#UKRAINE AKTUELL Nr. 1498 (31.3.2026 / 7Uhr)

  • Ukraine: Müde, aber ungebrochen
  • 80% der Ukrainer für Widerstand
  • Analyse: So ist Russland zu schlagen
  • Vielfältiges Drohnenarsenal
  • Digitale Dunkelheit für Russland
  • Düstere Prognose für das Volk

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MÜDE ABER UNGEBROCHEN

«Ich bin 3’000 Kilometer quer durch die Ukraine gefahren und habe viele militärische Führungskräfte getroffen. Wichtigste Erkenntnis: Die Ukraine ist erschöpft, aber sie ist kein zerbrochenes Land. (…) Wir dürfen uns nicht von der Fokussierung auf jeweils nur eine Krise blenden lassen. Die Ereignisse in der Ukraine und im Nahen Osten finden gleichzeitig statt – und die Herausforderungen sind dieselben.» Dies sagte der General Michael Claesson, Oberbefehlshaber der schwedischen Armee, in einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender CBS.

In einem vielbeachteten Interview mit dem ukrainischen Journalisten Dmitri Gordon sagte der von Zelenskyj entlassende Aussenminister Dmitri Kuleba: «Im Frühling 2022 gingen in den USA alle davon aus, dass es die Ukraine nicht mehr geben werde.» Er sei vom damaligen US-Präsidenten Joe Biden aufgefordert worden, die Abschiedszeremonie vorzubereiten. «Er sagte mir aber auch: „Wir werden Sie so lange unterstützen, wie es nötig ist. Putin weiss nicht, was ihn erwartet.“ Damals erklärten alle amerikanischen Geheimdienste die Ukraine für verrückt. Trotzdem hatte die Ukraine grosses Glück, dass Joe Biden zum Zeitpunkt des Angriffs Präsident war. Er war der einzige US-Präsident, dem die Ukraine etwas bedeutete.»

Und etwas später sagt Kuleba im zweistündigen Interview: «Im Herbst 2025 glaubten alle, dass es für Zelenskyj vorbei ist» und «Wir werden das Durchstehen – alles wird gut.»

Vom 1. – 8. März führte das das «Internationale Soziologische Institut Kyiv (KIIS)» seine landesweite Meinungsumfrage bei über 1’000 Personen durch. Die Ergebnisse: 62 % der Ukrainer sprechen sich dagegen aus, den Donbass im Austausch gegen Sicherheitsgarantien an Russland zu übergeben. Im Vergleich zu Mitte Februar 2026 ist der Anteil derjenigen, die kategorisch dagegen sind, von 57 % auf 62 % gestiegen.

Die überwiegende Mehrheit der Ukrainer – 71 % – glaubt nicht, dass die Verhandlungen zu Frieden führen werden. 25 % glauben daran.

52 % der Ukrainer sind bereit, den Krieg so lange zu ertragen, wie es nötig ist. Zusätzlich sind 28% bereit, den Widerstand wenigstens noch «einige Monate bis ein halbes Jahr» aufrecht zu erhalten. Dies entspricht aktuell einer Bereitschaft von 80% der ukrainischen Bevölkerung Widerstand zu leisten. In den letzten vier Jahren schwankte dieser Wert jeweils zwischen 97% und 76%.

https://www.youtube.com/watch?v=aU2SMFz82nI, https://www.youtube.com/watch?v=WWvzRCAUmqk; https://kiis.com.ua/?lang=ukr&cat=reports&id=1597&page=1

ANALYSE AUS AZOV-SICHT

Maxim Zhorin ist stellvertretender Kommandant des dritten ukrainischen Armeekorps, auch als «Azov-Regiment» bekannt. Diese Einheit kämpfte in den vier Jahren seit dem russischen Überfall an den heissesten Frontabschnitten. Die ehemalige Azov der 20 Jahre war als rechtsextreme Truppe bekannt. Sie hat sich durch die Integration in die ukrainische Armee gewandelt und ist heute einer der Einheiten, wo neue Armeetaktiken und Einsatzdoktrinen im Ernstkampf erprobt werden. Zhorin gilt als einer der Vorreiter dieser Transformation. Seine Analyse:

