#UKRAINE AKTUELL Nr. 1504 (6.4.2026 / 7Uhr)

  • März: 35’00 Russen ausgeschaltet
  • Mehr Verluste als Neu-Rekrutierte
  • Russische Offensive geht weiter
  • Ukrainische Front bricht nicht ein
  • Gegenoffensive bringt Landgewinne  
  • Verzweifelter russischer Soldat
  • Zwangsmobilisierung bleibt nötig
  • Dritter Ölexporthafen angegriffen
  • Getreide-Diebstahlschiff gesunken
  • Putin – Orbán-Deal aufgedeckt
  • Orbán hat einen Palast in Moskau

35’000 AUSFÄLLE IM MÄRZ

Auch im Monat März hat die Ausfallrate russischer Soldaten durch Tod oder schwere Verwundungen die Quote der Neumobilisierungen übertroffen. Das ukrainische Verteidigungsministerium berichtet, dass im letzten Monat 35’000 Russen für Putins Eroberungstraum geopfert wurden.

In den ersten vier Tagen des April wurden nach Angaben des ukrainischen Generalstabs 6’000 russische Soldaten getötet oder schwer verwundet. Am 5. April wurden weitere 1’180 menschliche Ausfälle gemeldet, womit der Gesamtverlust der russischen Armee seit dem Überfall im Februar 2022 auf 1 Million 303’500 stieg.

Sollte sich diese Verlustrate bis Ende des Monats fortsetzen, dann wird die vom ukrainischen Verteidigungsminister geforderte Verlustrate von 50’000 pro Monat nahezu erreicht.

Für den Monat März rechnete der amerikanische Militärblogger Chuck Pfarrer aus: «Alle 74 Sekunden kam ein Russe zu Schaden – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. 80 % von ihnen wurden von ukrainischen Drohnen ausgeschaltet.»

Pfarrer publiziert dazu ein Video, das zeigt, wie ein einzelner russischer Soldat von einer ukrainischen Drohne gejagt und in die Luft gesprengt wird. Ähnliche Videos über die letzten Sekunden russischer Soldaten wurden in den letzten Wochen von ukrainischen Kanälen in grosser Zahl veröffentlicht.

Ein ukrainischer Soldat mit dem Namen «Dmytro» sagt in einem Video von der Front: «Sie kommen immer wieder. Wir haben noch nicht gesehen, dass ihnen die Mannstärke ausgeht. Sie bewegen sich in Gruppen von bis zu drei Mann. Sie dringen in Häuser ein und versuchen, vorzustossen. Wir schalten sie aus, und es kommen Neue.»

https://x.com/chuckpfarrer/status/2040168210624823562;  https://x.com/mylovanov/status/2040378534175125625;

Videos (nicht für Jugendliche unter sensible Personen geeignet: https://x.com/i/status/2040187252286836967; https://t.me/magyarbirds414/824; https://t.me/exilenova_plus/17689; https://x.com/mylovanov/status/2040378534175125625

OFFENSIVE GEHT WEITER

Die Russen geben ihre Offensive nicht auf und wollen im Gebiet Dnipropetrovsk eine «Pufferzone» schaffen, sagt Oleksandr Syrskyj, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine. Auf der Achse Oleksandrivka gibt es zunehmende Kampfhandlungen. Die russische Armee startete dort in der letzten Woche 64 Angriffe. Im Fokus stehen die Ortschaften Ternove, Ivanivka, Zelenyi Hai sowie Dörfer in Richtung Sosnivka, Verbove und Zlahoda.

Syrskyi betonte, dass die russischen Truppen trotz erheblicher Verluste ihre Offensivpläne nicht aufgegeben haben und eine Umgruppierung ihrer Streitkräfte vornehmen. Syrskyj: «Gleichzeitig halten die ukrainischen Streitkräfte ihre Positionen und führen eine aktive Verteidigung durch, wobei sie dem Feind erhebliche Verluste an Personal und Ausrüstung zufügen.» https://twitter.com/front_ukrainian/status/2040795442858820019

KEIN FRONT-ZUSAMMENBRUCH

Die Lage an der Front ist für die Ukraine derzeit die beste seit zehn Monaten. Zu diesem Fazit kommen die Analysten des amerikanischen «Institutes for the Study of War» (ISW):

«Die Ukraine festigt ihre Positionen gegenüber Russland auf taktischer, operativer und strategischer Ebene. Die ukrainischen Streitkräfte erzielen im Süden taktische Erfolge, was einen „Dominoeffekt“ in anderen Frontabschnitten auslöst und Russland dazu zwingt, seine Ressourcen zwischen Verteidigung und Truppenverlagerung aufzuteilen.»

