AUFSTAND IM IRAN – TAG 17

Das Blutbad der iranischen Führung verstärkt sich.
Die Demonstrationen gehen trotzdem weiter.
Hilfe von aussen ist nicht in Sicht.

STEIGENDE TODESZAHLEN

Gemäss den Demonstranten haben in den letzten zwei Tagen die Tötungen durch Milizen und uniformierte Mitglieder des Staates zugenommen. Die Schätzungen schwanken zwischen mindestens 600 Toten und mehreren Tausend Toten. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl Verletzter.

Die als zuverlässig geltende und in den USA ansässige HRANA (Human Rights Activists News Agency) schreibt in ihrem letzten Report: «Nach den neuesten Daten von HRANA wurden 544 Todesfälle während der Proteste bestätigt, Dutzende weitere Fälle werden noch geprüft. Mehr als 10’681 Personen wurden nach ihrer Festnahme in Gefängnisse überführt. Die Proteste fanden an 585 Orten im ganzen Land statt, in 186 Städten, verteilt auf alle 31 Provinzen.»

Möglicherweise ist die Zahl erheblich grösser: Gestern veröffentlichte Videos vom Donnerstag, dem 8. Januar, zeigen bereits über einhundert Tote, die in das Kahrizak Forensic Medical Center in Teheran gebracht wurden.

Mehr als 3’000 Menschen wurden vom iranischen Regime zwischen dem 28. Dezember und dem 11. Januar getötet. Dies berichtet eine iranische Quelle nach Recherchen in lokalen Quellen, Krankenhäusern, der Gerichtsmedizin sowie von Familienangehörigen von Märtyrern und Verschwundenen in 195 Städten.

Berichte aus den Spitälern in Teheran weisen auf eine grosse Anzahl Verletzter hin. Darunter seien auch Kinder. Die Lage ausserhalb Teherans sei schlimmer, weil dort die notwendigen Versorgungsmittel geringer seien.

Für die Rückgabe von Leichen getöteter Demonstranten verlangen die iranischen Behörden eine Zahlung in Höhe von rund 4’000 Dollar für jede einzelne Person. Wenn die Familien nicht zahlen können, werden die toten Körper nach Entfernung der Kugeln in Massengräbern beigesetzt. Wo diese sind, erfahren die Familienmitglieder nicht.

Die staatliche Nachrichtenagentur IRIB meldet den Tod von Brigadegeneral Javad Keshavarz. Er war Chef der Anti-Drogen-Polizei der «Revolutionsgarden» in der zweitgrössten iranischen Stadt Maschhad. Laut offizieller Mitteilung wurde er bei einem Angriff von «bewaffneten Terroristen» getötet. Dies ist ein Begriff, den die iranische Führung für Demonstranten verwendet.

DEMONSTRATIONEN

Videos aus mehreren Städten zeigen, dass die Iraner weiterhin in grossen Massen auf die Strasse gehen und gegen das Regime protestieren.

In Mashhad, der zweitgrössten Stadt des Iran, kommt es zu schweren Zusammenstössen zwischen Anti-Regime-Demonstranten und den Sicherheitskräften des Regimes. Die Menschen errichten Barrikaden, um die Menge vor scharfer Munition zu schützen. In Shafan brennen mehrere Gebäude und Autos des iranischen Repressionsapparats gingen in Flammen auf.

Im ganzen Land wurden angeblich Dutzende von Moscheen angezündet. Der iranische Aussenminister sagte auf dem arabischen Sender Al Jazeera: «Seltsamerweise hatten sie es auf Moscheen abgesehen. Das ist wirklich überraschend. Kein Iraner würde es wagen, ein Gotteshaus in Brand zu setzen. 350 Moscheen wurden angezündet.»

Oded Eilam, ehemaliger Leiter der Abteilung für Terrorismusbekämpfung im israelischen Geheimdienst Mossad, schätzt ein, dass das iranische Regime trotz der anhaltenden Proteste noch weit vom Zusammenbruch entfernt ist. Seiner Ansicht nach handelt es sich um eine etablierte und stabile Diktatur mit tiefgreifenden wirtschaftlichen Interessen der Revolutionsgarden, die etwa 30 % des iranischen Bruttoinlandprodukts kontrollieren. Eilam betont jedoch, dass der Protest selbst eine Dynamik erzeugt, die das Regime zu politischen Kursänderungen zwingen wird: eine deutliche Reduzierung der Finanzmittel für Stellvertreterorganisationen wie die Hisbollah und die Huthis sowie interne Reformen zur Sanierung der Wirtschaft.

