AUFSTAND IM IRAN – TAG 15

(Was bis heute Morgen – 11.1.2026 – bekannt ist)

Der landesweite Ausfall von Internet und mobiler Kommunikation dauert im Iran nun schon über 60 Stunden an, da die landesweiten Verbindungswerte weiterhin bei etwa 1 % des Normalniveaus stagnieren. Dies erschwert weiterhin den Informationsfluss nach aussen und den inneren Zusammenhang des iranischen Widerstands.

Die iranische Armee hat am Samstag angekündigt, sich an der Niederschlagung der Proteste zu beteiligen. Dies ist eine von mehreren verschärften Warnungen der Sicherheitsdienste des Landes, während Demonstrationen gegen das Regime weiter zunehmen und die Zahl der Todesopfer steigt.

Die Armeeführung erklärte, sie werde «die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum entschlossen schützen». Sie machte Israel und sogenannte terroristische Gruppen für die Unruhen verantwortlich und schwor, «die Pläne des Feindes zu vereiteln».

Berichte aus Teheran deuten auf heftige Zusammenstösse zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften des Regimes hin. Augenzeugen zufolge handelte es sich bei den Einsatzkräften nicht um Iraner, weil sie skandierten bei der Konfrontation mit unbewaffneten Demonstranten „Ya Allah, Hisbollah“

In Teheran zündeten Demonstranten Feuerwerkskörper – ein symbolisches Zeichen dafür, dass sie an einen baldigen Sieg glauben. In Sabzevar (Khorasan) berichten Medien von heftigen Zusammenstössen mit Maschinengewehrfeuer und dem Einsatz von Spezialeinheiten. Lokale Quellen geben an, dass die Revolutionsgarden Verstärkung in die Stadt entsandt haben.

Eine Videoaufnahme aus Kahrizak, südlich der iranischen Hauptstadt Teheran, zeigt mehr als zwei Dutzend volle Leichensäcke an einem Sammelpunkt. Berichten zufolge soll es sich dabei um Demonstranten handeln, die in den letzten zwei Nächten von Sicherheitskräften getötet wurden. Quellen vor Ort berichten, dass es allein in Teheran mindestens 200 Tote gibt.

Menschen vor Ort im Iran beschreiben die Zustände während der regierungsfeindlichen Proteste in Städten wie Teheran und Schiras als kriegsähnlich. «So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen», hört man medizinisches Personal in einem Video sagen, das IranWire zugespielt wurde. «Diese schamlosen Leute haben ihr in Kopf und Hals geschossen. Wissen Sie, wie viele Patienten wir deswegen schon haben?»

Eine Ärztin in Neyshabur berichtete, dass Sicherheitskräfte am Freitag von Dächern und Terrassen aus auf Demonstranten geschossen hätten. «Sie schiessen von Dächern und Terrassen. Sie sind nicht auf der Strasse, wo die Leute sie sehen und fliehen können.»

Ein iranischer Arzt in der Stadt Neyshabur teilte der US-TV-Station CNN in einer Audiobotschaft mit, dass iranische Behörden mindestens 30 Menschen mit „Militärgewehren“ getötet hätten. «Unter ihnen waren auch Kinder», sagte der Arzt. «Ein fünfjähriges Kind wurde in den Armen seiner Mutter erschossen.»

Ein regimekritischer Demonstrant filmte in Mashhad, wie die Sicherheitskräfte des Regimes die Demonstranten angreifen. Er schreit auf Englisch: «Look, they’re shooting at us. They’re shooting us»  // «Seht her, sie schiessen auf uns. Sie schiessen auf uns.»

Die zweitgrösste Stadt Irans, Mashhad, ist nun schon die zweite Nacht in Folge von mehr als 100’000 regimekritischen Demonstranten blockiert. Sie legten Feuer auf den Strassen, wodurch Rauch entstand, der es den Scharfschützen des Regimes erschwerte, auf sie zu feuern.

Gemäss den Beobachtern von «Iran Spectator» kämpften am Samstag mehr als 1,5 Millionen Iraner auf den Strassen. «Der Aufstand finde in 512 Orten und 180 Städten statt, und zwar in allen 31 iranischen Provinzen. Dies seien keine «Proteste, sondern eine Revolution.»