  • «Ein Rückgang der russischen Truppenstärke ist unwahrscheinlich. Verluste werden durch fortgesetzte Rekrutierung und Mobilisierung ausgeglichen, und es ist zu erwarten, dass dieser Prozess anhält.
  • Selbst die Aussicht auf interne Spannungen oder eine innenpolitische Krise dürfte diesen Kurs kaum ändern. Solange sie auf dem Schlachtfeld greifbare Ergebnisse erzielen – selbst minimale Gebietsgewinne –, werden sie weiterhin zusätzliche Truppen in den Krieg schicken.
  • Dies kann eine anhaltende gross angelegte Mobilisierung und die Ausbeutung ganzer Regionen mit sich bringen, gepaart mit Bemühungen, neues Personal aus anderen Regionen zu rekrutieren.
  • Es gibt einen gangbaren Weg, sie aufzuhalten – vorausgesetzt, die Ukraine passt sich weiterhin an. Ein asymmetrischer Ansatz, der auf Qualität und technologischer Transformation innerhalb der Streitkräfte basiert, bietet einen glaubwürdigen Weg nach vorn. Unter solchen Bedingungen wird es möglich, ihren Vormarsch zu stoppen.
  • Sollten die russischen Streitkräfte auf keiner Achse auch nur minimale Fortschritte erzielen können, würde sich die Lage grundlegend ändern. Eine anhaltende Mobilisierung würde schwieriger werden, was die allgemeine strategische Dynamik und damit auch den Ton der Verhandlungen verändern würde.
  • Der verstärkte Einsatz unbemannter Bodenfahrzeuge (UGVs) hat zu einer deutlichen Verringerung der Verluste geführt. In Einheiten, die dieses Modell integriert haben, haben sich die Verluste in einigen Fällen innerhalb der ersten zwei Monate nach den ersten Managemententscheidungen um das Dreifache verringert.
  • Gleichzeitig haben UGVs ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft; vielmehr befinden sie sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium.
  • Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Soldaten vollständig vom Schlachtfeld verschwinden, ist die Entwicklung klar: Die Rolle des Menschen verlagert sich zunehmend hin zu der eines Bedieners, der unter angemessener Deckung positioniert ist, während die primäre Verteidigungslinie von Robotersystemen gehalten wird.
  • Dazu gehören Plattformen, die mit Handfeuerwaffen, Kamikaze-Fähigkeiten, technischen Funktionen, Granatwerfern und mehr ausgestattet sind
  • Bislang haben sie ihre Vorgehensweise [Infiltrationstaktiken] glücklicherweise nicht geändert. Die ukrainischen Streitkräfte haben sich schrittweise angepasst, und was einst eine kritische Herausforderung war, ist nicht mehr so akut.
  • Aktuelle Beobachtungen deuten darauf hin, dass der Feind auf taktischer Ebene seine Vorgehensweise nicht angepasst hat. Trotz steigender Verluste und sinkender Erträge wenden sie weiterhin dieselben Methoden an.
  • Anfangs erwiesen sich diese Taktiken als wirksam, stellten uns vor ernsthafte Herausforderungen und führten in einigen Sektoren fast zu einer kritischen Lage. Inzwischen haben sie jedoch ihre Grenzen erreicht und erzielen keine Ergebnisse mehr, die mit denen von vor sechs Monaten vergleichbar wären.»

https://www.youtube.com/watch?v=6tCupcRofqI; https://x.com/revishvilig/status/2036409042579427736

DIE BESTEN DROHNEN-JÄGER

Die ukrainischen Anti-Drohnen-Drohnen sind seit ein paar Tagen in den Golfstaaten im Einsatz und haben bereits mehrere iranisch-russische Shahed-Drohnen unschädlich gemacht. Das berichtet die BBC und gibt einen Überblick über die effizientesten ukrainischen Drohnen zur Bekämpfung von russischen Drohnen. Sie kosten pro Einheit 1’000 – 2’000 Euro:

  • Mit einer Abschussquote von 80 – 90% sei die «Sting» die effizienteste. Der Flugkörper trägt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h 500 Gramm Sprengstoff ins Ziel und kann einen Radius von 25 Kilometer abdecken.
  • Als sehr effizient gilt auch die im Herbst eingeführte «P1-SUN» von «Sky Fall» auch als «Baba Jaga» bekannt. Sie hat technisch ähnliche Eigenschaften wie die «Sting», aber einen Sprengkopf von 800 Gramm.
  • Die «D1L-Duck» von «Falcons» fliegt ebenfalls mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h mit einer Sprengstoffmenge von 300 Gramm.
  • Die «General Chereshny» Bullet-Drohne wurde im Herbst 2025 vorgestellt. Dieses Produkt hat bereits Tausende russischer Aufklärungs- und Kampfdrohnen, darunter auch «Shaheds», abgeschossen. Sie kostet zwischen 1’500 und 2’000 Euro. Eine solche Drohne hatte am Donnerstag einen Ka-52 Helikopter der Russen zum Absturz gebracht.
  • Die «Oktopus» wurde von ukrainischen und britischen Technikern entwickelt. 12 Firmen haben Lizenzen für eine Massenproduktion erworben. Sie fliegt ähnlich schnell, wie die anderen Drohnen mit einem Aktionsradius von 30 Kilometer und einer Traglast von 1,2 Kilogramm. 