REAKTIONEN DES REGIMES

In der Stadt Marivan haben Beamte des iranischen Geheimdienstes grossangelegte Razzien in Wohnhäusern durchgeführt und nahmen unter Anwendung schwerer Gewalt mehr als 50 Zivilisten, meist junge Menschen, fest.

Während des gestrigen Tages organisierte das iranische Regime Demonstrationen zu seiner Unterstützung. In mehreren Städten versammelten sich Zehntausende Beamte, Milizen, Soldaten, alle mit ihren Familienmitgliedern, um die Regierung zu unterstützen. Das staatliche iranische Fernsehen IRIB verbreitete entsprechende Bilder.
Nicht alle Aufnahmen scheinen vom gestrigen Tag zu sein, denn auf einigen sind grüne Bäume zu sehen und im Iran ist es derzeit winterlich kalt. Ausserdem fand ein Teil der Kundgebungen in abgesperrten äusseren Bezirken und nicht in den Zentren der Städte statt.

Während der Demonstration regimetreuer Kräfte wurde der Chef des iranischen Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Ali Larijani, interviewt. Er sagte: «Trump redet zu viel, nehmen Sie ihn nicht ernst. Die überwältigende Präsenz von Iranern auf den Strassen zeigt, dass unser Volk bereit ist, mit Amerika und Israel abzurechnen.»

Der iranische Diktator Ali Khemenei dankte – von einem nicht näher definierten Ort aus – den Teilnehmern der Demonstration, welche das Regime unterstützen: «Heute habt ihr eine grossartige Tat vollbracht und einen historischen Tag geschaffen. Diese Massenversammlungen, erfüllt von fester Entschlossenheit, haben die Pläne ausländischer Feinde vereitelt, die von ihren einheimischen Söldnern ausgeführt werden sollten.»

Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnte, dass Teheran US-Militärbasen und Israel ins Visier nehmen würde, sollte Washington einen Angriff durchführen. Ghalibaf sagte: «Im Falle eines militärischen Angriffs durch die USA werden sowohl das besetzte Gebiet als auch die Zentren des US-Militärs und die Schifffahrt unsere legitimen Ziele sein». Die anwesenden «Parlamentarier» applaudierten frenetisch. Mit «besetztem Gebiet» meinte der Parlamentspräsident offenbar Israel, dessen Existenzrecht die iranische Führung nicht anerkennt.

EXTERNE REAKTIONEN

Der iranische Kronprinz Reza Pahlevi sagte in einer Videobotschaft: «Dank eurer Standhaftigkeit und eures Kampfes sind Tausende von Militär- und Sicherheitskräften nicht zur Arbeit erschienen, um sich nicht an der Repression zu beteiligen.»

In einem Interview mit der amerikanischen TV-Station CBS behauptete Pahlevi, Teile der iranischen Führung würden sich «auf die Flucht aus dem Land vorbereiten» und «Flugzeuge beladen, um abzuheben». Er erhalte Geheimdienstinformationen aus dem Iran, darunter auch Informationen aus geheimen Treffen im inneren Zirkel des Obersten Führers.

Omer Cellik, Sprecher der herrschenden AK-Partei (AKP) in der Türkei warnte die USA vor einem Eingreifen im Iran. Ein Eingreifen von aussen können zu «schlechten Reaktionen» führen.

Die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, kündigte an, dass mit sofortiger Wirkung allen iranischen Diplomaten, Mitarbeitern diplomatischer Vertretungen, Regierungsbeamten und Vertretern der Islamischen Republik Iran der Zutritt zu allen Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments verboten wird.

AMERIKANISCHE GEDANKEN

Mehrere Quellen, meistens israelischer Herkunft, melden, dass sie aus dem Innern des Irans Nachrichten erhalten hätten, dass die Hoffnung auf ein Eingreifen der Amerikaner gross sei.  

Die Iraner hätten ihre Angst vor dem Tod verloren, aber «erfolgt keine Intervention oder ist diese zu schwach, wird ein vom Regime selbst verübtes Blutbad die Folge sein», schreibt zum Beispiel Nioh Berg, eine israelisch-iranische Aktivistin.

Gemäss der «New York Times» unterbreitet das US-Kriegsministerium Trump und seinen engsten Mitarbeitern (darunter JD.Vance und Marco Rubio) eine breite Palette von Optionen. Sie reichen von Schlägen gegen die iranischen Atomanlagen bis zu Angriffen auf den iranischen Repressionsapparat. Die zweite Option sei wahrscheinlicher, sagte ein anonym bleibender Beamter der Zeitung, aber die Entscheidung liege noch einige Tage in der Zukunft.

