skibitskyi, stellvertretender Leiter des militärischen Nachrichtendienstes GUR sagte der «Financial Times», dass russische Streitkräfte ihre Raketenangriffe auf ukrainische Städte verstärkten. Dies war zuletzt vor zwei Tagen der Fall, wobei 17 ukrainische Zivilisten getötet wurden. Gemäss Skibitskyi sind die Terrorangriffe Teil einer Strategie, kritische Infrastruktur zu zerstören und das Schlachtfeld im Vorfeld einer erneuten Frühjahrs- und Sommeroffensive zu prägen.
Gemäss der neusten Aufstellung des Generalstabs beträgt der Verlust der russischen Armee bis zum 17. April 2026 1 Million 317’000 Personen, die getötet oder schwer verwundet worden sind. Allein in den letzten 24 Stunden kamen weitere 1’080 Soldaten dazu. Ziel der ukrainischen Armee ist es, pro Monat 50’000 russische Invasoren auszuschalten.
Die Eskalation gegen nordeuropäische Staaten verläuft wie nach einem Drehbuch.
Am 28. März warnte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew die baltischen Staaten und behauptete, Estland sei sowieso ein historischer Teil Russlands.
Am Ostermontag, 5. April, sagte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums: «Russland hat den baltischen Staaten eine besondere Warnung ausgesprochen, falls sie beschliessen sollten, ihren Luftraum für den Überflug ukrainischer Drohnen bei Angriffen auf die Russische Föderation zu öffnen.»
Gestern Freitag folgte als dritte Warnung jene des ehemaligen Verteidigungsministers Sergei Schoigu. Der heutige Chef des russischen «Sicherheitsrats» warnte Finnland und die baltischen Staaten, Moskau könne von seinem «Recht auf Selbstverteidigung» Gebrauch machen. Auch Schoigu behauptete, ukrainische Drohnen fliegen durch deren Luftraum – und sagt, Russland könne entsprechend reagieren, wobei er sich auf Artikel 51 der UN-Charta berief.
KOMMENTAR: Die Behauptung, dass ukrainische Drohnen den Luftraum baltischer Staaten bei ihren Angriffen auf Erdölexporthäfen in der Region St.Petersburg nutzen, ist falsch und wurde mit Flugdaten widerlegt. Mit den Stellungnahmen deutet der Kreml öffentlich mögliche Angriffe auf NATO-Gebiet an – eine gefährliche Eskalation, die das Bündnis in eine direkte Konfrontation hineinziehen könnte.
Vor zwei Tagen gab US-Finanzminister Scott Bessent bekannt, dass die Sanktionen gegen die russische Erdölindustrie nach einem Monat Pause wieder gelten. Doch jetzt veröffentlichte das US-Finanzministerium das neueste Dekret und dieses besagt, dass Russland bis zum 16. Mai weiterhin Öl verkaufen darf.
Die «Ausnahmebewilligung» erlaubt den Verkauf von Rohöl, welches bereits auf Schiffe verladen wurde, «einschliesslich den Schiffen, die gemäss den oben genannten Behörden gesperrt sind.»
Damit hebeln die USA nicht nur ihre eigenen Sanktionen aus, sondern auch jene gegen die sogenannte «Schattenflotte», welche illegal Öl auf den Weltmeeren transportieren.
Die ukrainische Plattform «Exilenova Plus» hat eine Liste der derzeit brennenden russischen Exporthäfen und Ölraffinerien erstellt. Aufgeführt sind auch Objekte, die in der letzten Nacht angegriffen wurden:
Die Ölraffinerie in Tuapse brennt nach dem Angriff von vorgestern weiter.
Neu brennt die Tichoretsk-Ölbasis – ein wichtigen Umschlagplatz für die Pipeline-Logistik.
In Sevastopol auf der besetzten Krim brennt der Hafen.
In der Leningrader Region wurde der Hafen Vysotsk angegriffen.
In der Samara-Region brennt nach einem massiven Angriff das Nowokuibyschewsk-Ölwerk.
Im YouTube-Kanal «Patrióta» gab der vertriebene Ex-Regierungschef Viktor Orbán am Donnerstagabend sein erstes Interview. Seine Kernaussagen:
Er stehe immer noch unter Schock. Es sei nicht einfach, in kurzer Zeit die Gründe für diese grosse Niederlage zu finden.
Der Wahlkampf habe seiner Meinung nach nicht funktioniert, obwohl alle Voraussetzungen dafür gegeben gewesen seien.
«Die Niederlage basiere auf einer anderen Wahlbeteiligung, als wie wir sie früher hatten. Jeder, der zusätzlich zur Wahl ging, stimmte aus Protest gegen uns.»
Für die Zukunft sagte er: «Die Lösung liegt nicht bei Einzelpersonen; eine vollständige Erneuerung ist notwendig. Unsere rechte Welt kann nicht so weiter funktionieren wie bisher.»
Zur Frage, ob Korruption und der luxuriöse Lebensstil der Elite um Fidesz das Ergebnis beeinflusst hätten: «Natürlich. Ich habe Korruption nie vertuscht; ich habe es immer unterstützt, wenn die Behörden dagegen vorgingen. Aber Luxus ist eine andere Sache, und er hat das Ergebnis beeinflusst.»
Angesprochen auf seine Zukunft, die gemäss dem neuen Regierungschef nicht mehr in der Politik stattfinden soll, sagte Orbán: «Wenn ich das Vertrauen dafür bekomme, werde ich die Partei gerne weiterführen. Aus all diesem Schmerz entsteht auch neue Energie; plötzlich fühle ich mich jünger.»
KLUGE UNGARN ANALYSE
Seit der politischen Vertreibung Orbáns durch das ungarische Volk sind fünf Tage vergangen. Zeit für Reflexion, die etwas tiefgründiger ist, als die von Kreml-Blättern. Dazu ein kleiner Text von «Nexta», nach Eigendefinition der grössten Nachrichtensender Osteuropas:
«Ungarn war für Moskau bislang ein praktischer Zugangspunkt gewesen: Es bremste Sanktionen aus, blockierte Hilfslieferungen an die Ukraine und bot Kanäle für Finanz- und Energiebeziehungen. Diese „Bremse“ ist nun weg – das Vetorecht bleibt zwar bestehen, doch es ist unwahrscheinlich, dass es so eingesetzt wird, wie Orbán es getan hat.
Eine vollständige Kehrtwende ist jedoch nicht zu erwarten. Russisches Gas wird bleiben – die Verträge laufen bis 2036 und folgen einem „Take-or-pay“-Modell. Das von Russland gebaute Kernkraftwerk Paks II wird mit ziemlicher Sicherheit fertiggestellt werden, da eine Aufgabe zu kostspielig wäre. Politisch gesehen wird Budapest jedoch wahrscheinlich nicht mehr systematisch auf der Seite Moskaus stehen.
Orbán war ein Aushängeschild der „illiberalen Demokratie“ innerhalb der EU – ein Modell, das der Kreml aktiv förderte. Nun bricht dieses Beispiel zusammen, und Politiker wie Fico (Slowakei) oder Babiš (Tschechien) werden berücksichtigen müssen, wie es endete.
Es gibt auch finanzielle Risiken. Die ungarische OTP Bank war einer der bequemen Kanäle für die Zusammenarbeit mit Russland gewesen. Mit einem pro-europäischeren Kurs könnte sie unter Druck seitens der EU geraten.
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