Das ISW veröffentlicht dazu eine KARTE, auf der in hellblau die von der ukrainischen Armee rückeroberten Gebiete eingezeichnet sind. Die ukrainischen Streitkräfte rückten im Norden des Gebiets Kharkiv sowie in Richtung Kupjansk und Oleksandrivka vor.

Damit widerspricht das ISW der Darstellung des Kremlregimes, das gegenüber westlichen Politikern und ihrem Publikum immer wieder behauptet, dass die Offensive auf der Seite der russischen Armee sei und sich die ukrainische Front kurz vor dem Zusammenbruch befinde.

https://x.com/TheStudyofWar/status/2040242897786651072; https://understandingwar.org/map/assessed-control-of-terrain-in-the-kherson-direction-april-4-2026-at-130-pm-et/; https://x.com/blyskavka_ua/status/2040423463949676767; https://x.com/thestudyofwar/status/2040548799181996054

VERZWEIFELTE SOLDATEN

Der ukrainisch-amerikanische Blogger «Jay in Kyiv» zitiert aus einem Bericht vom 9. März verfasst von einem russischen Soldaten. Dieser beklagt sich, dass die sogenannte «Todeszone» zwischen festen Frontstellungen immer gefährlicher wird und dass die Ukraine hier die Kontrolle übernommen hat:

«Eine schreckliche Katastrophe bahnt sich an. Die Logistik innerhalb der 15-Kilometer-Zone ist praktisch nicht existent. Wir brauchen drei bis vier Tage, um unsere Einsatzpunkte zu erreichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Starlink-Krise zu etwa 60 % überwunden ist (rein subjektiv). Überall wimmelt es von ukrainischen Drohnen, sogar an Orten, an denen sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen wurden. Es gibt keinen Widerstand gegen die neue Welle der Enttarnung. Wenn das so weitergeht, werden wir im Herbst 2022 eine Neuauflage erleben. (…)

Die Drohnenaktivität in Richtung Myrnohrad ist unglaublich hoch. Seit mehreren Tagen verbrennen sie Fahrzeuge in Scharen. Es sind ernstzunehmende Truppen eingetroffen. Ukrainische «Baba-Yaga»-Drohnen legen nachts Minen, und morgens überwachen die Söldner die Strasse. Es ist klar, dass sie beschlossen haben, unsere Logistik zu stören. Positiv ist: Es gibt Wachposten entlang der Straße; wenn sie einen Ukrainer sehen, beginnt ein Schusswechsel, und man hört es im Voraus, was einem Zeit gibt, anzuhalten und abzuspringen. Negativ ist, dass es auf den erforderlichen Frequenzen kaum elektronische Kriegsführung gibt. Der Feind sendet zwischen 6’000 und 10’000 MHz.» (Für diesen Bereich hat die russische Armee keine wirksamen Gegenmittel). https://twitter.com/jayinkyiv/status/2031056026074526023

ZWANGSMOBILISIERUNG NÖTIG

Die Kritik am ukrainischen «Territorial Center for Recruitment and Social Support» (TZK) gibt es seit Beginn des Verteidigungskampfes gegen die russische Invasion. Gewaltexzesse und Unfähigkeiten lokaler TZK-Gruppen wurden immer wieder angeprangert und werden neuerdings auch ernsthaft untersucht (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 1503).

Doch nach der Meinung von Kyrylo Budanov ändert das nichts an der grundsätzlichen Notwendigkeit der Zwangsmobilisierung. Der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes sagte dazu:

  • Die ukrainische Armee braucht Menschen. Und wenn die freiwillige Mobilmachung diesen Bedarf nicht deckt, wird die Pflichtmobilmachung fortgesetzt.
  • Budanov widersprach der Vorstellung, dass eine Reform der Einberufungsämter – also eine Änderung von Namen, Strukturen oder dem öffentlichen Image – das Problem irgendwie lösen würde: Der Mechanismus kann sich ändern, aber das Ergebnis bleibt dasselbe.
  • Das Land befindet sich im Krieg. Die Armee braucht Personal. Dieser Bedarf verschwindet nicht, nur weil das System umbenannt wird.
  • Budanov wies auch direkt auf die Belastung durch den langwierigen Krieg hin: Nach Jahren ununterbrochener Kämpfe ist die Erschöpfung real – in der gesamten Gesellschaft, nicht nur beim Militär. Aber das verringert den Bedarf an der Front nicht. Wenn überhaupt, erhöht es ihn.
  • Die zugrunde liegende Botschaft: Es gibt keine «leichte Variante» eines langen Krieges. Mit solchen Problemen werden die meisten Länder nie konfrontiert werden: Die Verteidigung aufrechtzuerhalten.

DRITTER HAFENANGRIFF

Seit den Angriffen auf die Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk haben diese wichtigen russischen Exportstellen für Rohöl ihren Betrieb teilweise eingestellt. In der Nacht auf Ostermontag war der Schwarzmeerhafen Noworossijsk Ziel eines Drohnenschwarm-Angriffs.

