- Russische Armee tötete Familie
- Drohne greift Sanitätsauto an
- Kreml blockiert Facebook&Co
- «Telegram»-Blockade schadet
- Russische Krise verschärft sich
- Wie Ukrainer täglich überleben
- IOC verbietet Ukraine Botschaft
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FÜNF TOTE ZIVILISTEN
Ein russischer Angriff auf ein Wohnhaus im Dorf Bohodukhiv (Region Kharkiv) forderte vier Tote und zwei Schwerverletzte. Getötet wurden zwei einjährige Zwillinge, ihre zweijährige Schwester und deren gemeinsamer Vater. Der Vater war ein Kriegsveteran, welcher im Kampf gegen Russland ein Bein verloren hatte. Die Mutter ist im 35. Schwangerschaftsmonat und liegt mit einer Explosionsverletzung, einem Schädel-Hirn-Trauma und Verbrennungen im Krankenhaus, ebenso wie die Grossmutter der Familie. Die Ärzte kämpfen um die Leben der beiden Frauen.
Die Familie war erst ein paar Tage zuvor aus einem gefährlichen frontnahen Dorf evakuiert worden. https://x.com/maria_avdv/status/2021556383909626241; https://t.me/u_now/190393; Video: https://x.com/i/status/2021488098513649943

Ebenfalls in der Region Kharkiv griff eine russische Drohne ein Sanitär-Auto an. Dabei kam eine Frau ums Leben und die anderen drei Insassen wurden verletzt. Das Fahrzeug bewegte sich auf der M-03-Strasse in der Nähe des Dorfes Brigadirivka im Izjum-Bezirk, als es von einer feindlichen Drohne angegriffen wurde und danach ausbrannte. https://t.me/u_now/190443

RUSSLAND IM DIGITALEN DUNKELN
Russlands Regime hat diese Woche fünf beliebte elektronische Dienste für die Bevölkerung komplette blockiert oder stark reduziert.
Seit Montagmorgen ist der in Russland stark genutzte Messanger-Dienst TELEGRAM in einigen Regionen gar nicht mehr oder nur noch sehr verlangsamt erreichbar. Dies hat auch Konsequenzen für die Kommunikation an der Kriegsfront in der Ukraine. (Siehe Text: «Kritik an Telegram-Blockade»)
Seit Dienstag ist die Videoplattform YouTube in Russland nicht mehr erreichbar. Die staatliche Kommunikationsbehörde «Roskomnadzor» hat diese Website aus dem DNS-Service von NSDII — dem Nationalen Domainnamensystem — entfernt.
Dasselbe gilt seit Mittwoch-Nachmittag für den Messaging-Dienst WhatsApp, sowie für Facebook und Instagram. Die Domain des Dienstes wurde aus dem DNS von Roskomnadzor entfernt.
Wenn russische Nutzer die fünf Dienste weiterhin nutzen, um sich so zu informieren und auszutauschen, dann müssen sie sogenannte VPN-Dienste (Virtual Private Network) nutzen. Allerding ist die Nutzung von VPN in Russland unter Strafe gestellt.
https://x.com/visegrad24/status/2021619039936614452; https://t.me/u_now/190453;

KRITIK AN TELEGRAM-BLOCKADE
Seit «Telegram» in Russland nur noch eingeschränkt nutzbar ist, protestieren russische Militärblogger. Sie schreiben, dass russische Soldaten überwiegend Telegram für die taktische Kommunikation bevorzugen, obwohl es auch staatliche militärische Kommunikationssysteme gibt. Der Grund dafür ist einfach: Die Alternativen des Militärs sind unzuverlässig, schwierig zu bedienen und müssen von den Soldaten gekauft werden.
Der Militärblogger «Bunker Nr. 8» schreibt: «Starlinks funktionieren nicht, Telegram soll verlangsamt werden. All dies hat sich bereits äusserst negativ auf die Kommunikation innerhalb der Truppen ausgewirkt.»
Andrej Kartapolow, der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma («Parlament» der russischen Föderation), erklärte demgegenüber, dass die Verlangsamung von Telegram das russische Militär nicht beeinträchtigen, da der Dienst in Kampfeinsätzen nur minimal genutzt werde.
Zu Wort gemeldet hat sich auch der Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow. Er sagte, eine Verlangsamung von Telegram könne die Informationsversorgung der Bevölkerung beeinträchtigen, falls sich die Lage verschärfe. Er erklärte, sein Telegram-Kanal sei die wichtigste Quelle für Sicherheitswarnungen.
https://x.com/ChrisO_wiki/status/2021642277685535126; https://t.me/vault8pro/53761; https://x.com/NOELreports/status/2021591956850135099/photo/1

