Ukraine Aktuell Nr. 341 (30.1.23/22Uhr)

INFANTERIE PANZER VERSCHIFFT

Mehr als 60 Bradley BMPs, die der Ukraine versprochen wurden, sind auf dem Weg nach Europa: Ein Schiff mit ihnen verliess am 25. Januar den Hafen von North Charleston. Dies berichtet der britische Sender BBC.

BMP’s sind gepanzerte Infanterie-Kampffahrzeuge. Die auf dem Weg befindlichen Waffen sind Teil des von US-Präsident Biden Anfang Januar angekündigten Militärhilfepakets für die Ukraine im Wert von 2,85 Milliarden Dollar. https://t.me/uniannet/88115

KRITIK AN SPÄTEN WAFFEN-LIEFERUNGEN

Das amerikanische «Institut for the study of war» (ISW) kritisiert die zögerlichen und späten Waffenlieferungen an die Ukraine. Dies würde den Krieg unnötig in die Länge ziehen, weil dadurch die Ukraine nicht rasch genug genügend ausgestattet wird.

ISW: «Verzögerungen bei der Bereitstellung westlicher Langstrecken-Feuersysteme, fortschrittlicher Luftverteidigungssysteme und Panzer an die Ukraine haben die Fähigkeit der Ukraine eingeschränkt, Gelegenheiten für größere Gegenoffensiven zu ergreifen, die sich das militärisches Versagen von Russland bieten.»

Geschwächt worden sei die militärische Schlagkraft der Ukraine auch durch Fehler der eigenen Armee und der politischen Verhältnisse im Land. Aber weil die Ukraine nicht über eine eigene Waffenindustrie verfüge, sei die Hilfe des Westens umso entscheidender. https://www.understandingwar.org/backgrounder/russian-offensive-campaign-assessment-january-29-2023

VERSTÄRKTE REGION KURSK

Die russische Armee hat ihre Präsenz in der an die Ukraine angrenzenden Region Kursk verstärkt. Über die zusätzlichen Truppen mit Ausrüstung schreibt der russische Gouverneur von Kursk, Roman Starovoit. https://t.me/KyivIndependent_official/14794

Gestern hatte derselbe Gouverneur berichtet, dass ukrainische Truppen Stromleitungen in Kursk beschädigt haben sollen.

BESUCH AUS DÄNEMARK

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen war heute, gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Zelenskyj, in Mykolaiv. Für diese südukrainische Stadt hat Dänemark die Schirmherrschaft für den Wiederaufbau übernommen.

Die beiden Staatschefs besuchten verletzte ukrainische Soldaten in einem örtlichen Krankenhaus. Ausserdem sahen sich Frederiksen und Zelenskyj die durch den russischen Raketenterror zerstörten Infrastruktur-Gebäude an. https://t.me/KyivIndependent_official/14790

BEKANNTER PILOT GEFALLEN

Der 24-jährige ukrainische Major und Geschwader Kommandant Danylo Murashko starb bei einem Kampfeinsatz über der Ostukraine. Sein Flugzeug wurde von einem russischen Kampfjet abgeschossen.

Nach Angaben seiner Flugeinheit versuchte Murashko, nachdem er getroffen worden war, den Absturz seines Flugzeuges auf das Dorf Schabelkiwka im Gebiet Donezk zu verhindern. Dadurch flog er so tief, dass er nicht mehr rechtzeitig aus dem Flugzeug aussteigen konnte. https://t.me/KyivIndependent_official/14789

Nach Angaben seines Fluggeschwaders hatte Murashko seit dem 24. Februar 141 Kampfeinsätze geflogen und dabei etwa 70 gepanzerte Fahrzeuge, mehr als 80 feindliche Fahrzeuge, etwa 30 Tankwagen und etwa 600 Insassen zerstört. https://t.me/ukrainian_militant/11389

RÜCKENSCHUSS AUS KROATIEN

«Die Krim wird nie mehr zur Ukraine gehören.» Die Ukrainer hätten einen «krankhaften Hass» gegen die Russen. Das sagte der kroatische Präsident Zoran Milanovic. Nach seiner Meinung riskiere der Westen einen Krieg gegen «eine Supermacht». Russland werde, wenn es verliere, Atomwaffen einsetzen.

