#UKRAINE AKTUELL Nr. 1493 (26.3.2026 / 8Uhr)

  • Kritik an Ungarns EU-Verrat
  • Russland ist nicht mehr sicher
  • Warum die Ukraine angreift
  • Minus 40% beim Öl-Export
  • Iranangriff rettete Putins Krieg

IRAN-EXTRA auf www. aldrovandi. net

UNGARNS EU VERRAT

Am Wochenende wurde bekannt, dass der ungarische Aussenminister Péter Szijjártó den russischen Aussenminister Sergej Lawrow jeweils telefonisch direkt aus laufenden EU-Verhandlungen informiert habe. Dies sei schon seit Jahren so und innerhalb der EU auch seit längerem vermutet worden.

Gegenüber Journalisten gab Szijjártó zu, dass er seit Jahren eine privilegierte Beziehung zum russischen Aussenminister Sergej Lawrow hat und diese sei auch von anderen westlichen Politikern genutzt worden. Im Weiteren ärgerte sich Szijjártó darüber, dass ein ungarischer Journalist den Telefonverkehr von ihm mit Sergei Lawrow «abgehört» und diese Ergebnisse westlichen Geheimdiensten und der Öffentlichkeit gegenüber bekannt gemacht habe.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk bezog in einer Regierungserklärung Stellung zum gemeldeten ungarischen Verrat: «Orbán hat 90 Milliarden Euro an lebenswichtiger Hilfe für die Ukraine blockiert. Seine engsten Vertrauten arbeiten mit russischen Behörden zusammen und geben sensible Informationen aus europäischen Treffen weiter. Es liegt nicht im Interesse Polens, Orbán bei seinen pro-russischen und anti-europäischen Bestrebungen zu unterstützen.»

Der ungarische Oppositionsführer Péter Magyar erklärte, dass der «inoffizielle Kommunikationskanal» zwischen Budapest und Moskau als Landesverrat anzusehen sei. Eine neue Regierung unter seiner Führung würde den Fall untersuchen. Im Falle einer Verurteilung droht den beteiligten Personen, wegen Landesverrats eine lebenslange Haftstrafe.

(Interview: https://x.com/i/status/2036478329398960362); https://x.com/bohuslavskakate/status/2036499089093767306; https://www.youtube.com/live/m4mVcUReR6Y; https://t.me/Budapest_1956/71

RUSSLAND IST NICHT MEHR SICHER

Die Ukraine ist nicht mehr nur Angriffsziel, sondern baut ihre «aktive Verteidigung» aus. Der ukrainische Journalist Anton Gerashchenko zeigt auf, was sich in den letzten Monaten verändert hat:

«Die Ukraine dehnt den Krieg gegen Russland auf russisches Territorium aus. Die russische Heimatfront ist nicht mehr sicher. Was der Kreml seinem Volk jahrelang als „fernen Krieg“ verkauft hat, kehrt langsam, methodisch und ganz konkret nach Hause zurück.

Ausmass: In den letzten 90 Tagen hat Russland mehr als 6’000 Angriffsdrohnen gegen die Ukraine eingesetzt. Doch die Ukraine spielt nicht mehr die Rolle eines passiven Ziels. Im gleichen Zeitraum hat sie etwa 1’200 bis 1’300 Angriffsdrohnen gegen russisches Territorium eingesetzt (laut russischen Berichten). Dies sind keine symbolischen Gesten mehr, sondern eine systematische Kampagne. Die Ukraine hat begonnen, nicht nur Russland zu erreichen, sondern dessen Gefühl der Unantastbarkeit zu erschüttern.

Tiefe: Das russische Hinterland spürt den Krieg nicht mehr nur entlang der Grenze. Belgorod, Kursk und Brjansk stehen unter ständigem Druck. Doch die Angriffe reichen nun weiter: in die Region Moskau, die Region Leningrad, auf Hafeninfrastruktur sowie auf weiter entfernte Energie- und Logistikanlagen. Nun beginnt der Krieg, den der Kreml als Export von Gewalt nach außen konzipiert hat, Russlands eigenes Territorium mit hineinzuziehen.

Kontrast: Russland greift Zivilisten an. Die Ukraine greift die Kriegsmaschinerie an. Russische Drohnen werden in grossem Umfang gegen ukrainische Energieanlagen, Städte und zivile Infrastruktur eingesetzt. Ukrainische Drohnen zielen auf das ab, was Russland die Ressourcen liefert, um seine Aggression fortzusetzen. Dies verdeutlicht den Unterschied in der Logik: Die eine Seite versucht, die Gesellschaft in Dunkelheit zu stürzen. Die andere versucht, die Kriegsmaschinerie zu stoppen.

Wirkung: Was das Ausmass der Zerstörung angeht, fügt Russland der Ukraine derzeit weitaus grösseren Schaden zu. Doch die ukrainischen Angriffe besitzen asymmetrische und politische Macht. Ein einziger erfolgreicher Angriff auf eine Ölraffinerie oder einen Terminal könnte Russland mehr kosten als die Dutzenden von „abgeschossenen“ Drohnen, über die in den täglichen Lageberichten berichtet wird. Doch das Schlimmste für den Kreml sind nicht die Brände selbst, sondern die Entlarvung der Hauptlüge, dass Russland die Ukraine ungestraft verwüsten kann, während es in einem komfortablen Hinterland lebt, wo der Krieg nur auf dem Fernsehbildschirm existiert.

