UKRAINE STORYS: Die Zweifel eines Russen

Der populäre russische Nationalist und Autor Maxim Kalashnikov steht zur Russland und seiner «Grösse». Er hat sich aber in der Vergangenheit nie gescheut, das derzeitige Regime in Russland zu kritisieren.

Doch angesichts des Krieges gegen die Ukraine sind seine Posts und Livestreams zunehmend verzweifelt. In seinem neuesten Text erklärt er die verheerende Wirkung der Idee, Russland zum «Sponsor des Terrorismus» zu erklären. Er schildert, welche Wirkung das auf die russische «Elite» als das Rückgrat des Kremls hat und welche Chancen die russische Föderation verpasste.

Der Beitrag ist auf seinem Livejournal-Account zu finden und wurde von https://wartranslated.com/ gefunden. (Mit DeppL übersetzt und von mir redaktionell bearbeitet).

AUSSTEHENDE RECHNUNGEN

Die Anerkennung Moskaus als «Sponsor des Terrorismus» durch die USA scheint nicht mehr unrealistisch. Die Aussicht: Eine vollständige Isolierung der «Elite» der Russischen Föderation durch den Westen und die «Enteignung» ihrer dortigen Vermögenswerte. Wie geht unsere Regierung mit dieser potentiellen Gefahr um? Was sind die Ergebnisse einer strengen historischen Prüfung? Man muss zugeben, dass der Kreml in einer für ihn sehr unangenehmen Realität gelandet ist.

VERPASSTE CHANCEN RÄCHEN SICH

Erstens: Wir werden für die Unentschlossenheit des Frühjahrs 2014 bezahlen müssen. Damals waren die Ziele der aktuellen «Sonderoperation» zehnmal einfacher und schneller zu erreichen: Die Macht war in der Ukraine nach dem Putsch desorganisiert; die Streitkräfte waren extrem schwach und damals war die Bevölkerung noch nicht mit Propaganda aufgepumpt.

Stattdessen beschlossen die russischen Behörden damals, die Russen im Donbass zu opfern und wählten die Schande, statt den Krieg. Aber jetzt haben wir beides: Schande und Krieg.

Die Behörden der russischen Föderation sind jetzt in der Gegenwart angekommen. Zuvor haben sie fast 20 Jahre und Billionen von Dollars verloren. Es gab keine Industrialisierung 2.0. Es gibt kein Bild der Zukunft und keine überzeugende Ideologie und auch die ehemalige plündernde «Elite» wurde nicht beseitigt.

ZYNISCHE ELITE

Im Grunde ist die «Elite» weiterhin nur fähig, zu nehmen, aber nicht zu schaffen. Sie ist mit dem Westen verbunden, wo sie Vermögen und Ländereien hatte und Flüge mit ihren Enkelkindern.Diese Elite betrachtete die politische Technik des Kremls mit dem «1945 Kult» und dem ständigen Appell an die Grösse der UdSSR mit Zynismus.

Das alles mache der Kreml nur, um sich den Gehorsam der Wählerschaft zu sichern, um das Volk zu hypnotisieren.Der «neue Adel» konnte lange damit leben, um Reichtum und Einkommen behalten zu können.

Sie konnten sich weiterhin frei bewegen, sie konnten das «hart verdiente Geld» in den Westen abschieben und es sich dort gut gehen lassen.

ELITE WAR DAS RÜCKGRAT

Alles basierte seit dem Jahr 2000 auf dieser Idee. Niemand wollte ernsthaft eine Sowjetunion wiederherstellen. Aber es war diese «Elite», die das Rückgrat der Macht bildete. Die Masse der Bevölkerung war nie das Rückgrat. Unsere Regierung kann sich nicht auf die unteren Klassen verlassen. Die Unterschichten sollen passiv sein und nur gehorsam der schönen Propaganda zuhören.

Doch mit der Ankündigung der Amerikaner, den Kreml als Terror-Sponsor zu bezeichnen, könnte all diese Unterstützung verschwinden. Die «Elite» weiss nicht, wie man so leben kann, und will es auch nicht lernen.

NEUE REALITÄT

Seit Anfang 2022 haben wir die tatsächlichen Fähigkeiten des derzeitigen Systems in Bezug auf die Verwaltung des Staates und der Wirtschaft, die Fähigkeit, militärische und nachrichtendienstliche Operationen durchzuführen, die Aussenpolitik und die Personalauswahl deutlich gesehen. Die Ergebnisse sind enttäuschend.

