- Erfolge der ukrainischen Armee
- «Es gibt keine Pattsituation»
- Brennpunkt Hulyaypole im Süden
- Russische Waffenbunker als Ziel
- Wieder ein massiver Nachtangriff
- Blick in Russlands Folterarmee
- Die Brutalität russischer Soldaten
- Demonstrationen für die Ukraine
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«KEINE PATTSITUATION»
In den letzten zwei Wochen hat die ukrainische Armee rund 300 Quadratkilometer des eigenen Territoriums zurückerobert und damit die Fortschritte der russischen Armee in den letzten sechs Monaten neutralisiert. Insbesondere wurde die Kontrolle in mehreren Siedlungen entlang der Grenze zwischen den Regionen Saporischschja und Dnipropetrovsk wiederhergestellt. Diese Angaben des ukrainischen Generalstabs wurden von russischen Militärbloggern teilweise bestätigt.
Gleichzeitig ist die Anzahl der russischen Verluste durch Tod und Verwundung grösser als die Zahl der neu mobilisierten Soldaten. In den letzten vier Jahren verlor die russische Seite 1,26 Millionen an kampffähigen Personen.
In einem Interview sagte Oleksandr Syrskyj, Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, dass die russische Armee im letzten Jahr 406’000 neue Soldaten mobilisiert, aber gleichzeitig 418’000 Soldaten verloren hat. Damit sei der Krieg «nicht in einer Pattsituation angelangt». Zu seinem eigenen Auftrag sagte Syrskyj: «Bis zum Abschluss der Verhandlungen ist es meine Aufgabe auf dem Schlachtfeld, ein tiefes Vordringen der Russischen Föderation in unsere Verteidigungsstellungen zu verhindern und, wenn möglich, unser Territorium zu befreien.“ https://x.com/front_ukrainian/status/2025301919950930121

BRENNPUNKT HULYAYPOLE
Nachdem die ukrainische Armee mit einem Vorstoss Gebiete bei der südukrainischen Stadt Hulyaypole zurückerobert hat, versucht die russische Armee ihre alten Positionen wieder zu erlangen. Gemäss dem ukrainischen Generalstab gelingt ihr das nicht. Der US-Militärbeobachter Chuck Pfarrer hat die Situation vom 21. Februar in einer KARTE dargestellt.
Am Samstag gab es 31 Angriffe der russischen Armee in der Nähe von Hulyaypole, Dobropillia, Mirne, Pryluky, Staroukrainka, Zagirne und Zaliznychne. Dabei handelt es sich um «umfassende Infanterieangriffe» und um das versuchte Eindringen von kleinen russischen Sabotage- und Aufklärungsgruppen. Insgesamt erzielte die Armee des Angreifers keine Durchbrüche. https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua

VIEL ARBEIT FÜR FLAMINGOS
Satellitenaufnahmen aus der russischen Region Kotluban zeigen, über welche Lagerkapazitäten die russische Armee verfügt. Zu sehen sind rund 70 Bunker mit je einer Innengrösse von 30 x 40 Metern, was einer Grösse von 1’200 Quadratmetern entspricht. In jedem dieser Bunker haben 38 Seecontainer Platz, die als «40-Fuss-Container» bezeichnet werden, mit den Massen 12 × 2,3 × 2,3 Metern. Dies sind die üblichen Container zum Transport von nordkoreanischen oder iranischen Waffen, Drohnen, Raketen oder Munition.
Die meisten Bunkeranlagen wurden in den letzten fünf Jahren gebaut und sind mit Erdwällen geschützt. Sie sind das bevorzugte Ziel ukrainischer Flamingo-Marschflugkörper. An diesem Freitag gelang es einem der Flamingo-Marschflugkörper drei dieser rund 70 Bunker zu zerstören. https://t.me/kiber_boroshno/12578 ; https://t.me/exilenova_plus/16606

