Confinement 2 in Frankreich

In Frankreich gilt ab diesem Freitag eine zweite umfassende Beschränkung («Confinement») des privaten und öffentlichen Lebens. Es ist teilweise weniger strikt als im Frühling. Staatspräsident Emanuel Macron hat die Leitplanken für das Confinement um 20 Uhr auf allen TV-Kanälen bekannt gegeben.

Ab Freitag gilt bis mindestens 1. Dezember:

AUSGEHVERBOT für alle Menschen in Frankreich. Davon gibt es sechs Ausnahmen:
— Einkauf von Lebensmitteln im nächst gelegenen Laden;
— Besuch eines Arztes oder eine Apotheke;
— Besuch kranker oder geschwächter Verwandter;
— Transport von Kindern;
— 60 Minuten Spaziergang pro Tag, maximal einen Kilometer rund um den Wohnort;
— Arbeitsweg, für Berufe, die nicht mit Telearbeit erledigt werden können.

PASSIERSCHEIN
— Wer sich ausserhalb der eigenen Wohnung bewegt, braucht einen Passierschein, in dem einer der oben genannten Punkte glaubhaft aufgeführt ist.

REISEN
— Noch bis am Sonntag kann man sich von seinem Ferienort nach Hause bewegen.
— Die Reisen innerhalb Europas sollen möglich sein, nach Ländern ausserhalb Europas nicht.

LADENSCHLUSS
— Alle Läden, mit Ausnahme jener für Grundnahrungsmittel, sind geschlossen.
— Einige noch nicht bestimmte Läden, können auf eine Wiedereröffnung in zwei Wochen hoffen. Vermutet wird, dass es sich dabei um Coiffeure, Blumengeschäfte und Läden im Zusammenhang mit Weihnachten handelt.
— Alle Bars und Restaurant bleiben geschlossen.
— Betroffen sind auch Fitness-Studios, Sportveranstaltungen, Museen, Kinos, Theater etc.

CONFINEMENT LIGHT
— Anders als im Frühling bleiben die Kindergärten und Volksschulen offen. Die Unis müsse auf Fernunterricht umstellen.
— Anders als im Frühling bleiben die Ämter und die Post offen.
— Anders als im Frühling bleiben die Alters- und Pflegeheime für reduzierte Besuche offen, damit die Bewohner nicht vereinsamen.
— Anders als im Frühling sollen die Firmen ihre Betriebe aufrechterhalten, werden also nicht geschlossen.

Die Massnahmen würden erst aufgehoben, wenn man die Zahl von heute 30’000 – 40’000 Neuninfizierten pro Tag auf 5’000 Neuinfizierte pro Tag gesenkt habe. Gleichzeitig werde die Zahl der Test pro Woche von aktuell weit über einer Million massiv erhöht und die Regeln für Quarantäne verschärft.

Emanuel Macron hat die Massnahmen mit der 2. Covid-Welle begründet, die «viel schneller und viel mörderischer ist, als die erste Welle». Bisher sind in Frankreich über 35’000 Menschen an Covid-19 gestorben, am Montag waren es offiziell 523. Aktuell befänden sich 3’000 Covid-Patienten in der Reanimation. Bis in zwei Wochen könnten es 9’000 sein und damit wäre die maximale Kapazität des ganzen Landes erreicht. Macron: «Wenn wir nichts tun, dann werden sich die Ärzte in zwei Wochen entscheiden müssen, ob sie ein Unfallopfer oder einen Covid-Patienten behandeln sollen.»

Macron hat zugesagt, dass morgen mit allen Parteien die Massnahmen besprochen werden. «Der demokratische Prozess wird eingehalten.» Die noch offenen Fragen würden gemeinsam geklärt.

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