Aber hat der Autor dieser Zeilen nicht schon seit Jahren vor diesem postsowjetischen System der Täuschung gewarnt?In der Realität ändern wir nichts, aber «wir schaukeln mit dem Wagen und pfeifen». Es ging nur um die Produktion von Bildern und die richtigen Slogans.

Aus dem Wunsch, nichts zu ändern, sind heute Rechnungen geworden, die uns von der Geschichte präsentiert werden. Das ist eine unangenehme und unerwartete neue Realität für die Behörden. So wird ihr «elitäres» Rückgrat zerstört und es entsteht eine Art Abhängigkeit von den unteren Schichten.

KEINE MÄRCHEN MEHR

Aber es ist unmöglich Erfolge vorzuweisen. Weder bei der Steigerung des Lebensstandards noch bei der Entwicklung der Wirtschaft. Und gleichzeitig ist es unmöglich, all dies durch reale oder eingebildete Siege zu kompensieren. An der Frontlinie gibt es nur Stellungskrieg, «Verdun2», keine Erfolge.

Gleichzeitig ist es der Feind, der unseren Kreuzer versenkt, die Hauptquartiere und die Grenzgebiete, den Luftwaffenstützpunkt auf der Krim und das Kernkraftwerk Saporoschje unter Beschuss nimmt und Donezk mit Artillerie beschiesst.

Und sie haben sogar Hauptquartiere und Zentren der Staatsmacht in Kiew, die unangetastet bleiben. Es gibt keine Siege in Wissenschaft und Technik, im Weltraum.

Die Märchen funktionieren nicht mehr, wie zum Beispiel: «Aber wir haben die Armee beispiellos gestärkt und Waffen von noch nie dagewesener Stärke erworben.»

SITZEN AUF BAJONETTEN

Und je länger sich die Kampagne hinzieht, desto unpopulärer wird sie. Wir brauchen einen Ausweg aus dem «positionellen» Sumpf, aber wo sind die Maßnahmen in dieser Richtung?Im Ergebnis stellt sich heraus, dass die einzige Stütze der Macht ihr eigener Machtapparat, also der Geheimdienst FSB&Co bleibt. Aber auf Bajonetten zu sitzen ist unangenehm und gefährlich.

Für die Führung der «Bajonette» ist das Ausland nicht fremd. Sie tragen Rolex-Uhren und fahren ausländischen Autos. Das bedeutet umgekehrt, dass der Feind im Westen potenziell einen «goldenen Schlüssel» zu ihnen hat. Der Versuch, den Westen mit einer Brennstoff- und Energie-«Brechstange» zu brechen, ist keine 100-Prozent Variante. Ausserdem könnte die globale Krise dem Westen helfen, die Reste seiner organisatorischen Fähigkeiten zu mobilisieren.

AUSLÖSER EINER KRISE

Seit Februar ist mir klar, dass der Beginn der Sonderoperation der Auslöser für eine schwere Systemkrise im eigenen Land sein wird. Dass all dies ein Prolog zu sehr ernsten Ereignissen ist. Jetzt ist absolut klar, dass eine politische «Revolution von oben», eine neue Industrialisierung und eine Mobilisierung in jedem Sinne des Wortes notwendig sind, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Das ist die Hauptsache, und alles andere ist nur Informationsmüll.

Als ehrlicher Bürger ist Maxim Kalashnikov bereit, den Behörden bei der Verwirklichung dieser Ziele zu helfen.

DIE LAGE HAT SICH ZUGESPITZT

Denn das ist besser, als in einen gefährlichen Aufruhr mit vielen Opfern und unvorhersehbaren Folgen zu geraten. Wir stehen nicht mehr am Anfang des 20. Jahrhunderts, als die 94% der Landbevölkerung eine Geburtenrate von 7-8 Kindern pro Familie hatten.

Und wenn dies nicht geschieht … Nun, das ist ein anderes Thema. In der Zwischenzeit ist es unsere staatsbürgerliche Pflicht, den Weg zur Rettung zu zeigen. Die Situation hat sich zugespitzt. Wie in den Jahren 1915-1916…

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