MASSIVER NACHTANGRIFF
In der Nacht auf Sonntag gab es einen massiven Raketen- und Drohnenangriff Russlands auf die Ukraine: Hauptziele des Angriffs waren Kyjv und die Energieversorgung, aber auch andere Regionen waren betroffen. Zum Einsatz kamen iranisch-russische Drohnen, Ballistik-Raketen und solche, die von strategischen Bombern abgefeuert wurden. Ebenfalls zum Einsatz kamen «Kinzhal»-Hyperschallraketen.
➡️Kyjv und Umgebung: Brände und Zerstörungen von Privathäusern. Angriff auf das Tripol-Heizkraftwerk. Eine Frau und ein Kind wurden verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert.
➡️Dnipropetrovsk: Fast 20 Angriffe mit Artillerie und Drohnen. Beschädigte Autos, ein brennendes Privathaus, ein weiteres Wohnhaus und Garagen. Zwei Menschen wurden verletzt.
➡️Odessa: Drohnenangriffe auf Objekte der Energieinfrastruktur und anschliessende Grossbrände.
➡️ Sumy: Angriff auf ein ziviles Produktionsobjekt des amerikanischen Unternehmens Mondelez in Trostjanets.
➡️Mykolajiw: Beschädigt wurden Verkehrsinfrastruktur, ein Privathaus und eine Hochspannungsleitung. Es gab keine Verletzten.
➡️ Ausserdem wurde von Explosionen in Kropyvnyzkyj, Kremenchuk und Poltava berichtet.

RUSSLANDS FOLTER-ARMEE
Selbst russische Blogger veröffentlichen vermehrt Videos, in denen zu sehen ist, wie russische Soldaten gefoltert werden. Die letzten Aufnahmen zeigen eine zynisch genannte «Ruhmeshalle der Speziellen Militäroperation – SMO». Die halbnackt an Bäumen festgebundenen Soldaten sollen versucht haben, vom Schlachtfeld zu fliehen.
Die Systematik der menschenverachtenden Behandlung in der russischen Armee benannte auch Denis Kolesnikov, Unteroffizier des 1435. Regiments der russischen Armee, der zu der ukrainischen Seite übergelaufen war. Er beschrieb das Ausmass der Verbrechen und der Gesetzeslosigkeit in der Kriegszone in einem Video. Laut Kolesnikov hat sich die russische Armee in eine Bande verwandelt, in der Soldaten hingerichtet werden und Waffenhandel und Erpressung an der Tagesordnung sind.
Hier einige Zitate aus dem Video:
- «Über die Hälfte unserer Truppe, etwa 50 Personen, wurden von Kommandanten hingerichtet. Jeder muss zuvor den Kommandanten Geld zahlen.»
- «Wenn wir uns aufstellen, wird jedem gesagt, wie viel er schuldet. Jeder musste zwischen 1 und 3 Millionen Rubel zahlen. Das ist der Preis dafür, nicht an die Kontaktlinie geschickt zu werden. Sobald das Geld aufgebraucht ist, werden sie dorthin geschickt oder getötet.»
- «Wer nicht zahlt, wird nicht gebraucht, an die Front gebracht und getötet. Ich habe persönlich miterlebt, wie mehrere Menschen getötet wurden.»
- «Waffen werden ständig von der Frontlinie weggenommen. Ich weiss nicht, wohin sie gebracht werden und warum.»
- «Sie wollten mich hinrichten, verlangten 3 Millionen Rubel, brachten mich in die Stadt Rostow, ich ging zum Geldautomaten und floh.»
Anton Gerashchenko, Journalist und Berater der ukrainischen Regierung schreibt: «Wenn die Russen das mit ihren eigenen Soldaten machen, stellen Sie sich vor, was sie mit Kriegsgefangenen und Menschen in den besetzten ukrainischen Gebieten machen.»
https://x.com/i/status/2023065318105719119; https://x.com/Gerashchenko_en/status/2023109806068809960