Realität: Tatsächlich verfügen wird über keine vollständigen Daten beider Seiten. Einige der Angriffe und ihre Folgen bleiben unbekannt. Doch selbst die bestätigten Zahlen, die uns vorliegen, zeigen eines: Die Angriffskampagne der Ukraine gegen Russland hat an Zerstörungskraft gewonnen.» https://twitter.com/gerashchenko_en/status/2036855990297956698

WARUM DIE UKRAINE ANGREIFT

Boris Akunin wurde in den 1990er-Jahren zum populärsten Krimi-Schriftsteller in Russland und lebt seit Jahren in London. Als Kritiker des faschistischen Regimes von Putin wurde er am 14. Juli 2025 vor einem Moskauer Gericht in Abwesenheit wegen angeblicher Terrorismusunterstützung zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Boris Akunin wurde in einem Interview gefragt, ob es ethisch richtig sei, dass die ukrainische Armee russisches Gebiet angreife. Seine Antwort:

«Wenn die Russen mit den Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf Ziele auf dem Territorium der Russischen Föderation unzufrieden sind, müssen sie sich mit ihrer Unzufriedenheit an ihre eigene Regierung wenden. Und diese Unzufriedenheit gegen ihre eigene Regierung richten.

Denn es war die russische Regierung, die den Krieg entfesselt hat.

Auf Befehl der russischen Regierung ist die russische Armee in ein souveränes Land eingedrungen.

Vor dieser Invasion hat die Ukraine keine Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation durchgeführt.

Ohne diese Invasion würde die Ukraine sie auch heute nicht durchführen.

Das ist sonnenklar, da gibt es nichts zu diskutieren, Punkt.» https://t.me/Crimeanwind/95969

MINUS 40% ÖLEXPORT

40 % der russischen Ölexportkapazitäten sind ausser Betrieb; das entspricht rund 2 Millionen Barrel pro Tag. Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters ist dies die schwerste Unterbrechung der Ölversorgung in der jüngeren russischen Geschichte.

Die Ukraine hat in diesem Monat alle drei grossen westlichen Ölexporthäfen Russlands angegriffen. Zwei Ostseehäfen haben ihre Verladungen eingestellt, nachdem Drohnenangriffe Brände ausgelöst hatten; einer davon brennt seit Tagen, wobei der Rauch bis nach Finnland zu sehen ist.

Die Häfen Primorsk und Ust-Luga an der Ostsee stellten am 25. März die Verladung von Rohöl und Erdölprodukten ein, nachdem massive Drohnenangriffe Brände ausgelöst hatten. Die beiden Verladestationen plus der Hafen von Wyborg waren zwischen Sonntag und Dienstag dieser Woche angegriffen worden.

Auch der Hafen Novorossiysk am Schwarzen Meer – er verlädt gewöhnlich 700’000 Barrel pro Tag – verzeichnet seit den Angriffen von Anfang März eine Verlademenge unterhalb der Kapazitätsgrenze. Eine beschädigte Pipeline und ausgebrannte Tanker verschärfen den Schaden in diesem Hafen.

Öl und Gas finanzieren etwa ein Viertel des russischen Staatshaushalts. Die Unterbrechung trifft Moskau zu einem Zeitpunkt, an dem die Ölpreise angesichts des Iran-Konflikts die 100-Dollar-Marke pro Barrel überschreiten.

https://www.reuters.com/business/energy/least-40-russias-oil-export-capacity-halted-reuters-calculations-show-2026-03-25/; https://x.com/euromaidanpress/status/2036897916942491928 ; https://x.com/kylejglen/status/2036722997592007138

PUTIN WAR FAST BEREIT

Die «New York Times» berichtet, dass Putin im Februar dieses Jahres bereit gewesen sei, ernsthafte Friedensverhandlungen zu beginnen und die bisherige Verhandlungsführung auszutauschen. Ausschlaggebend dafür sei die sich dramatisch verschärfende Wirtschaftskrise gewesen.

Kirill Dmitriev, der Chefunterhändler des Kremls, der «weithin als unbedeutende Figur ohne echtes Mandat angesehen wird», stand kurz vor der Entlassung. Der aussichtsreichste Kandidat für seine Nachfolge war Igor Setschin, der Chef des staatlichen Ölgiganten Rosneft. Auch eine Regierungsumbildung, unter anderem durch die Entlassung des Ministerpräsidenten Michail Mischustin, stand bevor.

Doch der Angriff der USA und Israels auf den Iran habe Putin in seinem bisherigen Kriegskurs bestätigt.

Angesichts steigender Ölpreise sei der Kremlherrscher nicht mehr zu Kompromissen bereit gewesen. Die Zeitung schreibt: «Mit einem Schlag waren die Voraussetzungen für eine Einigung zunichte gemacht. Angesichts steigender Ölpreise, westlicher Uneinigkeit und amerikanischer Überheblichkeit liess der Druck auf Putin nach, sich zu einigen.»

Die NYT schreibt: «Durch eine seltsame Wendung der Geschichte stoppte der Ausbruch des Krieges im Iran die Aussicht auf ein Ende des Krieges in der Ukraine – genau in dem Moment, als Putin bereit schien, dies in Betracht zu ziehen.» https://www.nytimes.com/2026/03/25/opinion/russia-putin-iran-war.html

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