Macron und Links- oder Rechtsradikal

Frankreichs Wahl für den Präsidenten findet in drei Wochen statt. Sie ist spannender, als erwartet. Zwar ist Emmanuel Macron mit grosser Wahrscheinlichkeit im entscheidenden 2. Wahlgang. Aber hinter ihm balgen sich die rechtsradikale Marinne LePen und – nein, nicht Éric Zemmour – der linksradikale Jean-Luc Mélenchon.

Aber der Reihe nach:

Emmanuel Macron, vor 5 Jahren als Hoffnungsträger gewählt und seither für viele Franzosen eine Enttäuschung, hat weiterhin beste Umfragewerte. Aktuell sind 42% der Französinnen und Franzosen mit seiner Regierung und deren Leistungen «mehr oder weniger zufrieden». Ein Wert, den die Regierung Macron schon lange nicht mehr erreichte und von dem seine Vorgänger Nicolas Sarkozy und François Hollande zum selben Zeitpunkt nur träumen konnten.Macron macht, was dasselbe wie seit Jahren: Er reagiert nicht hektisch und anstelle von Wahlpodien, geht er in Dörfer, wo er das Volk direkt befragt und von seiner Sicht zu überzeugen versucht.

Auch von den Journalisten verlangt er viel Sitzleder. So hatte er am letzten Freitag die Nerven eine vier Stunden lange Solo-Pressekonferenz abzuhalten, in der er, als Kandidat, nicht als Präsident, sein Programm für die nächsten 5 Jahre darlegte. Seiner relativen Popularität schadet das nicht. Aktuell sagen 30.5% der Befragten, dass sie ihn im ersten Durchgang wählen. Was ihm hilft, ist seine staatsmännische Rolle als höchster Europäer angesichts des Ukraine-Kriegs. Denn Aussenpolitik kann Macron, da sind sich viele einig.

Auf der anderen Seite des Beliebtheitsspektrums sieht es düster für die Linke aus. Die Bürgermeisterin von Paris und SP-Kandidatin Anne Hidalgo legt eine veritable Bauchlandung hin. Ihre Persönlichkeit, ihr Programm und ihre Kampagne disqualifizieren sie von Auftritt zu Auftritt. Sie erreicht zurzeit nur 3.0% Zustimmung und ist damit sogar hinter dem Kommunisten Fabien Roussel mit 3.5% oder dem Grünen Yannick Jadot mit 6.5%.

Ebenfalls aus dem Fokus verabschiedet hat sich die Kandidatin der rechtsbürgerlichen Republikaner, Valérie Pécresse. Es gelingt ihr nicht, das Wahlvolk zu überzeugen. Mit ihren Vorschlägen klemmt sie sich permanent ein zwischen Macron, dem «weder links-noch rechts Kandidaten» und der rechtsradikalen Marine Le Pen. Aktuell kommt sie nur auf 10.0%.

Dagegen schwimmt Marine LePen vom Rassemblement National, dem früheren Front National, auf einer Welle von konstanter Zustimmung. Sie erreicht um die 17 Prozent. Als vermutlich erste der Kandidaten hat sie erkannt, dass die «Kaufkraft des Volkes» ein zentrale Thema ist. Angesichts steigender Strom-, Benzin- und Brotpreise scheint sie für viele Wähler die richtigen Antworten zu haben. Ihr peinliche Vorstellung vor fünf Jahren im Face-to-Face TV-Streitgespräch gegen Emanuel Macron lastet aber weiterhin schwer auf ihrer Wählbarkeit.

Bleiben noch zwei Kandidaten: Éric Zemmour und Jean-Luc Mélanchon. Zemmour, der Liebling der Reaktionäre in der Schweiz und Deutschland, ist heute politisch tot. Sein vor 2 Wochen prognostizierter Sinkflug (https://www.facebook.com/mario.aldrovandi/posts/7266469566759103) hat sich verschärft. Er ist von 16% auf 10% gefallen. Trotzig behauptet er weiterhin, dass das «echte Problem Europas nicht im Osten, sondern im Süden, bei den Immigranten ist.» Zemmour hat angesichts des Ukraine-Krieg politisch und geografisch die falsche Richtung gewählt.

Im Aufwind ist dagegen Jean-Luc Mélenchon. Er ist ein seit Jahrzehnten engagierter Linksradikaler und begnadeter Redner. Das bewies er auch diesen Sonntag bei der Bastille in Paris mit seinem neuen Slogan «c’est le printemps du peuple» vor mehreren zehntausend Personen. Er hat ein Programm, das an die kommunistischen Manifeste der 30-er Jahre erinnert, verlangt die Pensionierung mit 60 Jahren, eine Steuer, die «den Reichen alles nimmt» und eine 6.Republik, anstelle der aktuellen 5.Republik.

Mélenchon von «France insoumis» (Unbeugsames Frankreich), respektive «Front populaire» legt er von Woche zu Woche zu. Viele Anhänger der gescheiterten sozialdemokratischen und grünen Kandidaten wechseln in sein Lager. Er ist in einem Monat von 10.5% auf 13% gestiegen.

In drei Wochen wird klar, ob das Duell «Macron – LePen» oder «Macron – Mélenchon» heisst. In beiden Fällen hat Frankreich eine echte Wahl.

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