BRUTALITÄT ALS SELBSTZWECK
«Für Russen ist performative Grausamkeit ein Kriegsinstrument», erklärte der britische Historiker Antony Beevor gegenüber «The Telegraph». Russlands Vorgehen in der Ukraine sei keine Anomalie, sondern die Fortsetzung einer mehrere Jahrhunderte alten, besonders brutalen Militärkultur, die der Westen lange ignoriert habe.
Gemäss Beevor wird der russische Soldat in einem System der Gewalt geformt. In den 1990er Jahren nahmen sich jedes Jahr 5’000 Wehrpflichtige das Leben. Die Generäle hätten darüber gelacht. Kürzlich habe ein Kommandant neuen Rekruten befohlen, ihre eigenen Gräber zu schaufeln, weil «sie diese bald brauchen werden».
Beevor führt aus, dass so der «Ketteneffekt des Missbrauchs» funktioniere. Diejenigen, die vom System brutalisiert wurden, brutalisieren andere. 1945 waren die Opfer polnische, ungarische und deutsche Frauen. In Berlin vergewaltigten sie sogar erschöpfte KZ-Häftlinge. Heute sind es ukrainische Frauen.
Die russische Logik sei einfach: «Der Sieger wird niemals verurteilt.» Das Konzept der Legitimität im Krieg existiert in der russischen Armee einfach nicht.
Beevor zieht eine historische Parallele: Die Grausamkeiten im ukrainischen Butscha begannen, als Russlands Blitzkrieg scheiterte. So wie bei den Nazis 1942, als sie erkannten, dass sie die UdSSR nicht besiegen würden. Ein frustrierter Besatzer wird immer brutaler.
Nach dem Krieg werden Hunderttausende gebrochene, traumatisierte und kriminalisierte russische Soldaten – darunter ehemalige Sträflinge aus «Strafbataillonen» – nach Hause zurückkehren, prognostiziert Beevor. Selbst jetzt werden neue Verbrechen dokumentiert, begangen von den «Helden der besonderen Militäroperation», die für ihren Dienst Amnestie erhielten.
Beevor sagt, Putin werde jeden Waffenstillstand brechen und die Ukraine und Europa dafür verantwortlich machen – und Trump werde ihn dabei unterstützen. Ein echter Frieden sei höchst unwahrscheinlich. Der Historiker mahnt: Genau wie nach dem Ersten Weltkrieg, als Grossbritannien und Frankreich nicht glauben konnten, dass jemand einen weiteren Krieg beginnen würde – und deshalb Hitler unterschätzten –, tritt die Welt heute wieder in genau dieselbe Falle. https://x.com/rshereme/status/1996356431235129623

DEMOS FÜR DIE UKRAINE
📍In Berlin finden ein Marsch und eine Demonstration am 24. Februar statt. Marsch 18:00–19:00 Uhr, Route: Lustgarten → Brandenburger Tor. Demonstration: 19:00–20:00 Uhr Brandenburger Tor.
📍 Am 24. Februar um 19:00 Uhr, Kundgebung auf dem Roncalliplatz in Köln.
📍 In Oberhausen gibt es am 24. Februar um 18 Uhr eine Kundgebung auf dem Saporischschja-Platz mit Ansprache von Bürgermeister Werner Nakot.
📍In Olten am 24. Februar um 18:30 Solidarität mit der Ukraine in der Stadtkirche.
📍In Stuttgart findet am 24. Februar am späten Nachmittag ein Marsch für die Ukraine durch die Innenstadt statt.
📍In Weinfelden (Schweiz) treffen sich am 24. Februar um 18 Uhr Unterstützer der Ukraine in der Evangelischen Kirche.
📍In Zürich gibt es am 24. Februar um 18 Uhr eine Demonstration vom Helvetiaplatz bis zum Bürkliplatz mit anschliessender Kundgebung.
📍In Bern findet am 28. Februar um 14 Uhr eine Demonstration von der Schützenmatte zum Bundesplatz statt, mit anschliessender Kundgebung.