https://www.bbc.com/ukrainian/articles/cn8d7dl6j47o

DIGITALE DUNKELHEIT

Der Kreml kopiert zunehmend die Erfahrungen des iranischen Regimes in Bezug auf das Abschalten unabhängiger Informationsquellen und Kommunikationsmöglichkeiten für die eigene Bevölkerung. Dies ist in den letzten Monaten und Wochen bei der Abschaltung von YouTube, Facebook, Instagram, WhatsApp und zuletzt bei den Einschränkungen von Telegram deutlich geworden. Die Umgehungsmöglichkeiten über VPN (Virtual Private Network) – Verbindungen ist zudem unter Strafe gestellt.

In der letzten Woche wurde der mobile Datenverkehr in einigen Städten, darunter Sankt Petersburg, eingeschränkt. Erlaubt ist nur noch der Zugang auf Webseiten, welche auf einer sogenannten «Whitelist», also einer vom Regime erlaubten «Positivliste», stehen. Damit fallen auch so alltägliche Möglichkeiten wie Bankgeschäfte, Taxibestellungen oder Warenkäufe über Mobilgeräte weg.

Insbesondere junge Menschen empören sich über diese Einschränkungen. Aber die Kritik erreicht zunehmend auch Kremltreue Personen und Organisationen. Die prorussischen Militärbeobachter von «Milinfolive» gehören dazu. Ihr neuster Eintrag in voller Länge:

«Der schleichende Wahnsinn geht weiter.

Forbes, BBC und RBC berichten, dass bereits ab dem 1. Mai:

  • Mobilfunkanbietern untersagt wird, Apple-ID-Guthaben über das Mobilfunkkonto aufzuladen;
  • der Zugriff über VPN auf Ressourcen der Whitelist verboten wird;
  • wird der kostenpflichtige Zugang zu VPN-Datenverkehr eingeführt, und zwar zu einem Preis von 150 Rubel (1.60€) pro Tag für jedes Gigabyte, das über die erlaubten 15 hinausgeht.

Es ist davon auszugehen, dass „Gutscheine für ausländisches Internet“ künftig reduziert werden und ihr Preis steigen wird. Sollte das Worst-Case-Szenario eintreten, würde dies die Nutzung des externen mobilen Internets in Verbindung mit einem VPN für die Mehrheit der Bürger des Landes unerschwinglich teuer machen.

Und als Nächstes wird das Festnetz an der Reihe sein.»

https://t.me/milinfolive/169536; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1495-28-3-2026-9uhr/;

DÜSTERE AUSSICHTEN

Die ukrainische Plattform «Exilenova Plus» berichtet, dass der Ölexporthafen Ust-Luga in dieser Nacht ein weiteres Mal angegriffen wurde und sich die Zielgenauigkeit der Marschflugkörper «FP5 – Flamingo» verbessert hat. Die gewöhnlich für reine Faktenvermittlung bekannte Plattform wagt in einem kleinen Text eine düstere Prognose für Russland. «Exilenova Plus» schreibt über den neuen russischen Alltag:

«Allmählich werden die Russen an ein „geduldiges“ Leben gewöhnt, nicht nur ohne Internet, ohne Rechte und unter Bedingungen von Diktatur und totalen Einschränkungen, sondern auch unter regelmässigen Angriffen und deren Folgen von Seiten der Streitkräfte der Ukraine.

Je länger der Krieg dauert, desto schmerzhafter wird er für den russischen Verteidigungs- und Wirtschaftssektor. Nicht für die normalen Russen – an ihnen liegt es nicht. Sie haben ihr ganzes Leben lang alles ertragen und werden es auch weiterhin ertragen.

Und die Ballistik wird auch bald hinzukommen.» https://t.me/exilenova_plus/18235

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