Interessant ist auch ein Statement von Baron Trump, dem Sohn des US-Präsidenten. Auf seinem «X»-Account schrieb er (ungekürztes Originalzitat):

«Präsident Trump erhält NAHEZU STÄNDIG AKTUELLE INFORMATIONEN über die massiven, immer grösser werdenden Proteste, die den Iran erschüttern, während Optionen wie Luftangriffe aktiv diskutiert werden.

Ali Khamenei geht der Spielraum aus. Die Strassen brodeln. Das Regime bröckelt. Das ist FAFO-Territorium. (Erklärung: FAFO steht für «Fuck around – find out»)

Stellen Sie sich nun diesen Zeitplan vor. Nicolás Maduro ist weg. Khamenei ist weg. Das kubanische Regime bricht zusammen. Alles in EINEM Monat. Das wäre eine Erschütterung. Das würde die Welt neu gestalten. Das wäre die Wiederherstellung der amerikanischen Stärke.»

https://www.en-hrana.org/day-fifteen-of-irans-nationwide-protests-sharp-rise-in-human-casualties/ ; Video Forensic Medical Center Teheran: https://x.com/i/status/2010383278222741523https://x.com/Ehsaneghbale/status/2010651113125523720https://x.com/roxanasaberi/status/2010736517598122411https://x.com/visegrad24/status/2010404842477392205https://x.com/NOELreports/status/2010468131458748582; Videos von Demonstrationen: https://x.com/i/status/2010886540168200360https://x.com/ImtiazMadmood/status/2010641123476140542https://x.com/EliAfriatISR/status/2010773959537578310https://x.com/i/status/2010779644686151815https://x.com/SinaToossi/status/2010765431443702015https://x.com/Hengaw_English/status/2010809436479373659https://x.com/BabakTaghvaee1/status/2010685676409262453; Video: https://x.com/i/status/2010734446958309493  // https://x.com/ariel_oseran/status/2010734446958309493;  https://x.com/IranIntl_En/status/2010766868517122374https://x.com/Osint613/status/2010455903519285647https://x.com/i/status/2010930616468984061; CBS-Video: https://x.com/i/status/2010845606814662904; Video: https://x.com/i/status/2010828395978817552https://x.com/sentdefender/status/2010734175167373459https://x.com/NiohBerg/status/2010826453495980410https://x.com/DahliaKurtz/status/2010846114270925169https://www.nytimes.com/2026/01/12/us/politics/trump-iran-options-diplomacy-strikes.html;   https://x.com/i/status/2010753492348998038https://x.com/BarronTNews_/status/2010753492348998038

Facebook
Twitter
Pinterest
Telegram
Email
Print
BLICKPUNKT

Ähnliche Texte

Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1548 (20.5.2026 / 8Uhr)

• Russen greifen mehrere Städte an
• Ukrainer beschädigen Raffinerien
• Vermehrt Angriffe auf Krim-Logistik
• Erinnerungen eines Krim-Tataren
• US-Vizepräsident J.D. Vance lügt
• 7-mal mehr tote Russen als Ukrainer
• Kreml-Blogger bettelt um Netze
• Russische Partisanen in Aktion
• EU will Deserteure weniger schützen

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1547 (19.5.2026 / 8Uhr)

• Ukraine kauft 25’000 Bodenroboter
• Moskau ist verletzlicher als gedacht
• Partisanen melden sich aus Russland
• Russischer Angriff auf China-Frachter
• 900 Mio € aus Berlin für Granaten
• Merkel will Putin nicht mehr treffen
• Was Xi Jinping und Trump besprachen
• In Washington dreht sich der Wind

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1546 (18.5.2026 / 8Uhr)

• 1944: Völkermord an Krimtartaren
• Russen auf der Krim angegriffen
• Unschöne Badeferien an Krimstrand
• Moskaus Verteidigung durchbrochen
• Über 1’000 Drohnen gegen Russland
• Erschreckte Moskowiterinnen
• Wieder US-Öl-Sanktionen – vorläufig

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1545 (17.5.2026 / 7Uhr)

• 2. Hilfsaktion von Ukraine Aktuell
• Notstromgenerator unterwegs
• Hilfe für Khersoner Bevölkerung
• «Swiss for Ukraine» als Partner
• Eure Spenden sind entscheidend
• Wie «Ukraine Aktuell» entsteht
• Der moderne Kampf der Ukraine
• Schweizer Medien und der Krieg

Mehr »

Copyright © 2020. www.aldrovandi.net. All rights reserved.