#UKRAINE AKTUELL Nr. 1500 (2.4.2026 / 7Uhr)

  • Hintergründe und Persönliches

UKRAINE AKTUELL NR. 1’500

Auf Deinem Bildschirm erscheint der 1’500te Newsletter «Ukraine Aktuell». Begonnen habe ich mit mehreren Nachrichtenveröffentlichungen pro Tag am 22. Februar 2022. Eine erste Aktion war damals, in den Kommentarspalten russischer Facebook-Seiten oder Restaurants unzensierte Nachrichten zu hinterlassen.

Nach einigen Tagen begann ich die Fülle der Nachrichten und Hintergrundinformationen in gebündelter Form zu publizieren: Als Gratis-Newsletter für Abonnenten, auf Facebook, den Webseiten ukraineaktuell.com und aldrovandi.net immer mit Links zu den Quellen. Zudem übernimmt mein Sohn seit bald vier Jahren die tägliche Publikation auf instagram. Und für Hinweise nutze ich zusätzlich «X», «Bluesky» und seit letzter Woche auf «Mastodon».

Der Überfall des faschistischen Putin-Regimes am 24. Februar 2022 auf die benachbarte, westlich orientierte Ukraine hat mich schockiert, wie viele andere Menschen auf der ganzen Welt. Aber eine Erinnerung ist auch, wie in jenen Tagen zusätzlich etwas sichtbar und spürbar wurde, was über die gewöhnliche Katastrophen-Storys hinausging: Der Widerstandswille des ukrainischen Volkes.

In meiner Erinnerung sind jene Livebilder vom ersten oder zweiten Tag auf dem englischen Sender «SkyNews»: Sie zeigten, wie Ukrainerinnen und Ukrainer angesichts der heranrückenden russischen Truppen auf einem öffentlichen Platz Molotow-Cocktails herstellten. Die Flaschen, gefüllt mit Benzin und Petrol, verschlossen mit Stofflappen, packten sie ordentlich in Holzkisten, die in der Stadt – ich glaube es war Kyiv – verteilt wurden.

Ich erinnere mich, wie eine Kolonne russischer Panzer in Flammen und Rauch aufging. Und ich erinnere mich an die ersten Auftritte von Volodymyr Zelensky, der klein und zäh, listig und entschlossen, müde und sehr stark den Widerstand verkörperte. «I don’t need a taxi — I need weapons!»

Parallel dazu meldeten viele Freunde, Bekannte oder zufällig begegneten Menschen, dass die Ukraine keine Chance habe. Russland werde die Ukraine in ein paar Stunden, vielleicht Tagen erdrücken. In Radiosendungen, am Fernsehen oder in Podcasts meldeten sich Ex-Generäle, Sicherheitsexperten und andere Spezialisten und schwafelten davon, dass Russland ein legitimes Recht auf einen «Cordon sanitaire», also eine Sicherheitszone habe.  

Und gleichzeitig meldeten sich so widerliche Figuren wie der ehemalige Schweizer Journalist Roger Köppel und ähnlich gestrickte Schreibtischtäter und riefen zur Anpassung an den «starken Führer» Putin auf. In schlechter Erinnerung bleibt mir immer noch jener Weltwoche-Text vom 24. Februar 2022, der von seinem Autor und Besitzer des Kreml-Propaganda-Blättchens nie widerrufen wurde oder jener TV-Auftritt, in dem dieselbe Person sagte: «Der Westen ist der wahre Aggressor». Orchestriert wurden derartige Landesverräter von Leuten wie Alice Schwarzer oder Alice Weidel.

Doch die Ukraine brach nicht zusammen und die russische Führung zeigte ihr wahres Gesicht: Mariupol, Azov-Stahl, Rasputiza, Gegenoffensiven, Sanktionspakete, jede Menge militärischer Begriffe traten in unser Leben. Bucha, Theater Mariupol, Kharkiv, Irpin, Alexei Navalny, Folterkeller, russische Gefängnisse, Kinderverschleppungen erschreckten immer wieder. Über all das musste berichtet werden, parallel zu den üblichen Medien, welche mit zunehmender Kriegslänge immer weniger publizierten.

Dass ich mich für die Ukraine und ihren Widerstand gegen den russischen Überfall engagiere, hat auch familiäre Gründe. Ich schrieb am 20. März 2022: «Mein Grossvater väterlicherseits floh Ende der 1920-er Jahre vor den Mussolini-Faschisten in Bologna nach Paris. 1936 schloss er sich der internationalen Brigade an, welche die spanische Republik verteidigte. Er war Mitglied der anarcho-syndikalistischen „Colonne Durruti“ und wurde, schussverletzt, in einem Lazarett von Franquisten ermordet. In unserer Familie hatten wir noch nie etwas übrig für Faschisten und Kriegsverbrecher.» und «In Spanien galt die Parole: No Pasarán! Sie werden nicht durchkommen! Leider ging damals dieser Kampf verloren und die Folge war der Zweite Weltkrieg. Das darf nicht ein weiteres Mal geschehen: No Pasarán!»

Offen gesagt: Ich kenne keine Ukrainerin, keinen Ukrainer persönlich und ich war noch nie im Land. Auch kann ich die ukrainische Sprache weder lesen noch sprechen. Aber das gilt auch für Russisch, Serbisch, Georgisch und andere Sprachen aus der Region und trotzdem kann ich Texte in diesen Sprachen für die Berichterstattung nutzen. Dafür verwende ich das kostenpflichtige DeepL Pro und ChatGPT-Versionen und je länger der Krieg dauert, umso mehr verstehe ich.

Auch kannte ich beim Kriegsausbruch keinen Journalisten aus der Ukraine und nur wenige spezialisierte Publizisten aus Europa, den USA, Grossbritannien oder Australien. Heute gibt es ein gewachsenes Netzwerk, das zum Teil bis an die Kriegsfront reicht, aus dem ich schöpfen kann und welches manchmal meine Texte weiterverwendet. Auch diese Menschen habe ich nie getroffen. Vielleicht gibt es in friedlichen Zeiten dafür Gelegenheit.

Die journalistische Arbeit für diesen Newsletter beschäftigt mich pro Tag drei bis vier Stunden. Dabei nutze ich 50-70 Nachrichtenquellen und manchmal Hinweise von Lesern. Wenn immer möglich, suche und publiziere ich die Originalquellen wie Regierungsdokumente, Tweets oder Videoausschnitte und nicht synthetisierte Meldungen von Nachrichtenagenturen, die oft nur Zweit- oder Drittquellen nutzen. Zu den Quellen gehören auch russische Nachrichten, Berichte von europäischen Korrespondenten aus Russland, russische Militärblogger oder Propagandameldungen des Kremls.

Kraft für die Arbeit habe ich genug. Ich danke meiner Partnerin Caroline, dass sie die Freiräume dafür offenlässt und meinem Sohn Luca, der auch als Spezialist für Völkerrecht, juristischer Berater und Publizist auf Instagram, zu mir hält.

Vor allem danke ich Ihnen, den vielen Leserinnen und Leser, die mir immer wieder zu verstehen geben, dass es Sinn macht «Ukraine Aktuell» zu publizieren. Das gibt Kraft für meinen Beitrag zum ukrainischen Widerstand.

www.ukraineaktuell.com; www.aldrovandi.net; https://www.instagram.com/ukraineaktuell/; https://ukraineaktuell.com/guernica-kriegsverbrecher-putin-und-seine-komplizen/;

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