Mohammad Movahedi Azad, Generalstaatsanwalt der Islamischen Republik Iran, hat verkündet, dass die verhafteten Demonstranten nun hingerichtet werden.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian sollte am Samstagabend in einer Fernsehansprache zur Nation sprechen. Die Ansprache fand allerdings nicht statt und ist vorläufig für Sonntag neu angesetzt.

Der Sohn des gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, richtete eine Videobotschaft an das iranische Volk: «Wisse, dass du nicht allein bist. Deine Landsleute in aller Welt erheben stolz ihre Stimme, wie du sicherlich in den zahlreichen Fernsehbildern gesehen hast. Die Welt steht heute an der Seite deiner nationalen Revolution und bewundert deinen Mut. Insbesondere Präsident Trump, als Anführer der freien Welt, hat deinen unbeschreiblichen Mut aufmerksam verfolgt und seine Unterstützung zugesagt.
Verlass die Straße nicht. Ich bin in Gedanken bei dir. Ich weiss, ich werde bald bei dir sein.»

Trump meldete sich am Samstagabend erneut auf seinem Netzwerk «Truth»: «Iran is looking at FREEDOM, perhaps like never before. The USA stands ready to help!!! President DONALD J. TRUMP // Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!! Präsident DONALD J. TRUMP»

Gemäss der «New York Times» wurde Trump in den letzten Tagen über mögliche militärische Optionen gegen den Iran informiert. Ihm seien mehrere Optionen vorgelegt worden, darunter auch Angriffe auf nichtmilitärische Ziele in Teheran. Trump habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, erwäge aber ernsthaft, als Reaktion auf das tödliche Vorgehen gegen die Proteste einen Schlag zu genehmigen.

Der seit Jahrzehnten in der Aussenpolitik tätige republikanische US-Senator Lindsey Graham verbreitete Hoffnung:

«AN DAS IRANISCHE VOLK: Euer langer Albtraum neigt sich dem Ende zu. Euer Mut und eure Entschlossenheit, die Unterdrückung zu beenden, wurden von @POTUS (Trump) und allen, die die Freiheit lieben, wahrgenommen.

Wenn Präsident Trump sagt „Make Iran Great Again“, bedeutet das, dass die Protestierenden im Iran über den Ayatollah siegen müssen. Das ist das bisher deutlichste Signal dafür, dass er, Präsident Trump, verstanden hat, dass der Iran niemals grossartig sein wird, solange der Ayatollah und seine Gefolgsleute an der Macht sind. Allen, die im Iran Opfer bringen, Gott segne Euch. Hilfe ist unterwegs.»

In London demonstrierten mehrere tausend Iraner vor der Botschaft des Landes. Ein Demonstrant stieg über die Fassade auf den Balkon der Botschaft und riss die dortige Flagge der Islamischen Republik Iran herunter und ersetzte sie durch die Löwen- und Sonnenflagge, die den Kaiserlichen Staat Iran vor der iranischen Revolution von 1979 repräsentierte.

Eines der Symbolbilder des iranischen Aufstands ist das Foto einer Frau mit offenen Haaren, die eine Zigarette mit einem brennenden Plakat Khameneis als Feuerzeug anzündet. Die britische Schriftstellerin (Harry Potter) J.K.Rowling zeigt eines dieser Bilder und schreibt dazu: «Wer behauptet, Menschenrechte zu unterstützen, sich aber nicht mit denjenigen solidarisiert, die im Iran für ihre Freiheit kämpfen, hat sein wahres Gesicht gezeigt. Ihm ist es völlig egal, ob Menschen unterdrückt und brutalisiert werden, solange es von den Feinden seiner Feinde geschieht.» 

