UKRAINE STORYS: Blick in den Bunker

Mari Saito ist Sonder-Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters. Sie hat, zusammen mit einem Team, mehr als tausend Seiten russischer Militärdokumente ausgewertet, die in einem Kommandobunker in Balakliia (Ukraine) zurückgelassen wurden.

Die Dokumente werfen ein Licht auf die Lebensumstände der Besatzer und den chaotischen Rückzug Russlands aus der Region Kharkiv im September.
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Die Twitter-Text-Serie habe ich mit DeepL Pro übersetzen lassen und redaktionell bearbeitet.
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Die Dokumente – einige davon halb verbrannt in einem Ofen im Bunker – zeigen, dass die russischen Truppen wegen der Ankunft der HIMARS besorgt waren und mit Desertionen und Verlusten zu kämpfen hatten.

Ein Soldat sagte, es sei wie ein «Roulette Spiel». Die ukrainischen Angriffe könnten überall landen.

EIN ZUKÜNFTIGER GENERAL

Aus einer Liste mit täglichen Besprechungen und anderen Dokumenten, die im Bunker eingesehen wurden, ging die Kommandostruktur in Balakliia hervor. Iwan Popow leitete die militärische Gruppierung für «Balakliia». Nach Angaben seiner Frau ist er inzwischen zum General befördert worden.

BEFEHLSKETTE BIS PUTIN

Popow war der ranghöchste Offizier in der Balakliia-Basis. Er rapportierte via die baltische Flotte und Vize-Admiral Victor Liina an das Kommando des westlichen Militärdistrikts. Von dort aus gingen die Informationen über den Chef des Generalstabs Valery Gerasimov, zu Verteidigungs-/Kriegsminister Sergei Shoigu zum Oberbefehlshaber Putin. Die Befehlsstruktur verläuft in umgekehrter Richtung.

PRIMITIVE PROPAGANDA

Auf Fotos, die im Bunker gemacht wurden, sind Propagandaplakate zu sehen, die davor warnen, dass die Ukraine in eine Naziherrschaft abgleiten würde, wenn die russischen Truppen abziehen würden.

Der Ofen im hinteren Teil des Bunkerraums war mit Dokumenten vollgestopft. Bei der Flucht liessen die Besatzer eine Plastiktüte mit weiteren zu verbrennenden Papieren am Ofen kleben.

VORBESTRAFTE SOLDATEN

Im Gebäude hausten eine Mischung aus Soldaten aus Russland und aus dem separatistischen Luhansk.

Der Leiter einer Luhansker Flammenwerferkompanie hielt in einem Dokument fest, dass acht seiner Untergebenen Vorstrafen hatten – darunter ein Mann wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung.

RUSSEN ERHALTEN DOPPELT SOVIEL

Ein anderes Dokument, eine Tabelle, zeigte die Lohndiskrepanz zwischen russischen und Luhansker Soldaten.

Ein russischer Unteroffizier erhielt an Gehalt pro Monat 202’084 Rubel (3’280 Franken) plus Zulagen, während ein Unteroffizier der separatistischen Truppen nur 91.200 (1’470 Franken) erhielt, also weniger als die Hälfte.

DROHNEN OHNE SOFTWARE

Den ganzen Juli über waren die russischen Offiziere in Balakliia zunehmend besorgt über den Mangel an Ausrüstung.
Am 20. Juli erhielten sie schließlich drei Quadcopter-Drohnen, die aber noch nicht flugbereit waren, weil ihre Software noch nicht installiert war.

Ausserdem mussten die Soldaten für die Bedienung der Drohnen geschult werden.

BEFEHLSVERWEIGERUNG

Die Moral verschlechterte sich. Ein Offizier schrieb am 24. Juli, dass jemand namens Stanko ein «Bastard» sei, dem ein Disziplinarverfahren drohe, weil er «seinen Zug zurückgezogen» habe.

Wir haben Shtanko und seinen Vater gefunden. Sein Vater sagte, Shtanko habe den Befehl verweigert, «seine Männer ins Artilleriefeuer zu schicken».

BRUTAL EFFIZIENTE HIMARS

Im Juli erhielt Kommandant Popow noch schlimmere Nachrichten: Der FSB (russischer Geheimdienst) hatte erfahren, dass die Ukrainer HIMARS in das Gebiet verlegten. Es folgten gezielte Angriffe.

Aus einer Tabelle vom 30. August ging hervor, dass die Truppe nur noch 71 % ihrer vollen Stärke hatte. Das 2. Sturmbataillon hatte 49 statt 240 Mann.

TÄGLICHE FOLTERUNGEN

Einheimische in Balakliia wurden routinemäßig verhaftet und gefoltert. Angehörige von Inhaftierten wie Tetiana (Foto) wandten sich an einen Militärkommandanten namens V. «Granit» und versuchten, ihre Freilassung zu erwirken.

Er wies sie ab. Granits Büro befand sich gegenüber der Polizeistation, in der die Menschen gefoltert wurden.

Granits Männer hielten auch Leute im Keller fest. Sein Name taucht in den täglichen Besprechungslisten im Kommandobunker auf, und es scheint, dass er persönlich an den Verhören teilnahm.

FLUCHT NACH ANGRIFF

Im September wurde der Balakliia-Bunker schwer angegriffen.
Einheimische sahen, wie die Soldaten ihre Waffen und Ausrüstung wegwarfen und sich zurückzogen.

(Quelle: https://twitter.com/saitomri/status/1585239312584519680

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