Der Franzose François Godement vom «Institut Montaigne » in Paris gilt als einer der anerkanntesten Fachleute des Westens zu China. Um es vorwegzunehmen: Am Schluss seines langen Artikels über die Vorgänge in der Partei- und Militärspitze Chinas schreibt er: «Wir wissen es nicht.»
Zuvor macht Godement eine lesenswerte Auslegung:
- Der oberste Parteiführer Chinas – Xi Jinping – kämpft gegen Korruption und für die Vorherrschaft der Partei gegenüber dem Militär.
- Nach der Verhaftung von Zhang Youxia, oberster General der chinesischen Volksarmee und die Nummer 2 hinter Xi und des Generals Liu Zhenli bleibt neben Xi Jinping nur noch eine Person im Zentralen Militärrates Chinas (CMC) übrig: General Zhang Shengmin, der von Xi Jinping als «Aufpasser» in der Armee und in der Partei installiert wurde. Im Zentralrat ist Zhang Shengmin für «Inspektion und Disziplin» zuständig und in der Kommunistischen Partei Chinas Mitglied der «obersten Zentralen Disziplinarkommission».
- Nach den Verhaftungen von fünf der sieben Mitglieder im Zentralen Militärrats bleiben nur noch Xi Jingping und Zhang Shengmin übrig. Damit ist die Herrschaft der Partei über die Armee wieder gesichert. Dieser Vorgang sei vergleichbar mit der ersten Phase der chinesischen «Kulturrevolution» durch Mao Zedong 1966, als der Zentrale Militärrat ebenfalls an Bedeutung verlor.
- Die Verhaftung von Zhang Youxia und Liu Zhenli wurde in den kommunistischen Medien Chinas so begründet: Sie hätten «das Verantwortungssystem des Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission ernsthaft mit Füssen getreten und untergraben, politische UND (Hervorhebung durch den Autor) Korruptionsprobleme, die die absolute Führung der Partei über das Militär schwächen, stark gefördert und verschärft». Dies sei ein Hinweis darauf, dass die politische, wie die militärische Führung durch die Partei wiederhergestellt worden sei.
Für die Ausland verbreiteten Versionen eines bewaffneten Aufstands und eines Putschversuchs in Beijing hat François Godement nicht viel übrig. Er schreib, dass solche Berichte von «Falun Gong produziert werden, jener Sekte, die nie gezögert hat, Fakten zu verdrehen, um sie ihren eigenen politischen Grundsätzen anzupassen. Wir sollten uns damit nicht zu lange aufhalten, da buchstäblich keine der vielen Behauptungen durch Fakten gestützt wird.»
Auch für die Behauptung des «Wall Street Journals», dass Zhang Youxia wegen des Verrats von «Atomgeheimnissen an die USA» verhaftet worden sei, sieht Godement keine Hinweise: «Zhangs wenige Auslandsreisen als stellvertretender Vorsitzender der CMC führten nur nach Russland, Pakistan und Venezuela. Während seiner gesamten Amtszeit traf er nur einen einzigen US-Beamten, und zwar offiziell: Jake Sullivan, den ehemaligen NSC-Berater im Jahr 2024 in Peking.» Es sei «unwahrscheinlich – aber natürlich nicht unmöglich, dass China und die Vereinigten Staaten einige nukleare Details ausgetauscht hätten, um Vertrauen aufzubauen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass selbst Zhang dies unabhängig hätte tun können.» https://www.institutmontaigne.org/en/expressions/purge-zhang-youxia-reading-chinas-army-party-relations-through-tea-leaves