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https://x.com/Faytuks/status/2010109795370721638; Video: https://x.com/i/status/2010216781726847038https://x.com/visegrad24/status/2010214727209918919/video/1https://x.com/IranSpec/status/2010006511951720683https://x.com/ChuckPfarrer/status/2010131748277862741https://x.com/ChuckPfarrer/status/2010121131735593407/photo/1https://x.com/i/status/2010173354821791846https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115872214156165257https://x.com/IranIntl_En/status/2010162263127109979https://x.com/LindseyGrahamSC/status/2010079615071510702; Video: https://x.com/i/status/2010034577319063575https://x.com/jk_rowling/status/2010189173937058174;  https://x.com/i/status/2009917873607557245    

IRANER DEMONSTRIEREN IN BERN

Vor der iranischen Botschaft in Bern versammelten sich am Samstag mehrere Dutzend Iranerinnen und Iraner. Sie schwenkten die alte grün-weiss-rot gestreifte Flagge des Iran mit dem Löwen und der Sonne im weissen Teil. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie «Iran braucht Freiheit». Zu sehen waren auch Bilder der beiden ehemaligen Schahs des Irans, des Grossvaters und Vaters des heute im Exil lebenden Reza Pahlavi.

«Ukraine Aktuell» erhielt von den Demo-Organisatoren ein Video des Protests zugestellt. Es ist ab sofort auf https://youtu.be/GxUhE5uW6Ho sichtbar und kann frei verwendet werden.

Die Journalisten Michael Gurtner und Jürg Spori berichteten für die «Berner Zeitung» über die Kundgebung. Unter anderem beobachteten sie, wie ein Demonstrant versuchte, den mit Eisenspitzen versehenen Metallzaun der Botschaft zu überklettern und von Polizisten festgehalten und abgeführt wurde. https://www.bernerzeitung.ch/bern-proteste-vor-iranischer-botschaft-gegen-regime-567453147780.

IRANER KRITISIEREN WESTEN

«Ukraine Aktuell» erhielt von den Berner Demonstranten ein Schreiben, welches von vielen Iranerinnen und Iranern in westlichen Ländern unterzeichnet wurde und hier vollständig veröffentlicht wird:

«Wir, die Unterzeichnenden — Iraner:innen im In- und Ausland — verurteilen zutiefst das Schweigen und die Untätigkeit europäischer Regierungen und Medien angesichts der Unterdrückung, Tötungen und systematischen Verletzungen der Menschenrechte im Iran. Während iranische Bürger:innen wegen ihres Engagements für Freiheit, Menschenwürde und fundamentale Rechte brutal verfolgt werden, gerät Europas Anspruch, an menschenrechtlichen Werten festzuhalten, zunehmend in Frage.

Das islamische Regime schränkt gleichzeitig absichtlich das Internet und die Telefonkommunikation massiv ein, um die Stimmen der Bevölkerung zu unterdrücken, die freie Verbreitung von Informationen zu verhindern und die Dokumentation der Verbrechen zu behindern. Dies stellt einen klaren Verstoss gegen grundlegende Menschenrechte dar und ist ein gezielter Versuch, der internationalen Verantwortung zu entgehen.

Wir protestieren entschieden gegen die unvollständigen und verzerrten Darstellungen, die in Teilen der europäischen Medien verbreitet werden. Diese reduzieren die politischen und freiheitsorientierten Forderungen der iranischen Bevölkerung auf oberflächliche Themen wie wirtschaftliche Probleme oder das Kopftuch, wodurch der wahre Charakter der landesweiten Bewegung gegen die Tyrannei verschleiert wird.

Unsere Forderung ist klar: Europäische Regierungen müssen über symbolische Erklärungen hinausgehen und umgehend konkrete diplomatische Massnahmen ergreifen — einschliesslich der Einberufung oder Ausweisung iranischer Botschafter, wirksamer politischer Druckmittel und der öffentlichen Unterstützung des Rechts der Menschen im Iran auf freien Zugang zu Internet und Kommunikation. Schweigen und Untätigkeit heute bedeuten nicht Neutralität, sondern moralische Komplizenschaft mit Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen.

Menschenrechte haben nur dann Bedeutung, wenn ihre Verteidigung mit Konsequenzen verbunden ist. Die Menschen im Iran erwarten konkrete Massnahmen, keine symbolische Solidarität.»

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