Die Plattform «New Voice» schreibt: «Milanovic ist für seine anti-ukrainischen und pro-russischen Äusserungen bekannt. Er hat bereits erklärt, dass Kroatien der Ukraine keine militärische Hilfe leisten sollte und dass die Entsendung westlicher Panzer nach Kiew den Krieg nur verlängern würde.» https://t.me/nvua_official/41320

KRIEG SCHLÄGT AUF DIE PSYCHE

10-14 Millionen Ukrainer sind durch den Krieg traumatisiert. Ungefähr jeder dritte Ukrainer ist ein älterer Mensch, ein Kind, ein erwachsener Zivilist oder ein Angehöriger des Militärs.

Das Ausmass der Angst in der Gesellschaft nimmt ständig zu, was zu Angststörungen und depressiven Zuständen unter den Ukrainern führt. Über die zunehmenden Probleme berichtet Olga Korolyk, Gründerin des Psychologischen Zentrums «Altrea». https://t.me/nvua_official/41318

POLEN INTERVENIERT BEIM IOC

Der polnische Sportminister wird bei Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorstellig. Ausserdem will er eine internationale Koalition gegen die Vorschläge des IOC starten. Die obersten Olympioniken, wollen, dass Russland und Belarus unter neutraler Flagge bei den Wettkämpfen 2024 teilnehmen.

Dem Minister zufolge könnten Polen und andere Länder ein Ultimatum stellen, wenn russische und belarussische Sportler an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen dürfen. https://t.me/uniannet/88107

WARUM ES ZUR KREML-OFFENSIVE KOMMT
Der ukrainische Militärblogger «Armchair General» hat eine lesenswerte Einschätzung veröffentlicht:

«In der ersten Hälfte des Jahres 2023 wird Moskau eine neue Grossoffensive starten. Und man muss nicht Bloomberg sein, um das zu wissen, wenn man bestimmte Quellen in Moskau zitiert.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die oberste militärische und politische Führung Moskaus dazu veranlassen, eine neue Offensive zu starten.

Strategisch gesehen besteht das Problem darin, dass die Führung unseres Gegners nicht gelernt hat, die eigenen Kräfte nüchtern einzuschätzen, die entsprechenden Grenzen zu kennen und die Aufgaben im Verhältnis zu den verfügbaren Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Durchführung von Feindseligkeiten zu stellen.

Wäre die Situation andersherum, hätten die Moskauer auf strategische Verteidigung umgeschaltet und versucht, die ukrainischen Kräfte zu erschöpfen, die dann versucht hätten, zumindest die Grenzen des 24.02.22 zu erreichen.

Aber die Führung unseres Gegners ist nicht in der Lage, die Situation strategisch objektiv zu beurteilen.

Ausserdem hätten die lokalen Erfolge um Bakhmut die militärische und politische Führung Moskaus davon überzeugen können, dass eine neue Taktik gefunden worden war, die es ermöglichte, Probleme auf höheren Kriegsebenen mit massiverem Einsatz zu lösen. Diese Aussage wirft aber auch Fragen auf.

Neben der strategischen und taktischen Abkopplung von der Realität gibt es weitere Gründe, die die Moskauer Führung zum Handeln zwingen.

Zum einen ist es die versprochene Lieferung schwerer Waffen aus dem Westen.
Die Tatsache, dass neue gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie ab dem zweiten Quartal 2023 eintreffen werden, zwingt den Kreml zu proaktivem Handeln.
Die Ukraine verfügt noch nicht über die entsprechende Ausrüstung.

Zweitens zeigen die jüngsten Schritte der USA und ihrer Verbündeten, dass sie endlich bereit sind, das Spiel langfristig zu spielen, insbesondere bei der Produktion von Waffen und BC.

Ging es im Dezember 2022 noch darum, die Produktion von 155-mm-Munition in den Vereinigten Staaten auf 40’000 Stück pro Monat im Jahr 2025 zu erhöhen, so ist jetzt von 90’000 Stück pro Monat im Jahr 2025 die Rede.

Das Gleiche gilt für andere Dinge – M142 und BC, Luft-Luft-Raketen, MANPADS. Und so weiter. Das heisst, strategisch gesehen beginnt die Zeit in der militärischen Dimension der Konfrontation gegen Moskau zu spielen.

All dies zusammen drängt Moskau zu entschlossenem Handeln, solange es noch ein Zeitfenster gibt. https://t.me/armchairgeneralUA/814

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