Neue russische Propaganda im Krieg

Neuerdings schreiben russische Nachrichtenagenturen (TASS, Interfax, RAI-Novosti, RBK), dass die Berichterstattung «westlicher Medien» in Bezug auf die Ukraine objektiver geworden sei. Beispielweise TASS, heute. Belege für diese Behauptung, respektive Beweise dafür, dass das bisher nicht so war, fehlen.

Was ebenfalls auffällt: Seit ein paar Tagen berichten russische Behörden und Agenturen über militärische Erfolge in der Ukraine. Das war zu Beginn des Invasionskrieges nicht so. Es konnte auch nicht anders sein, weil der Kreml ja nicht von einer Invasion, sondern von einer «Spezialoperation» berichtete, welche von den Ukrainer freudig begrüsst worden sei.

Soweit meine persönlichen Beobachtungen beim Verfolgen der Nachrichtenflut.

Auch das Portal @ukraine_world hat genauer hingeschaut und entdeckte in der russischen Propaganda neue Tendenzen. Hier ihre Analyse:

Eines der neuen Erzählweisen ist, dass Russlands Krieg in der Ukraine eigentlich ein … «Krieg für Russlands Unabhängigkeit“ ist.
Gemeint ist hier die Unabhängigkeit vom „Westen“. Russland wird als «Kolonie» des Westens dargestellt, die versucht, sich zu befreien.
Und ein weiteres Narrativ besagt, dass dieser Krieg ein „Völkermord am russischen Volk“ und die Zerstörung des „russischen Genotyps“ ist. Der Krieg wurde nicht von den Russen „gewollt“, sondern vom Westen „provoziert“, um ein vereintes „russisches Volk“ zu vernichten (Russen und Ukrainer sind die „selbe Nation“).

Zwei wichtige Schlussfolgerungen aus diesen Erzählungen:

1.) Sie stellen die ukrainische Beschreibung dieses Krieges «auf den Kopf». Die Ukrainer sagen, dass es sich um einen Krieg für die endgültige Unabhängigkeit der Ukraine von Russland handelt, und dass die Russen seit Jahrzehnten/Jahrhunderten einen Völkermord an den Ukrainern organisieren.

2.) In diesen RU-Narrativen wird die Vorstellung entwickelt, dass Russland einen «defensiven» Krieg führt. Anstelle der «strafenden» Erzählung (Russland wird die ukrainischen «Nazis» bestrafen) gibt es ein «defensives» Narrativ (Russland kämpft allein gegen die globalen «Nazis», Imperialisten, Kolonialisten und Völkermörder).

Unsere Hypothese:
Dieses neue, defensive Narrativ kann der militärischen Mobilisierung viel mehr helfen als die „Straf“-Version. Die Menschen sind viel motivierter, wenn ihnen gesagt wird, dass sie ihr Land „verteidigen“ sollen.

Aber alles in allem ist es bemerkenswert, wie Russland alles auf den Kopf stellt:
Es ist ein Imperium, das sich als Kolonie präsentiert, ein faschistischer Staat, der sich als Kampf gegen den Faschismus präsentiert und ein Staat der einen Völkermordkrieg führt, aber behauptet, dass er unter Völkermord leidet.

@ukraine_world verfolgt täglich die russische Propaganda. Mehr dazu hier: https://ukraineworld.org/articles/infowatch/RU-disinfo

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