Videos zeigen grossflächige Brände im Hafengelände. Gemäss der Analyse von Satellitenaufnahmen brennen der Liegeplatz Nr. 1 und Nr. 2. An diesen Stellen wurde auch der Austritt grosser Mengen Rohöl festgestellt, das unterdessen brennt.

Eine weitere Schadenstelle ist die Schaltstelle des Pipeline-Systems, welches das Rohöl aus den Förderfeldern in Russland zum Hafen leitet.

Die Plattform «Exilenova Plus» schreibt: «Die Beschädigung von zwei Hauptliegeplätzen und SICN-Knoten bedeutet eine tatsächliche Unterbrechung der Ausladung. Der wirtschaftliche Effekt des Angriffs ist eine direkte Verringerung der Deviseneinnahmen aus dem Ölexport, der eine der Hauptfinanzierungsquellen der russischen Militärmaschine darstellt.» https://t.me/exilenova_plus/18493

DIEBSTAHL-SCHIFF GESUNKEN

Der russische Trockengüterfrachter «Wolgo-Balt-138» mit einer Ladung Weizen ist im Asowschen Meer infolge eines Angriffs ukrainischer Drohnen gesunken. Das teilte der russische Gauleiter der Region Kherson, Vladimir Saldo mit.

Ein Teil der Besatzung konnte das Schiff verlassen und mit einem Schlauchboot an die Küste der Region Kherson schwimmen. Nach vorläufigen Angaben kamen drei Personen ums Leben, darunter der Erste Offizier.

Laut Marine Traffic sollte das Schiff am 2. April im Hafen Kavkaz in der Region Kertsch landen. Warum sich der Trockengüterfrachter am 5. April vor der Küste der Region Kherson befand, wo er dann sank, ist unbekannt. https://t.me/milinfolive/169992

ORBÁNS PUTIN-CONNECTION

Der russische Oppositionsjournalist Rostislav Murzagulov gab bekannt, dass er ein Paket mit Dokumenten erhalten habe, welches angeblich den Mechanismus einer geheimen Bestechung Putins an den ungarischen Regierungschef Viktor Orbán aufdeckt.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán förderte das Werk des Automobilzulieferers «Takata» in Miskolc massiv mit staatlichen Mitteln. Nach der weltweiten Insolvenz von Takata aufgrund tödlicher Airbag-Mängel (explodierende Gasgeneratoren) wurde der Konzern von dem US-Unternehmen Key Safety Systems (KSS), einer Tochtergesellschaft der chinesischen Joyson Group, übernommen.

Recherchen von Rostislav Murzagulov werfen ein völlig neues Licht auf diesen Deal:

Laut Murzagulov reichte das Kapital der Käufer nicht aus. Erst durch langfristige Lieferverträge, die Putin den russischen Autoherstellern angeblich aufgezwungen hat, erhielten die Käufer die notwendigen Kreditsicherheiten für die milliardenschwere Übernahme.

Das Unternehmen Joyson Safety Systems Rus diente als zentrales russisches Instrument, um durch staatlich erzwungene Lieferverträge die notwendigen Kreditsicherheiten für die milliardenschwere Übernahme der Takata-Vermögenswerte zu generieren.

Diese Verträge sicherten die Rentabilität des Werks in Miskolc, an dessen Bau und Betrieb das Netzwerk des Orbáns Vertrauten Lőrinc Mészáros beteiligt ist.

Nach Murzagulovs Erkenntnissen wurde das russische Konstrukt genutzt, um für Viktor Orbán einen Palast in der Greenfield-Siedlung am Stadtrand von Moskau zu erwerben. Der Palast erstreckt sich über 7’000 Quadratmeter und hat einen Wert von 89 Millionen US-Dollar.

Ein weiteres Detail ist ebenfalls bemerkenswert: Vertreter des FSO (Russischer Föderaler Schutzdienst) haben kürzlich den Namen des Eigentümers aus den Datenbanken dieser Immobilie entfernt. Dies ist ein indirekter Hinweis darauf, dass das Luxusanwesen nicht einfach einem Geschäftsmann gehört, sondern einer Person, deren Daten als Staatsgeheimnis eingestuft sind.

Der Palast ist kein blosses Geschenk, sondern ein strategisches Instrument der Abhängigkeit, das Orbán durch kriminelle Verstrickungen erpressbar macht und ihm gleichzeitig ein sicheres Exil unter Putins Kontrolle garantiert.

Der Journalist ist bereit, die Originale dieser Dokumente den zuständigen Behörden und Journalisten in europäischen Ländern zu übergeben.

Am nächsten Sonntag finden in Ungarn Parlamentswahlen statt, welche die lange Herrschaft Orbáns beenden könnten. https://twitter.com/vic_010100/status/2040517363800375515

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