RUSSISCHE INLAND-PROBLEME
Artur Rehi aus Estland hat für sein Portal «Russia War» wesentliche Informationen zur Lage der russischen Wirtschaft zusammengetragen – hier von mir etwas gekürzt:
«Die unangenehmsten Prognosen für die russische Wirtschaft beginnen sich zu bewahrheiten. Was Analysten vor einem Jahr noch vorsichtig andeuteten, wird nun auch von den regierungsfreundlichsten russischen Ökonomen offen diskutiert.
Während Putin von „Stabilität” und „Wachstum” spricht, zeigt die Realität, dass ein Land, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hat, sein eigenes Finanzsystem systematisch zerstört. Nach Schätzungen des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) belaufen sich die tatsächlichen Militärausgaben Russlands auf rund 10 % des BIP und fast die Hälfte des Bundeshaushalts.
Diese Zahl ist so hoch, weil die realen Ausgaben aufgrund versteckter Haushaltsposten, Bauprojekten des Verteidigungsministeriums, militärischer IT-Infrastruktur und Sozialleistungen für Soldaten um 66 % über den offiziell angegebenen Zahlen liegen. Einfach ausgedrückt wird so viel Geld in den Krieg gesteckt, dass dies durch Buchhaltungstricks nicht mehr zu verbergen ist.
Vor diesem Hintergrund beginnt der Bankensektor zu bröckeln. Der Anteil notleidender Kredite im Privatkundenportfolio liegt bei über 13 %, im Firmenkundenbereich bei rund 11,5 % und im Segment der kleinen und mittleren Unternehmen bei fast 19 %. Dies sind keine „vorübergehenden Schwierigkeiten” mehr, sondern ein systemisches Signal.
Banken restrukturieren zunehmend Schulden, verlängern Zahlungsrückstände und kehren toxische Vermögenswerte unter den Teppich. Formal gibt es noch keine Krise – niemand stürmt die Geldautomaten. Aber die klassischen Symptome sind bereits sichtbar.
Besonders betroffen ist der Bausektor. Dort hatte man jahrelang von subventionierten Hypotheken und billigem Geld profitiert. Doch jetzt sinken die Umsätze, die Zinsen sind hoch und die Schuldenlast ist übermässig hoch.
Die Ironie dabei ist, dass der Immobilienmarkt eine Zeit lang eine Art Boom erlebt hat, da Wohnungen aktiv von Soldaten oder deren Familien gekauft wurden, die hohe Zahlungen für Verträge, Verletzungen oder Todesfälle erhielten. Eine ganze Reihe von frischgebackenen „Millionären” stützte die Nachfrage. Aber dieser Strom ist weitgehend versiegt, und die Zahlungen für den Militärdienst gegen die Ukraine werden zunehmend gekürzt oder verzögert.
Russlands grösstes Bauunternehmen «Samolet» baute im Jahr 2025 4,5 Millionen Quadratmeter, was etwa 10 % des gesamten nationalen Bauvolumens entspricht. Nur 1,5 Millionen Quadratmeter wurden in Betrieb genommen, was bedeutet, dass nur etwa ein Drittel der Wohnungen Käufer fanden.
Nun wird «Samolet» Systembedrohend: Das Unternehmen signalisierte öffentlich Schwierigkeiten mit seiner Schuldenlast und die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung. Es warnte, dass sein Zusammenbruch den gesamten Markt und die Banken mit sich reissen würde. Dennoch folgte bisher keine gross angelegte staatliche Rettungsaktion.
Ein Staat, der Krieg führt, muss seine Ausgaben finanzieren und das tat die russische Regierung mit der massiven Mehrwertsteuererhöhung am 1. Januar 2026. Damit erhielten die Unternehmen eine bequeme Erklärung für massive Preisanpassungen: Unter dem Vorwand der „Steuerlast” berücksichtigen Unternehmen nicht nur reale Kostensteigerungen, sondern auch den kumulierten Inflationsüberhang. Infolgedessen wird fast alles teurer – auch Waren, die gar nicht der höheren Mehrwertsteuer unterliegen.
Formal ist die Steuer schuld, in Wirklichkeit ist es die Geldmenge, die durch Militärausgaben überhitzt ist. Dies führt dazu, dass ein Staat, der unter dem Motto „Größe” einen Krieg begonnen hat, allmählich einer einfachen finanziellen Erschöpfung entgegengeht.
Wenn die Hälfte des Budgets für militärische Zwecke verwendet wird und notleidende Kredite zweistellige Wachstumsraten aufweisen, wird die Zeit knapp. Selbst regierungsfreundliche Ökonomen geben Putin jetzt höchstens noch drei bis vier Monate, danach muss er sehr schwierige Entscheidungen bezüglich der „besonderen Militäroperation” treffen.
Im Wesentlichen bleiben ihm nur zwei Optionen: Entweder den Krieg beenden oder eine vollständige Mobilisierung der Bevölkerung und der Wirtschaft für die Kriegsanstrengungen durchführen. Aber jede dieser Optionen führt letztendlich zum vollständigen Zusammenbruch des russischen Systems.» https://x.com/arturrehi/status/202080719783220883

TÄGLICHE SICHERHEITSREGELN
Das ukrainische Innenministerium befürchtet in den nächsten 48 Stunden weitere heftige Luftwaffen-Angriffe Russlands auf die Zivilbevölkerung. Der Bevölkerung wurden folgende Empfehlungen verteilt:
«Der Feind schlägt gezielt zu, um uns ohne Licht, Wärme und Wasser zu lassen — die Ukrainer müssen auf eine mögliche Verschlechterung der Situation vorbereitet sein und sich um die notwendigen Vorräte zu Hause kümmern. Zunächst:
➡️ Trink- und technisches Wasser für jedes Familienmitglied (3 l Trinkwasser und 11–12 l technisches Wasser pro Tag), haltbare Lebensmittel, Medikamente.
➡️ Notfallkoffer mit Dokumenten, Körperpflegemitteln, warmer Kleidung, Erste-Hilfe-Set, Heizgeräten und ausreichend Bargeld.
➡️ Sorge um Kinder: Erklären Sie ihnen die Sicherheitsregeln und achten Sie darauf, dass sie sie befolgen, und kümmern Sie sich auch um Haustiere — sorgen Sie für Wasser und Futter für sie.
➡️ Bereitschaft für verstärkte Sicherheitsmassnahmen: Achten Sie auf die Meldungen der Behörden, halten Sie Geräte und alternative Stromquellen aufgeladen, begrenzen Sie Aufenthalte im Freien ohne dringende Notwendigkeit, insbesondere bei Dunkelheit.» https://t.me/u_now/190431

IOC VERBIETET UKRAINE-BOTSCHAFT
Das Internationale Olympische Komitee hat der Freestyle-Skifahrerin aus der Ukraine, Kateryna Kotsar, verboten, einen Helm mit der Aufschrift «Be Brave like Ukrainians» («Seid mutig wie die Ukrainer») bei den Olympischen Spielen zu tragen
Die Sportlerin unterstützte damit Wladyslaw Geraskewitsch, dem bei den Olympischen Spielen der Helm mit Bildern von im Krieg gefallenen ukrainischen Olympioniken verboten wurde.
Trotz des Verbots trat Geraskewitsch am Dienstag in diesem Helm zum Training an. Sein erster Start bei den Spielen findet am Donnerstag statt.



